Durch Sibirien zum Baikalsee 30. – 33. Reisetag

30. Tag – So. 16. August 2015 Aufenthalt in Moskau (0 km)

Nach dem Frühstück beginnen wir unser Programm in Moskau. Abmarsch um 10 Uhr. Metro, Roter Platz mit der Basilius-Kathedrale und dem Kaufhaus GUM, Kreml, wir erleben Moskau intensiv.

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Unser Hotel ist voll mit Reisenden auch China. Nach dem Besuch vom russischen Präsidenten Putin im Frühjahr in China, wo er Öl- und Gasgeschäfte anleierte und um gute Beziehungen warb, boomt das Tourismus-Geschäft mit den Chinesen. Die Busladungen der asiatischen Touristen sind an allen Attraktionen in der Stadt gegenwärtig. Auch Eugen, unser Reiseführer stöhnt, weil er seit dem Frühjahr permanent im Einsatz ist. So ist der Rundgang mit uns – ich kenne ihn schon seit Jahren und hatte ihn dafür bestellt“ – eine willkommene Abwechslung.

Egon hat so seine liebe Not mit den vielen Chinesen um ihn herum, vor allem ihre Essgewohnheiten behagen ihm nicht sonderlich. Laut erzählend, mit offenem Munde speisend, permanent mit dem Handy spielend, so präsentieren sich sehr viele der zahlreichen asiatischen Gäste im Speisesaal. Andere Länder, andere Sitten, er überlebt es trotzdem.

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Wir beginnen bei kühlen 16 Grad mit einer Bustour durch die Stadt. Geschichte, Zahlen, Eugen hat alles parat. Von den Rurikiden über Juri Langhand, den Gründer der Stadt, kann er die Fakten herunter rasseln. Es ist heute nicht leicht, die vorgesehene Route zu fahren, denn es findet entlang der Moskwa ein Marathonlauf statt. Erster Stopp ist an der Erlöser-Kathedrale. Dieser höchste Sakralbau der Welt hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Gebaut anlässlich des Sieges über Napoleon wurde sie in den dreißiger Jahren gesprengt. Anlässlich der 800-Jahr-Feier der Gründung der Stadt sollte hier das 8. Hochhaus im „Zuckerbäckerstil“ der Stalin-Zeit entstehen. Der schwierige Baugrund und der 2. Weltkrieg verhinderten den Bau. Lange gab es dort ein Schwimmbad. Gut erinnere ich mich noch an meinen Besuch dort in den 80er Jahren. Erst Ende der 90er Jahren erfolgte der Neuaufbau der Kathedrale nach alten Unterlagen.

Viele solche Geschichten kann Jewgeni erzählen. Man muss schon sehr aufpassen, um mit den Dynastien, Zeiten und geschichtlichen Zusammenhängen nicht durcheinander zu kommen. Gerade auf dem Kreml-Gelände, das wir zum Schluss auch noch besuchen, fällt es selbst Egon und mir fast schon schwer, alle seine Informationen richtig einzuordnen. Selbst er bestätigt, dass es unter Gorbatschow oder Jelzin wesentlich weniger Bautätigkeit gab und erst jetzt die Stadt richtig aufblüht. Moskau hat etwa fünf Mal so viele Einwohner wie Berlin. Durch die Gegensätze von Stadt und Land herrscht in Russland Landflucht und eine große Zuwanderung nach Moskau. Dazu gibt es hier 80 Universitäten. Die heimische Wirtschaft boomt so sehr, wie wir es in den letzten 10 Jahren nicht gesehen haben. Auch wenn der Export sich überwiegend auf Rohstoffe beschränkt, so sind die Leute mit der Politik der Staatsführung zufrieden. Hatten wir das schon intensiv in Sibirien erfahren, klingt es auch in Moskau bei allen Gesprächen, ie wir führen, deutlich durch. Das vom Westen verhängte Embargo kommt bei den „Normalbürgern“ nicht wirklich an. Im Gegensatz, die Euphorie und der Nationalstolz wächst – nun erst recht! Der Rubel ist im letzten Jahr zum Dollar und zum Euro nahezu um 50 % gefallen, aber dazwischen gab es auch Erholungsphasen. Die Mittelschicht macht sich darüber keine Sorgen. Und wenn, dann wäre die nächste Geldentwertung längst überfällig. Das letzte Mal passiert es unter Jelzin und der liegt längs auf dem Prominenten-Friedhof am Neu-Jungfrauen Kloster, zusammen mit Chrustschow, und den Frauen von Stalin und Gorbatschow.

Mehr zu unserer Reise, mit zum Teil anderer Sichtweise könnt ihr von Jörg lesen: http://bike.extratip.de/2015/08/31/russlandtour-endlich-wieder-bikes-in-moskau-15-august/

31. Tag – Mo. 17. August 2015: Fahrt von Moskau über Borodino nach Smolensk (400 km)

Nach dem Frühstück verlassen wir Moskau und fahren auf der M1 nach Smolensk, das wir am Abend erreichen. Um auf die Strecke zu gelangen, müssen wir mehrere Stadtringe überqueren, Der Verkehr wird ziemlich dicht sein. Umsicht ist mehr denn sonst geboten. Wir machen einen Abstecher nach Borodino, dem ehemaligen Schlachtfeld von Napoleons Versuch, Russland zu erobern. Schließlich erreichen wir unser Hotel Rossija in Smolensk.

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Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind erheblich. Smolensk ist, obwohl nur 400 km von Moskau entfernt, bereits tiefstes Russland. Welch ein Unterschied zur Hauptstadt.

Wir verlassen den Moloch Moskau auf dem äußeren Ring. In 5-6 Fahrspuren quält sich der Verkehr in beiden Richtungen Stoßstange an Stoßstange. Nach ca. 1,5 Stunden haben wir die 60 km absolviert und können den Ring stadtauswärts verlassen. Die Straße führt in 2 Spuren bis Minsk, der Hauptstadt Weißrusslands, mit dem die russische Föderation eine Zollunion bildet.

Erste Station ist der Ort Borodino. Hier wurden die napoleonischen Truppen 1812 so stark geschwächt, dass sie nicht in der Lage waren, Moskau bzw. Russland wirklich zu erobern. An diesem Tag im August standen sich mindestens 250.000 Soldaten gegenüber, von denen 80 bis 90 000 starben. Darunter waren 47 Generäle auf russischer und 23 Generäle auf französischer Seite. Zum ersten Mal zeigten die russischen Truppen eine unübertroffene Kampfmoral. Seit der Zeit heißt dieser Krieg der „Vaterländische Krieg“ und der höchste militärische Orden ist nach dem russischen Feldherren Kutusow (von Smolensk) benannt. Der nachfolgende Sieg über die napoleonischen Truppen brachte eine Folge von neuen aufgeschlossenen Ideen nach Russland, die dieses Land sehr veränderten.

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Über 100 Jahre später befand sich hier in der Nähe, in Mogilew, der vorderste Kommandoposten der Wehrmacht. Hier wurde der Vormarsch der Wehrmacht im November 1941 gestoppt. Die nachfolgenden Schlachten und der Sieg über Hitlerdeutschland führten zur Bezeichnung „Großer Vaterländischer Krieg“ als Synonym für den 2. Weltkrieg. Unvorstellbare materielle und personelle Opfer hatte damals dieses Land damals zu ertragen. Die Bevölkerung der russischen Föderation ist noch heute stolz auf diesen Sieg.

Das Gelände ist hügelig. Am Vormittag gab es ein oder zwei kurze Ansätze von Schauern und die Temperaturen wollen nicht über 17 Grad steigen. Dann eine erste Panne – eine Spaxscharube im reifen. Mit gutem Werkzeug ist es kein Problem, den Reifen zu flicken. Aber die Gebrauchsanweisung ist nicht auf Anhieb verständlich. In solchen Fällen hilft eine entsprechende Vorbereitung zu Hause, so wie wir s in unseren Technikkursen praktizieren.

Erst am Nachmittag kommt die Sonne ein wenig raus. Dann schnellen die Temperaturen aber auch sofort auf deutlich über 20 Grad hoch. Endlos scheint sich die Strecke hinzuziehen, diesen Strecke, unseren Vätern als Rollbahn nach Moskau geläufig.

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Die 300.000 Einwohner zählende Stadt Smolensk empfängt uns ur-russisch. Alles ist ein wenig anders als in Moskau und erinnert sehr stark an den DDR-Charme von 1972-75. Das Hotel Rossia, in dem wir untergebracht sind, ist technisch seit dem nicht erneuert worden. Fahrstühle, Außenfassade und Inneneinrichtung sind wie aus dem Museum. Die Straßen und Wege sind nicht immer eben. Fairerweise muss auch hier klar gestellt werden, alles ist sauberer als noch vor 3 Jahren. Alkoholprobleme sind nicht erkennbar. Viele der staatlichen Tankstellen sind geschlossen und BP, Shell und andere haben hier Einzug gehalten.

Bei der Anmeldung will die Dame am Empfang nicht einsehen, dass wir schon so lange im Lande sind. Sie möchte bitte die Anmeldescheine der Registrationen für mindestens jede Woche sehen. Egon erklärt ihr, dass die Registratur in den großen Hotels elektronisch gemacht wird und bereits auf dem Rechner der Polizei vorhanden ist. Davon hört sie zum ersten Mal. Beim Abendessen entspannen wir uns. Egon bestell ich für sich und mich jeweils ein Bier. Und einen Wodka – ergänzt die Kellnerin wie selbstverständlich.

32. Tag – Di. 18. August 2015: Fahrt von Smolensk nach Katyn und weiter nach Sebesh (360 km)

Nach einem Abstecher nach Katyn fahren wir durch den bei uns weitgehend unbekannten Westen des Landes in den Bereich der Grenze zu Weißrussland. Wir erleben noch einmal wieder Weite und Abgeschiedenheit, bevor wir Sebesh erreichen, unseren letzten Übernachtungsort in Russland.

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Wenn die Sonne scheint, dann sind alle Städte schön. Heute scheint die Sonne und die Kirchenkuppeln leuchten. Nach dem Frühstück stehen Besichtigungen an. Auf dem Platz vor der Hauptkathedrale steht der Herr Kutusow von Smolensk auf seinem Sockel, Held der Schlacht bei Borodino. Die Hauptkathedrale steht auf einem Hügel. Dadurch hat man einen schönen Blick über die Stadt. Auch die Kathedrale wurde, wie die gesamte Stadt, neu aufgebaut. Faktisch zweimal wurde die gesamte Stadt zerstört. Einmal bei der Eroberung durch die Wehrmacht – weil die Verteidiger sich verbissen wehrten. Das zweite Mal bei der Rückeroberung als der Befehl der Wehrmacht lautete, alle Häuser zu zerstören.

In der Kathedrale wird die Messe gelesen. Der Priester zelebriert dabei die Messe hinter der heute geöffneten Altarwand, während die Menschen im Kirchenraum stehen. Die Messe kann durchaus drei Stunden dauern. Jeder kommt und geht wann er will. Die sakralen Gesänge während der Messe und die starken Worte des Priesters schaffen eine eigenartige Atmosphäre. Hinzu kommt, dass die Kirche mit außerordentlich viel Gold ausgestattet ist. Die Hauptikone ist die Heilige Mutter von Smolensk.

Unser zweiter Besuch gilt dem Soldatenfriedhof in Smolensk. Keine Hinweisschilder führen zum Friedhof und Leute, die wir befragen, können oder wollen keine Auskunft geben. Zum Glück sind die Angaben des Volksbundes sehr genau und so finden wir diesen Ort, in dessen Nähe sich ein großes Wehrmachtslazarett befand. Der Friedhof für über 50.000 Gefallene ist unserer Trauerkultur entsprechend sehr schlicht und sehr sauber. Durch die hohen Bäume fällt friedlich das Licht auf die Steine, die als kleine Gruppen auf dem Gelände stehen. Es ist so kurz hintereinander der zweite bewegende Moment an diesem Morgen.

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Katyn steht als dritter Besichtigungspunkt auf der Agenda. Kaum jemand hat nicht von diesem Ort gehört. Ich bin zum fünften Mal hier. Da alles im Vorraum die Ausstellung ausschließlich auf Russisch geschrieben ist, geben Egon und ich ein paar einführende Worte. Das große Freigelände lassen wir auf jeden ohne begleitende Worte einwirken. Der dritte bewegende Moment an diesem Morgen.

Ich möchte den Teilnehmern noch einmal wieder Landschaft zeigen und sie spüren und erfahren lassen,welch ein Wahnsinn hier 1941 stattgefunden hat. Also fahren wir 200 Km Nebenstraße nahezu geradeaus. Hier entlang der Weißrussischen Grenze ist, wie in allen Grenzregionen der Welt, eine sehr strukturschwache Region. Die wenigen unrentablen Fabriken sind geschlossen und Landwirtschaft lohnt wegen der weiten Wege und schlechten Böden nicht wirklich. Über weite Strecken ähnelt die Landschaft unseren Hochmooren. Wir fragen uns, was man hier mit 20 Hektar Land anfangen kann. Etwa auf halber Strecke kommen wir in die erste Kleinstadt. Die Kleinstadt Nevel liegt an der Autobahn, die hier von Ost nach West verläuft, während wir die Nebenstraße von Süd nach Nord benutzen. Größter Arbeitgeber ist hier ein Komplex in dem LKW gereinigt werden.

Das Gebiet Pskow begrüßt uns mit viel Wald. Auch hier werden die Straßen saniert und verbreitert. Der Grad der Mechanisierung ist außerordentlich hoch. Teilweise wird das komplette Straßenbett erneuert und die Straßen begradigt. Das ist bei diesem sumpfigen nicht immer einfach. In diesen Wäldern siedelten die ersten Wikinger, die Rus. Sie gründeten hier das Gebiet, das heute Russland heißt. Auch die Hanse trieb regen Handel mit dieser Region. Die Leute hier hießen damals schon „Russen“. Es muss keine große Liebe zwischen den Hanse-Leuten und diesen fremdländischen Bewohnern bestanden haben, denn in den Kathedralen sind schlechte Menschen immer als Muselmanen und Europäer dargestellt!

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Bei Sebesch besuchen wir einen weiteren deutschen Soldatenfriedhof. Auch hier sind die Angaben des Volksbundes präzise. Das ist gut so, denn es fehlt jedes Hinweisschild. Auf diesem 4 ha großen Gelände liegen über 40.000 Gefallene. Im Gegensatz zu Smolensk stehen hier viele Säulen mit den Namen. Namen von jungen Männern, die nicht alt geworden sind! Idyllisch fügt sich dieses Freigelände in die leicht hügelige Landschaft in der Nähe eines Flusses ein.

Bei Eintreffen im Hotel veranlasst Egon, dass zum Abendbrot auf jedem Platz ein Glas Wodka steht. Der Preis stimmt, so dass jeder 100 Gramm erhält. Natürlich meinen viele, dass dies eine Geste des Hauses sei. Andere glauben, dass das Glas Wasser enthalte und werden eines besseren belehrt. Schon öfter hatten wir das Problem, dass einige mit dem Essen und Trinken nicht warten können, bis alle da sind. Aber heute klappt es. Egon und ich sind die einzigen, die nach unserm Trinkspruch das Glas in einem Zuge leeren. Anerkennende Bemerkung eines Teilnehmers zu uns: „Trinken können sie, diese Russen!“

33. Tag – Mi. 19. August 2015: Fahrt von Sebesh über die Grenze RUS – LT nach Rĕzekne (100 km)

Die heutige Fahrstrecke ist relativ kurz. Aber wir haben die Ausreise aus Russland nach Lettland vor uns und da kann es manche Überraschung geben. Eine Pause in der kleinen Stadt Rĕzekne ist sicher auch nicht verkehrt.

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Das Frühstück ist typisch russisch. Obwohl es ist heute der die beste Kascha überhaupt ist, den wir hatten und man sich langsam daran gewöhnt haben könnte, stochern die meisten Teilnehmer lieblos in dem Haferschleim umher. Glücklicherweise gibt es noch mehr zum Essen. Dann aber nichts wie los. Ich möchte zeitig losfahren, denn wir haben in den letzten Jahren Grenzübertritte zwischen 1,5 und 20 Stunden erlebt. Wir wissen nicht wie viel Andrang an der Grenze sein wird und wie viele Grenzbeamte gerade bei unserem Erscheinen ihre Pause machen müssen.

An einer Tankstelle wird nochmals getankt. 60 Cent je Liter ist einfach günstig. Wir nutzen die Gelegenheit unser letzten Rubel in Waren umzusetzen. Aber nicht jeder folgt unserem Beispiel. Leider hat letzte Shop vor der Grenze Ruhetag. Geschlossen. Also kommt Jörg, der noch ins Königsberger Gebiet weiterreisen wird, in den Genuss einer größeren Menge Rubel. Wir fahren an der LKW-Schlange vorbei zur Zone. Es sind weniger LKW als sonst, nur ungefähr halb so viele wie im letzten Jahr. In der Schlange vor dem Schlagbaum steht nur ein PKW.

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Vorkontrolle der Pässe und dann können wir schon einfahren. Bei der Zollkontrolle müssen wir die Zollerklärung vorweisen, die wir bei der Einreise ausgefüllt haben. Penibel wird überprüft, ob wir auch mit demselben Fahrzeug ausreisen. Das ist nicht einfach, denn häufig stimmen die lateinischen Buchstaben mit den kyrillischen nicht überein. Dann die Passkontrolle. Dann die Warenkontrolle. Natürlich haben wir nichts zu verzollen. Und ab zur lettischen Grenze. Warten. Laufzettel für den Einlass in den Kontrollbereich. Ausfüllen der Zollerklärung. Es werden penible Angaben erwartet zu allen alkoholischen Getränken einschließlich Bier. Penibel wird der Tankinhalt abgefragt und die mitgeführte Menge Kraftstoff in den Kanistern. Bei der lettischen Kontrolle weiß man inzwischen, dass der russische Zoll das Fahrzeug auf seine Identität überprüft hat. Man beschränkt sich auf den Inhalt. Man schaut in alle Ecken, verzichtet aber in unserem Fall auf die Visitation von Gepäckstücken. Natürlich muss auch hier alles in den Computer eingetippt werden. Warum es maschinenlesbare Dokumente gibt, erschließt sich mir nicht wirklich. Eine kleine Aufregung herrscht, als die Zöllnerin im Auto 15 Litern Benzin für die Motorräder und 5 Liter Diesel für den Bus sieht. Zum Glück ist Thomas mit dem Gespann noch da und ist zolltechnisch noch nicht abgefertigt worden. Schnell korrigiert er seine Erklärung und ich bin den 10-Liter-Kanister los. Ansonsten hätte Egon Zoll zahlen müssen. Wer weiß, welchen Stress es gäbe, wenn bei der Kontrolle des Gepäcks der Wodka zu Tage getreten wäre. Es gilt nämlich immer die Menge je Fahrzeug bzw. natürliche Person, und Egon habt einige Flaschen Wodka im Auto. Aber es geht nochmal gut ab. Nach zwei Stunden ist die Abfertigung der 13 Motorräder und des Service-Bus abgeschlossen und wir beglückwünschen uns zur Ankunft im Schengen-Raum.

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Der Rest des Tages ist unspektakulär. Gegen 14.00 Uhr sind wir schon im Hotel und relaxen. Alles ist gewohnt – ungewohnt langweilig: die Kellnerinnen sind freundlich und lächeln. Es gibt zum Abend wieder drei Gänge serviert, liebevoll mit Verzierungen angerichtet und nicht ausschließlich mit Kräutern garniert. Das Personal spricht außer der Muttersprache weitere zwei Sprachen, so dass es keines Dolmetschers bedarf, um sich ein Bier zu bestellen. Das Hotel hat zwar keine 4 Sterne und ist nicht so groß wie in Moskau oder Nowosibirsk, ist aber in vielen Dingen mindestens gleichwertig.

Über 700 Stunden – 30 Tage sind wir in der Gruppe zusammen und haben ca. 9000 km zurückgelegt und viele Abenteuer in einer für die meisten unbekannten Umgebung erlebt. Vier „Wiederholungstäter“ der Reise in den Ural vom letzten Jahr waren dabei, die mit weiteren, verstärkten Eindrücken aus Russland abreisen. Mehr als ein Drittel äußert den Wunsch, im nächste Jahr auf unserer Karelienreise wieder mit dabei zu sein. Das ist doch ein Erfolg für Egon und mich.

Nach dem Grenzübertritt trennen sich einig Teilnehmer von uns und fahren alleine ein eigenes Programm. Schade, dass nicht bei jedem die Zeit nicht ausreichte, um sich nach der Grenze noch gebührend zu verabschieden.

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