House Running… der Spaziergang in den Abgrund

Flanieren in Hamburg, ob zum Schaufensterbummel in der City, an der Alster oder am Elbstrand, hat bereits einen gewissen Charme und bleibt im Gedächtnis. An den aufregensten Spaziergang der Stadt kommen die genannten Orte jedoch um Längen nicht heran.
Südlich der Elbe, kurz hinter den Elbbrücken befindet sich das Holiday Inn Hamburg mit seinen 18 Stockwerken. Hier veranstaltet Jochen Schweizer das sogenannte House Running in Hamburg. House Runnung bedeutet so viel wie Spaziergang in den Abgrund entlang einer Hausfassade. Dieser „Spaziergang“ verlangt einiges an Mut und Selbstüberwindung.
Am vergangenen Wochenende war es dann so weit, mein House Running stand im Kalender. Im Vorwege machte ich mir allerhand Gedanken, ob ich mit der Höhe klar kommen würde oder auch was in mir vorgehen wird wenn ich erstmal oben an der Kante stehe.

Bei sonnigem Herbstwetter traf ich am Holiday Inn Hamburg ein. Bereits von unten wirkte das Gebäude schon verdammt hoch und ich konnte begutachten wie die ersten die Fassade herunterliefen und im Verhältnis zur Wand sehr klein wirkten…
In der Lobby des Hotels fanden anschließend die Formalitäten statt und ich wurde mit meiner Laufkarte in den 17. Stock geschickt. Auf dem Weg zum Fahrstuhl „ermunterten“ lustige Sprüche, die an den Wänden im Sichtfeld hingen wie z. B. „Hast du heute nix besseres vor?“. Auf dem Weg nach oben machte sich die Nervosität langsam bemerkbar. Oben angekommen folgten auf dem Weg zum Dach weitere vermeintlich aufbauende Sprüche. Zwei Mitarbeiter von Jochen Schweizer empfingen mich anschließend auf dem Dach bei strahlendem Sonnenschein und einer für Hamburg typischen steifen Brise.

Der Ausblick aus dieser Höhe war fabelhaft – noch konnte ich es genießen. Nun wurde es langsam ernst, die Einweisung begann und die Ausrüstung wurde angelegt. Je enger die Gurte sich zuzogen, desto größer wurde meine Anspannung. Längere Zeit zum Nachdenken blieb jedoch nicht und einige Momente später befand ich mich auf der Plattform, von der in den Abgrund spaziert werden sollte. Mein Blick schweifte über die Hafencity und die Innenstadt, frei nach dem Motto bloß nicht nach unten gucken. Doch es half alles nichts, der Moment der Wahrheit war gekommen. Ich bemerkte wie meine Beine ein wenig zu zittern begannen.
Eine nette Stimme hinter mir sagte dann in einem ruhigen Ton: „Atme nochmal tief ein und dann lässt du dich einfach nach vorne fallen“. Der erste Schritt in Richtung Abgrund war in meinen Augen der schlimmste. Adrenalin durchflutete meinen Körper, ein unbeschreibliches Erlebnis. Aus 60 Metern blickte man in den Abgrund, dem man entgegen laufen sollte. Mit Herzklopfen hüpfte ich die Fassade herunter, mein Ziel stets vor Augen: Endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Unten angekommen nahm mich ein Mitarbeiter in Empfang und brachte mich wieder sicher auf die Erde zurück. Voller Adrenalin brauchte ich einige Momente um zu begreifen was gerade passiert war und das Erlebte zu verarbeiten.

Die Überwindung war definitiv sehr groß, aber unten angekommen kann ich nur unterstreichen, es hat sich gelohnt! Dieser Spaziergang wird auf alle Fälle unvergesslich bleiben.

Jeder der jetzt neugierig geworden ist und die Herausforderung sucht, findet seinen persönlichen Spaziergang in den Abgrund hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.