Casa Cerdeira: Dem Portwein auf den Geschmack gekommen

Sollte man sich in Portos bekanntester Einkaufstrasse, der Rua Santa Catarina, mal zum Bummeln hinreißen lassen, kann es einem passieren, dass man auf ungewöhnliche Weise auf den Geschmack kommt. So erging es mir, als ich einen auf ersten Blicke unscheinbaren, kleinen Eckladen betrat:

Der unscheinbare Eckladen Casa Cerdeira

Der unscheinbare Eckladen Casa Cerdeira

Im Schaufenster stehen die üblichen Produkte: Drogerie-Artikel, Obst, auch eine durchaus beachtliche Menge unterschiedlicher Weine. Insbesondere natürlich Portwein. Ich bin ja in Porto!

Weinregal II

Portwein bis unter die Decke!

Ein älterer Herr, der weder Englisch, geschweige denn Deutsch spricht, nimmt sich meiner an. Nachdem einige, durch die Sprachbarrieren geprägte Minuten vergingen, stellt sich heraus: wir sprechen mit dem Ladeninhaber! Er verweist uns dann freundlich auf seinen Sohn, der noch in einem Kundengespräch ist.

Nach ein paar Minuten, die ich nutze, mir die beeindruckende Menge Weinflaschen in einem Regal bis unter die Decke anzuschauen, steht jener mir Rede und Antwort. Ich habe keine Ahnung, welchen Wein ich aus diesem Fundus nun wählen soll. Deshalb frage ich, ob es möglich sei, einen zu probieren. Der freundliche, mittelalte Herr macht ein erstauntes Gesicht und fragt scheinbar überrascht, ob er mir empfohlen wurde – ich verneine – er scheint zufrieden.

Was dann geschehen sollte, ist die sprichwörtlich pure Gastfreundschaft! Binnen weniger Minuten stehen drei bereits angebrochene Flaschen auf dem Verkaufstresen. Vorab: Ich bin partout kein Portweintrinker – wirklich nicht. Aber nachdem ich den ersten der drei Weine als den für mich Besten empfand, ist der Bann für den sympathischen Portugiesen endgültig gebrochen. Er scheint mir etwas beweisen zu wollen. Ich versuche Ihn noch davon abzubringen, aber er holt bereits drei neue Flaschen hervor. Die spontane, sehr herzlich geführte Weinverköstigung nimmt ihren Lauf. Wir beginnen Gespräche über Land, Wein und Leute – zwischendrin nochmal hiervon probieren und davon nippen. Eine Stunde vergeht wie im Flug! Und am Ende bleibe ich doch bei meiner anfänglichen Entscheidung für den ersten Wein.

Weinverköstigung: Hier ein Gläschen, dort mal nippen.

Weinverköstigung: Hier ein Gläschen, dort mal nippen.

Kleiner Tipp: Man sollte nicht mehr aber auch nicht weniger als drei Weine probieren, da es mit der Zuordnung von Glas zu Glas irgendwann schwierig wird! Man will ja nicht wieder von vorn anfangen müssen. Desweiteren sollte man klar anzeigen, wie voll ein Glas gemacht wird, … sonst … Sie ahnen es.

Casa Cerdeira

Casa Cerdeira

Ich tausche noch die, von Seiten des Unternehmers eher spärliche, Visitenkarte aus, um möglicherweise in Verbindung zu bleiben. Man weiß ja nie, wofür man nochmal einen Weinkenner in Portugal brauchen könnte. Danach verlasse ich das Casa Cerdeira glücklich und sicherlich auch ein wenig beschwippst. In meinem Gepäck finden sich zwei Flaschen des eine Stunde zuvor zuerst probierten Portweins.

– ein landestypisches, vor allem unvergessliches Erlebnis.

Ihr Frank Meier von Rouden.

Ein kleiner Hinweis: Meine Kollegin, Ulrike Tesch, hat den südlichen Teil Portugals erkundet. Wenn Sie ihre Erfahrungen über die Algarve, deren Steilküsten und Jeep-Touren durchs Hinterland lesen möchten, stöbern Sie doch in Ihrem Bericht.

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