Auf der Kriminaltour Hamburg entdecken – Führung über den Kiez

Petra Wagner aus der Zentrale der Globetrotter Reisebüros war bei einer kriminellen Hamburg Tour dabei und berichtet von ihren Eindrücken:

Am Samstag, den 14.05.2011 habe ich im Hamburger Stadtteil St. Pauli die Reeperbahn von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Bei einer Kriminaltour, geführt von einem ehemaligen Zivilbeamten, begab ich mich auf die Spuren des meistgesuchten Verbrechers  Thomas Wolf,  St. Pauli Killer Werner Pinzer, des Serienmörder Fritz Honka und der Kindermörderin Elisabeth Wiese. Nebenbei habe ich erfahren, dass obdachlose Menschen einen „festen Wohnsitz“ haben und warum man keine Glasflasche mit auf den Kiez nehmen darf……

Die Kriminaltour beginnt vor der berühmten Davidwache. Dort treffen wir den ehemaligen Zivilbeamten Volker Hartwig, der selbst 43 Jahre im Dienst war. Wir erfahren schon gleich zu Beginn, wie viele Polizisten an einem Tag auf der Reeperbahn im Einsatz sind, wie lang die Reeperbahn eigentlich ist, wer die Davidwache geplant und gebaut hat, wie der Spielbudenplatz entstanden ist und was „Gefahrengebiet“ auf der Reeperbahn bedeutet.

Wo der Schwerverbrecher Thomas Wolf der Polizei ins Netz gegangen ist

Nach einer interessanten Vorgeschichte über die Reeperbahn gehen wir auf die andere Straßenseite gegenüber der Davidwache. Dort befindet sich das legendäre „Lehmitz“, wo gemischtes Publikum gerne mal harte Sachen und Bier aus der Flasche trinkt. Die Stimmung ist gut und noch viel besser, wenn St. Pauli spielt.

Das Lehmitz ist auch die Lieblingskneipe von Thomas Wolf. Seine kriminelle Karriere begann im Alter von 15 Jahren und endete im Mai 2009. Seine Taten fingen mit Fahrrad- u. Ladendiebstählen an, hinzu kamen Raub, Betrug, schwere räuberische Erpressung, Gefängnismeuterei, Gefängnisflucht bis hin zur Geiselnahme und Identitätsklau. Nach acht Jahren Flucht kehrte Thomas Wolf auch mal wieder ins „Lehmitz“ ein, wo seine Reise endete. Die Polizei konnte ihn vor der Kneipe durch einen entscheidenden Hinweis festnehmen.

Die „Engelmacherin“ von St. Pauli

Weiter laufen wir auf dem Kiez entlang, platzieren uns an einer windgeschützten Stelle und Volker Hartwig erzählt uns eine Geschichte…

…es war einmal eine „Engelmacherin“, sie hörte auf den Namen Elisabeth Wiese. Eine Hebamme, die nicht besonders hübsch war, eher abstoßend, lebte zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Ehemann auf St. Pauli. Das Geld war knapp, der Ehemann störte, da musste sich etwas ändern. Mehrfach versuchte sie ihren Ehemann zu vergiften, jedoch vergeblich. Zeitungsanzeigen von etwas besser verdienenden Müttern brachten sie auf die Idee, ihre Dienste als Pflegemutter anzubieten. Den Müttern erzählte sie dann, dass ihre Säuglinge von reichen Pflegefamilien adoptiert worden wären und die Kinder es jetzt sehr viel besser haben. Die „Engelmacherin“ jedoch tötete die Kinder und verbrannte sie in ihrem Ofen. 1904 wurde Elisabeth Wiese vom Hamburger Schwurgericht wegen Nötigung zur Prostitution, Betrügerei und fünffachem Kindsmord zum Tode verurteilt und unter dem Fallbeil hingerichtet.

Die Bestie von Altona „Fritz Honka“

Wir machen mit unserem Kriminaltour-Führer einen Abstecher in die Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“. Eine kleine Pause mit einem Drink, dem „Gift“, gibt uns wieder Kraft und Konzentration für die nächste Kriminalgeschichte von Hamburgs größtem Mordfall.

In der Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ kehrte auch der zum Alkoholiker und Kettenraucher gewordene Fritz Honka gerne ein und ging auf Frauensuche. So recht Glück hatte Honka bei den Frauen nicht, also konzentrierte er sich auf alt gewordene Huren. Kleinigkeiten veranlassten Honka jedoch, den Frauen das Leben zu nehmen. Also erwürgte Honka die Frauen einfach. Aus Angst erwischt zu werden, zersägte er die Leichen (ein Bild von der Säge zeigt uns jetzt Volker Hartwig) und deponierte sie in seiner Wohnung, den Geruch mit WC-Steinen überdeckend, und tatsächlich fallen die Morde jahrelang niemandem auf. Bis es im Haus bei einem Nachbarn brannte. Die Feuerwehr rückte an und ganz zufällig wurden Leichenteile bei Honka gefunden. Später gestand Honka seine Morde. Ganz selbstverständlich sagte er: Den Auftrag habe ich von „Jack The Ripper“.

Nach all den Kriminalgeschichten mussten wir erst einmal tief durchatmen. Herr Hartwig hat uns mit seinen detailgenauen Erzählungen mitgenommen in eine ganz andere Welt von Hamburg, die nichts für übersensible Gemüter ist. Eben eine Hamburg Tour der ganz besonderen Art. Ich kann den kriminellen Rundgang jedem Hamburg Besucher, aber auch allen Hamburgern empfehlen. Sie werden die Reeperbahn von einer ganz anderen Seite kennenlernen.

Da wir von unserem Kriminalführer auch ein paar Einblicke in die Organisation des Rotlichtmilieus bekommen haben, freue ich mich schon jetzt auf die nächste Kiez-Tour: Rotlicht live.

Die Kriminaltour ist buchbar über Globetrotter Tours. Zur Zeit gibt es Termine für Einzelgäste und für Gruppen. Melden Sie sich unbedingt vorher an, die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die kriminelle Hamburg Tour eignet sich auch sehr gut für einen Betriebsausflug oder ein Firmenevent.

Ein Gedanke zu “Auf der Kriminaltour Hamburg entdecken – Führung über den Kiez

  1. Monika

    Tolle Sache. Da ich selber sehr gerne Krimis schaue ist solch eine Tour für mich genau das richtige. Ich liebe Hamburg und war bereits ein paar Mal dort. Deshalb fänd ich es schön diese Stadt einmal aus einer anderen Sicht betrachten zu können. Sehr guter Tipp, vielen Dank.

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