Norwegen: Mythische Landschaft & pulsierender Städtetrip

Ich, Isabel, war acht Tage lang in 5 Städten der Westküste Norwegens unterwegs. Hinterher bohrte mich meine Freundin Leonie mit lauter Fragen:

Leo: „Und, Isabel, was hast‘ alles erlebt?“

Isabel: „Ich hab‘ in Trondheim Gehwege mit Fußbodenheizung gesehen, war in Ersgard, Brønnysund, auf den Vega-Inseln, in Bodø sowie Bronsø und hab im Camp Tamok das Polarlicht gesehen. Als letztes ging‘s dann nach Bergen!“

Leo: „Dann schieß los – wie ist Trondheim, da warst‘ doch bestimmt zuerst?“

Trondheim: Von beheizten Fußwegen & Rockgeschichte

Isabel: „Ja. Wir sind da gelandet. Es ist schließlich der wichtigste Verkehrsknotenpunkt im Norden Norwegens! In der drittgrößten Kommune des Landes leben etwa 182.000 Einwohner, davon alleine 30.000 Studenten der Technischen Universität!“

Anreise

Anreise

Leo: „Bekommt man den Studenten-Flair mit? – Wirkt die Stadt belebt, gibt es Kneipenviertel oder etwas in die Richtung?“

Isabel: „Abends haben wir viele Studenten in den kleinen Bars und Kneipen gesehen. Es war alles, typisch Uni-Stadt, sehr gechillt und entspannt. Bei ’nem kleinen Rundgang haben wir einen ersten Einblick in den Baustil Skandinaviens bekommen.“

Leo: „In Norwegen also rote Holzhäuser?“

Die falunroten Häuser Norwegens

Die falunrote Häuser Norwegens

Isabel: „Ja, schon mit dieser typischen Holzfassade. Es gibt sie aber in allen möglichen Farben, die meisten sind natürlich im bekannten Falunrot gestrichen! Die stehen dann in lauter kleinen Gassen!

Nach dem Rundgang waren wir im Rockheim Museum. Es ist noch ziemlich neu, 2010 wurde es erst eröffnet. Hier sind die Höhepunkte der norwegischen Rock- und Popmusik der fünfziger Jahre bis heute ausgestellt – in jedem Ausstellungzimmer kann man aktiv etwas ausprobieren.“

Leo: „Wie probiert man denn aktiv Rock- und Popmusik aus?“

Isabel: „Du kannst so Knöpfe und Kontakte im Boden berühren. Dadurch entsteht dann die entsprechende Musik. Ist ganz interessant gemacht! Oder du mischt mit Plattenspielern dein eigenes Remis. Je nach Thema kann man dann noch die entsprechenden Musikinstrumente ausprobieren. Oh. Und wusstest du noch was Verrücktes? – Die Fußwege haben sogar teilweise ne Fußbodenheizung!”

Leo: „Verrückt! – Wozu? Kann ich dann in ganz Trondheim barfuß laufen? ;-)“

Isabel: „Durch die beheizten Bürgersteige sind die Wege ständig eis- und schneefrei. Um barfuß zu laufen reicht es jedoch leider nicht. ;)“

Ersgard: Norwegische Tradition

Isabel: „Mit dem Bus verließen wir am nächsten Morgen Trondheim in Richtung Norden. Der Hof Ersgard war unser Ziel. Hier wurden wir von den freundlichen Besitzern empfangen und durften uns das Gästehaus und den Shop ansehen sowie ein Stück traditionellen norwegischen Kuchen kosten.“

Leo: „Was ist das für ein Hof? Und was ist in so einem traditionellen Kuchen drin?“

Der traditionsreiche Kuchen

Der traditionsreiche Kuchen

Isabel: „Der Hof ermöglicht das Übernachten nahe den Einheimischen. Im Haus wohnen mehrere Generationen. Von hier aus können die Gäste z.B. tolle Fahrradtouren machen. Das Rezept, welches wir probieren durften, ist ein Familienrezept und streng geheim! Aber Nüsse und Rosinen konnte ich auf jeden Fall erkennen.“

Brønnysund: Der sagenumwobene Berg Torghatten

Isabel: „Mit einer kleinen Propellermaschine flogen wir ungefähr eine Stunde weiter Richtung Norden nach Brønnysund.“

Die Propellermaschine nach Brønnysund

Die Propellermaschine nach Ronnysund

Leo: „Die Aussicht war bestimmt super?! Was hat man so aus dem Flugzeug sehen können?“

Isabel: „Die unendliche Landschaft Norwegens – Seen, Berge, Schnee, falunrote Holzhäuser, … In Brønnysund machten wir eine Wanderung zum sagenumwobenen Berg Torghatten, in dessen Mitte sich ein 35 m hohes und 160 m langes Loch befindet.“

Leo: „Wieso hat der Berg denn so ein großes Loch in der Mitte?“

Isabel: „Der ungehorsame Königssohn Pferdemann Hestmannen schoss einen Pfeil auf seine Angebetete Jungfrau Lekamøya, während diese vor ihm floh. Bevor der Pfeil sein Ziel fand, konnte der König des Sømnafjellet seinen Hut in die Schusslinie werfen! Durchbohrt fiel er auf der Insel Togar nieder. Die ersten Morgenstrahlen der Sonne versteinerten die gesamte Szenerie: Die Jungfrau Lekamøya auf der Insel Leka und der Hut wurde zum sagenumwobenen Berg Torghatten – mit dem Loch des Durchschusses!“

Leo: „Spannend! Weiß man auch, wie es wirklich passiert ist?“

Isabel: „Die trockene Wissenschaft sagt, die Eiszeit und Meeresbrandung habe das Loch geformt. Aber mir gefällt die mythische Version besser 😉 Wir besuchten noch das Aquakulturcenter, wo uns unter anderem gezeigt wurde, wie Lachse gezüchtet werden.“

Die Lachszucht

Die Lachszucht

Leo:“Was kann man denn bei einer Lachszucht sehen? Gab’s da noch andere Führungen?“

Isabel: „Ja, der Inhaber hat uns durch seine Anlage geführt. Leider war es schon dunkel. Trotzdem wurden uns die verschiedenen Becken mit den unterschiedlich alten Lachsen gezeigt. Anschließend schauten wir noch einen Film und probierten den frischen Lachs.“

Vega-Inseln: Federn und Enten im Weltkulturerbe

Isabel: „Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Schnellboot auf die Vega-Inseln. Zu dem Archipel gehören 6.000 Inseln! 10 Jahre gehört die krasse Kulturlandschaft schon zum UNESCO Weltkulturerbe!“

Das Eiderenten-Museum auf den Vega-Inseln

Das Eiderenten-Museum auf den Vega-Inseln

Leo: „Was muss ich mir denn unter Kulturlandschaft vorstellen?“

Isabel: „Traditionell werden auf den Inseln die Daunen der Eiderenten verarbeitet. Eine engagierte Mitarbeiterin des Eiderenten Museums hat uns einen Einblick in die Gewinnung und Verarbeitung der Daunen gegeben. Heute werden, im Einklang zwischen Tier und Mensch, nur die Daunen verwendet, die die Tiere verlieren oder für den Nestbau nutzen. Wir haben leider einen sehr trüben und regnerischen Tag erwischt. Die Wanderung durch die einmalige Natur der Insel fiel sehr kurz aus – bei Sonnenschein wäre es traumhaft schön gewesen! So hat mich leider recht wenig anderes von den Socken gehau’n.”

Herstellung von Daunenfedern im Einklang mit der Natur

Herstellung von Daunenfedern im Einklang mit der Natur

Bodø: Der größte Gezeitenstrom der Welt!

Isabel: „Nach einer weiteren Flugstunde gen Norden erreichten wir Bodø am Vormittag. Hier laufen täglich die Schiffe der Hurtigruten Nord- und Südroute an. Denn: Du kannst den stärksten Gezeitenstrom der Welt bestaunen! Im Wechsel der Gezeiten strömen fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser in die Meerenge hinein und wieder heraus. Stell dir das mal vor – der Mond bewegt so viel Wasser, wie der große Plöner See fasst! Der Strom erreicht dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h und es entsteht ein gewaltiger Strudel.

Saltraumen

Saltraumen

Leo: „Das muss ja ganz schön matschig von den Verwirbelungen da sein.“

Isabel: „Nein! Im Gegenteil. Das glasklare Wasser ist mit Fischen überfüllt – Ein Paradies für Angler. Die Naturgewalt war schon sehr beeindruckend!“

Leo: „Und wie hast du das gesehen? Von der Küste oder kann man da auch in ‘nem Boot durchfahren?“

Isabel: „Wir standen an Land, mit dem Boot ist das viel zu gefährlich. Vielleicht hätte man drüber fliegen können. Apropros Fliegen – anschließend waren wir im Luftfahrtmuseum. Hier gibt es eine Abteilung für Militär- und Zivilluftfahrt. Im militärischen Teil sind berühmte Flugzeuge ausgestellt.

Das Luftfahrtmuseum

Das Luftfahrtmuseum

Leo: „Kann man da auch was erleben, oder ist das nur etwas für Flugzeug- und Militärbegeisterte?“

Isabel: „Das war eher nur etwas für Flugzeugbegeisterte. Das Personal macht die Führungen aber ganz interessant. Zum Abschluss des Tages bekamen wir eine kleine Führung durch das Bodøgaard Art & Culture Zentrum. Hier befindet sich die größte private Kunstsammlung Nordnorwegens.“

Leo: „Was für Kunst gibt es da zu sehen? Gemälde, Statuen, …?“

Isabel: „Einfach alles: von Gemälden, Fotos, alten Kameras bis hin zu Statuen und Stoffkunst. Die Ausstellungen wechseln ständig.“

Tromsø: Der tiefe, dunkle Norden

Isabel: „Am Abend nahmen wir die letzte Maschine nach Tromsø. Die größte Stadt im Norden des Landes beherbergt nicht nur die nördlichste Universität, sondern auch die nördlichste Kathedrale der Welt.

Leo: „Am nördlichsten in Norwegen – klingt ganz schön … dunkel!“

Isabel: „Ja. Es ist auch noch von engen Bergen umgeben. Zwischen Ende Novemer und Mitte Januar sieht man keinen Sonnenaufgang. Ganz dunkel bleibt es zum Glück nur, wenn Wolken den Himmel verdecken!”

Camp Tamok: Schlittentouren und Polarlicht

Isabel: „Am nächsten Vormittag erreichten wir nach einer eineinhalbstündigen Fahrt das Camp Tamok. Das Camp liegt inmitten der Natur und bietet verschiedene Outdoor-Aktivitäten sowie Übernachtungen in ursprünglichen Hütten an.

Leo: „Was sind denn ursprüngliche Hütten? Ist es nicht ar***-kalt darin zu schlafen?“

Isabel.: „Die Hütten sehen aus wie Jurten. Man schläft mit 6-10 Personen in kleinen abgetrennten Bereichen mit Schlafsack und Tierfellen. In der Mitte steht ein Ofen. Die Mitarbeiter legen regelmäßig Holz nach, damit die Gäste nicht frieren.“

Leo: „Und was für Outdoor-Aktivitäten? Hier hast du das Polarlicht gesehen, oder?“

Isabel: „Die Gegend ist vor allem bekannt für einen besonders klaren und trockenen Himmel in der Wildnis. Und – richtig – das sind perfekte Voraussetzungen für ein nächtliches Polarlicht-Erlebnis! Aber ich muss zugeben, ich wollte etwas angeben. Als wir da waren, war natürlich einer der seltenen Nebel-Tage. Ich hab mit anderen Gästen gesprochen, die am Tag vorher eine wunderschöne Sicht auf das Licht hatten! Immerhin haben wir eine aufregende und rasante Huskyschlittentour gemacht. Es gibt auch die gemütliche Variante: Eine Rentierschlittentour. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Bergen.“

Bergen

Isabel: „Bergen war früher Hansestadt und ist heute noch sehr international und von einer langen Geschichte geprägt.“

Leo: „Was nun? Modern oder historisch?“

Isabel: „Sie ist auf der einen Seite sehr modern. Aber Bergen hat sich den Charme und die Atmosphäre einer Kleinstadt bewahrt! Am Vormittag besuchten wir das Haus des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. Es ist seit 1928 ein Museum, das am Ufer des Nordasvannet liegt. Wir lauschten zu den Klängen eines von Grieg komponierten Liedes, bevor wir uns auf den Weg ins Zentrum machten.“

Das Grieg Haus des gleichnamigen Komponisten

Das Grieg Haus des gleichnamigen Komponisten

Leo: „Ist das dann so ein akustisches Museum, wo man sich dessen Stücke anhören kann?“

Isabel: „Es handelt sich um das Wohnhaus des Komponisten. In seinem ehemaligen Klavier-Zimmer ist das Piano ausgestellt und man kann persönliche Gegenstände sehen. Auf einem kleinen Rundgang gibt es dann noch einige Informationen zu Edvard Grieg.

Am späten Nachmittag fuhren wir mit der Stadtseilbahn vom Zentrum auf den Gipfel des Bergs Floyen. Bei leichtem Schneefall genossen wir die einzigartige Aussicht über die Stadt, die umliegenden Berge und Fjorde sowie das offene Meer. In Bergen haben wir auch ein dreitägiges Seminar gehabt, bevor es dann zurück nach Hamburg ging.“

Und welcher Urlaub ist nun der beste in Norwegen?

Leo: „Wann und was mach ich nun am besten für einen Urlaub in Norwegen?“

Isabel: „Das ist das gute an Norwegen. Es ist so facettenreich! Im Winter wie im Sommer. Wenn du Lust auf ein Ferienhaus am See hast – super! Wenn du ‘ne Kreuzfahrt machen möchtest – fahr mit den Hurtigruten oder der Color Line! Du bist ja eher so der Städtereisen-Typ: Da bieten sich natürlich Bergen, Oslo oder Trondheim an! Aber vielleicht fahren wir einfach zusammen nochmal hin? – Ein Aktivurlaub? Ein bisschen wandern, wie wäre das?“

Leo: „Ja, wandern war ich schon lang‘ nicht mehr! Dann komm ich doch morgen in meiner Mittagspause mal bei dir im Reisebüro vorbei!

Isabel: „Und ich frag derweil mal bei unseren Outdoor-Kollegen in Barmbek nach weiteren guten Möglichkeiten!“

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