Eis, heiß und die Unterirdischen

Island, die Begegnung mit der Schöpfung und mit Skurrilem fasziniert seine Besucher

Island Reise mit MOTTOUREN

Unsere Reise nach Island starten wir in Hamburg. Über 500 km, vorwiegend auf der Landstraße, trennen uns von der Nordspitze Dänemarks.

Auf dem Campingplatz von Hanstholm übernachten wir, wie viele andere auch, bevor wir am nächsten Tag in See stechen. Wir nehmen die Gelegenheit wahr dem Ort noch einen Besuch abzustatten und besichtigen die Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg, die sich in den Dünen befinden.

Island-22 Am Morgen sind wir rechtzeitig am Fährterminal und reihen uns in die Schlange der Islandreisenden ein. Es geht recht zügig voran. Motorräder festlaschen, zur Rezeption und dann Kabinen beziehen.

Die zweieinhalbtägige Überfahrt nach Island verläuft dieses Mal ausgesprochen ruhig, erscheint fast wie eine Kreuzfahrt. Dabei kann es hier schon ganz anders zur Sache gehen. Schon einmal hatten ein paar Kollegen und ich den Speisesaal fast alleine für uns. Nicht umsonst gilt dar Nordatlantik nicht als das bevorzugte Kreuzfahrrevier.Nach gut 31 Stunden erreichen wir Tórshavn, die Hauptstadt und den wichtigsten Hafen der Färöer Inselgruppe. Den kurzen Aufenthalt auf den Färöer nutzen wir zum Beinevertreten. Ein paar Schritte sind es nur zu den Geschäften im Hafen, nur wenig weiter ist es zur historische Festungsanlage Skansin mit ihrem Leuchtturm. Doch dann tönt die Schiffsirene und alle hasten zurück an Bord.

Ankunft in Island Nach etwa der gleichen Zeit kommt Island in Sicht. Das ist etwas übertrieben, denn Island zeigt sich bei der Ankunft im Nebel. Rasch geht es in Seydisfjödur von Bord, doch dann dauert es ziemlich lange, bis wir alle zusammen sind. Wider Erwarten wird Hans Jürgen mit unserem Geländewagen durch die neuinstallierte Röntgenanlage geschickt und anschließend wird das Auto noch in der Halle untersucht. Glücklicherweise geht es den Zöllnern aber nur um seinen Tank, bzw. den Schatten, den er auf dem Röntgenbild geworfen hatte. Der Inhalt des Autos interessierte sie überraschenderweise nicht. Anderen Reisenden erging es ganz anders, denn ihnen wurden die mitgebrachten Wurstwaren abgenommen.

Wir sind froh endlich wieder Land unter den Füßen zu haben und vor allem unser Auto, mit allen Mitbringseln, wieder dabei zu haben. Über einen Pass geht es hoch nach Egilstadir. Der Nebel verzieht sich rasch, aber es ist noch empfindlich kühl. Kaum haben wir nach 26 Kilometern die erste, für isländische Verhältnisse, größere Stadt Egilsstadir erreicht – größer heißt hier 2.260 Einwohner – gehen wir ans Auffrischen der Lebensmittelvorräte und der einheimischen Geldreserven. Es scheint, als hätten alle Passagiere der Fähre genau dieselbe Idee gehabt, der Ort wird regelrecht von den Neuankömmlingen überrannt. Also verschieben wir unseren Einkauf ein wenig, fahren zum Zeltplatz, bauen die Zelte auf und richten uns ein. Geld können wir auch noch später aus dem Automaten ziehen. Zunächst erfrage ich die Wetterprognosen für die nächsten Tage. Das ist wichtig, denn merkwürdig und wechselhaft wie vieles auf Island ist auch das Wetter. Hat eben noch die Sonne geschienen, jagt Minuten später ein heftiger Nordwestwind Regenschauer waagerecht über die Landschaft. „Manchmal ist das gute Wetter gerade da, wo man nicht ist“, witzelt die junge Frau im Kiosk des Campingplatzes. „Du musst nur ein paar Minuten warten, denn auf Island ist nichts ist so stetig wie der Wandel!“ Gut zu wissen. Dann machen wir zum Warmfahren einen ersten Ausflug in den Norden – kein Problem mit unseren guten Rukkaanzügen. Im Gegensatz zu uns spricht hier niemand vom Islandtief. Für die Isländer ist es das Grönlandtief. Am nächsten Tag ist das Wetter besser und wir fahren Richtung Snaefell, den mit 1.833 m höchsten Berg Islands, der außerhalb des Vatnajökull liegt. Auf dem Weg dorthin stoppen wir bei einem ehemaligen Kloster, das in den 30er Jahren der Hamburger Architekt Fritz Höger zum Wohnhaus für den isländischen Dichters Gunnar Gunnarson umbaute. Aber sobald wir aus dem Tal in die Hochebene kommen, tauchen wir in die tief hängenden Wolken ein und die Sicht reduziert sich dramatisch. Den Berg Snaefell erahnen wir mehr als dass wir ihn sehen. Doch dann reißt der Himmel auf, gerade, als wir den neuen Staudamm erreichen. Ein in Island höchst umstrittenes Projekt, da es einen Teil des Jökulsatals ertrinken lässt. Der so erzeugte Strom versorgt das neue Aluminiumwerk in Reydarfjördur mit Energie. Etwas weiter nördlich haben wir nach einer kurzen Wanderung Einblick in die Schlucht der Jökulsa. Die Jökulsá í Fljótsdal fließt hier ab, aber inzwischen nur als kleiner Fluss, bahnt sie sich tief unter uns ihren Weg durch die gewaltige Schlucht. Vor dem Bau des Staudamms war das völlig anders.

Pfannkuchen und Kakao auf IslandÜber die Piste geht es durch endlose schwarze Schotter- und Sandflächen weiter nach Saenautavatn. Nahe an einem Seeufer, jenseits eines kleinen Baches, parkten einige Autos unweit eines mit Grassoden bedecken Hauses. Das muss es sein. Mein Freund Eythor hatte mir den Tipp gegeben: „Hier kannst du die besten Pfannkuchen Islands essen.“ Und er hat Recht. Diese Pfannkuchen sind nicht nur hervorragend, sie sind auch so zahlreich, dass wir sie beim besten Willen nicht schaffen. Dazu gibt es einen Kakao, wie ich ihn in der Qualität seit Jahren nicht mehr getrunken habe. Mit runden Bäuchen kugeln wir zu den Motorrädern zurück. Wie gut, dass wir noch ein Stück Piste vor uns haben, die wir am besten im Stehen fahren. So können sich die Pfannkuchen noch setzen. Kurz danach sind wir wieder auf der Ringstraße, die uns zurück nach Egilsstadir führt und zu unseren Zelten. Als Eingewöhnungsrunde war das schon mal nicht schlecht.

Island-23 Am nächsten Morgen packen wir alles zusammen und fahren nach Reydarfjördur und werfen einen Blick auf das Aluminiumwerk, für das der Strom aus dem Staudamm stammt, den wir am Tag zuvor gesehen hatten. Dann fahren wir auf einer Piste über die Berge, parallel zur Stromleitung. Diese Piste ist im ersten Teil schon eine Herausforderung. Steile Streckenabschnitte und loses Geröll, zum Teil enge Kurven erfordern die ganze Konzentration. Nach kurzer Fahrt auf der geteerten Ringstraße biegen wir auf die Öxi ab. Das ist zwar auch eine Piste, aber angenehm zu fahren, mit immer wieder grandiosen Ausblicken auf die Hänge mit ihren Wasserfällen und auf die unter uns liegende Bucht. Höfn ist der erste große Ort an der Strecke – tanken, ein Kaffee, ein kleiner Imbiss und Brot aus dem Supermarkt. Weiter geht es.
Island Gletscher Bei ziemlich gutem Wetter erreichen wir dann den Jökulsàrlòn, in den der Gletscher des Vatnajökull hineinkalbt. Der Anblick ist einfach grandios. Lange bleiben wir an seinem Ufer sitzen, sehen auf den riesigen Gletscher vor uns und auf die langsam dahintreibenden Eisberge, die im den unterschiedlichsten Blau-, Grün- und Weißtönen schimmern. Das Wechselspiel von Sonne, Wolken und Nebel bietet immer wieder neue faszinierende Blicke auf die gewaltigen Eismassen von Europas größtem Gletscher.

Island-16Eindrucksvoll ist die Fahrt mit einem Amphibienfahrzeug, einem alten amerikanischen Landungsboot.  Nicht gerade ein Schnäppchen ist dieser Ausflug, aber wann kommt man den treibenden Eisbergen schon so nahe. Als wir ganz nahe an einen kleinen Eisberg heranfahren, können wir ein Stück Eis abbrechen und mitnehmen. Das wird dem abendlichen Whisky eine besondere Note verleihen.

Ist das eine Täuschung – nein, doch nicht, da spielt tatsächlich ein Seehund zwischen den Eisbergen, die von diesem See aus ins Meer abdriften. Wir schauen ihm eine Weile gespannt zu, doch dann müssen wir weiter. Lange Brücken führen hier die Ringstraße über die Mäanderbänder unzähliger Gletscherflüsse hinweg, die Steine und Geröll vor sich herschieben und direkt ins Meer strömen. Ein Teil der Überführungen wurden beim Ausbruch des Vulkans 1996 durch die zu Tale stürzende Flutwelle völlig zerstört. Im Besucherzentrum am Jökulsàrlòn hatten wir uns über Details des gigantischen Naturschauspiels informiert.

60 km weiter erreichen wir den Campingplatz am Skaftafell Nationalpark. Es ist deutlich kühler geworden, die Nähe zum Gletscher ist zu spüren und nachts regnet es. Am nächsten Morgen ist es wieder angenehm und als wir von unserer Wanderung zum Gletscherfuß zurückkommen, reißt der Himmel auf.

Auftanken, dann setzen wir unsere Fahrt in die Landmanalaugar fort. Die ersten zwei, drei Flussdurchfahrten sind noch eine Herausforderung für alle, die so etwas noch nie gemacht haben. Dann werden alle mutiger und es beginnt zunehmend Spaß zu machen.

Ein kurzer Abstecher zur Eldgja Schlucht, dann geht es weiter. Bei der Ankunft am Campingplatz der Landmanalaugar treffen wir auf Matthias, der bei unserer Islandreise zwei Jahre zuvor mit dabei war und „Blut geleckt“ hatte. Das wird wieder ein langer Abend, aber da es nicht richtig dunkel wird, müssen wir uns sowieso dazu zwingen, vernünftig zu sein.

Island-14 Island-20 Fahrt durch den FlussIsland-12 Am nächsten Morgen nutzen wir den warmen Fluss zum Aufwärmen, eine klasse Alternative zum Duschen. Nach dem Frühstück packen wir wieder und machen uns auf den Weg nach Westen. Durch die Kringla und am Laufafell vorbei fahren wir direkt am Vulkan Hekla entlang. So muss es auf einem unbewohnten Planeten aussehen. Kein Wunder, der letzte Ausbruch liegt auch erst ein paar Jahre zurück. Schließlich erreichen wir die F210. Wir sind damit zwar immer noch auf einer Piste unterwegs, aber es ist deutlich einfacher zu fahren als das Stück, auf dem wir von der F208 gekommen waren.

Nachdem wir wieder die „1″ erreicht haben, die Ringstraße, fahren wir an die Südspitze Islands nach Vik. Das erste Stück noch bei strahlendem Sonnenschein, dann zieht sich der Himmel rasch zu und es wird empfindlich kühl. Wir sind froh, als wir Vik erreichen und die Zelte aufgestellt haben. Am nächsten Morgen ist es weiterhin empfindlich kühl, als wir uns die „Sehenswürdigkeiten“ von Vik anschauen. Interessant der Gedenkstein für die auf See gebliebenen deutschen Islandfischer. Die Fahrt auf der 4×4 Piste auf den Hausberg oberhalb von Vik ist, auf der steilen und steinigen Piste, eine echte Herausforderung. Das gilt sowohl für die Auffahrt und viel mehr noch für die Abfahrt. Unweit davon gelangen wir zu den Felsen von Dyhòlaey. Leider sehen wir hier nur wenige der witzigen Papageitaucher. Die meisten sind draußen auf dem Meer. Vor den Felsen ist es ihnen wohl auch zu ungemütlich. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass Island durch seine Lage mitten im Atlantik ein niederschlagsreiches Klima hat. Der Nachteil ist ein Wetter, das, positiv ausgedrückt, als wechselhaft bezeichnet werden kann. Regen und Schnee haben so eine magische Landschaft aus Gletschern, Stromschnellen und nicht zuletzt vielen kleinen und großen Wasserfällen erschaffen. Es ist schon eindrucksvoll zu sehen, wie Wasser tonnenweise von hohen Felsen herabstürzt.

Fahrt durch Island

Auf der Fahrt in die isländische Hauptstadt Reykjavik fahren wir über Sellfoss zum Thingvellir-Nationalpark, der UNESCO-Weltkulturerbe ist. An diesem Ort driften die Kontinentalplatten auseinander und die Insel wächst jedes Jahr um einige Zentimeter. Auf der einen Seite des Canyons entsteht die Vorderkante des amerikanischen Kontinents, auf der anderen Seite ist Europa zu Ende. Und vor der guten Akustik des steilen Canyons formierte sich 930 eines der ältesten Parlamente der Welt.

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Bei strahlendem Sonnenschein erreichen wir Reykjavik. Zelte aufbauen, hier bleiben wir für ein paar Tage. Diese Etappe begießen wir mit einigen Tropfen mitgebrachten Weines. Dann tauchen wir in das bunte Treiben der Hauptstadt ein. Hier gibt es viele kleine Geschäfte mit besonderen und „schrägen“ Klamotten. Isländische Designer kombinieren mutig alle Stile und Farben. Auch die vielen Cafés, Bars und Restaurants sind gut gefüllt. Auf dem Speisenplan für uns zum Teil ungewöhnliche Angebote: Walsteak, Puffin – das ist der Papageitaucher, Eishaistücke, Schafskopf und anderes mehr.

Etwa die Hälfte der 320.000 Isländer lebt heute in der „Rauchbucht“, in der 877 Ingolfur Arnarson, der Entdecker Islands, an Land ging. Wie mit dem Lineal gezogen durchschneiden die Hauptverkehrsstraßen die Stadt, vorbei an den funktionalen Mehrfamilienhäusern aus Beton. Lichtblicke sind die farbenfrohen Wellblechdächer und die Hallgrimskirkja, das Wahrzeichen der Stadt, dessen 75 Meter hohe Säulen aus weißem Beton einen Gletscher symbolisieren sollen.

Island-10 Etwas außerhalb liegt der Stadt liegt auf der Halbinsel Reykjanes Islands bekannteste Badestelle, die Blaue Lagune. Seit 1978 versorgt das geothermische Kraftwerk den Flughafen und die umliegenden Ortschaften mit Heißwasser und Strom. Die aus 2.000 Metern Tiefe geförderte Salzlauge wird zum Erhitzen von Süßwasser verwendet. Das Salzwasser wird dann in ein benachbartes Auffangbecken geleitet, aus dem – quasi als „Abfallprodukt“ – die Blaue Lagune entstanden ist. Dem hohen Kieselsäuregehalt verdankt das Wasser seine milchig-blaugraue Farbe und die Lagune ihren Namen. Hierher kommen nicht nur Erholungssuchende, denn das Thermalwasser hat einen weltweiten Ruf unter Menschen, die an Schuppenflechte leiden. Viele Mitbadende haben weiße Gesichter und Oberkörper – bedeckt mit hautpflegendem Kieselsäureschlamm.

Den Weg zurück wählen wir über Grindavík. Kaum haben wir die Küste erreicht, werden wir von aggressiven Möwen bedrängt. Im Sturzflug kommen sie während der Fahrt auf uns zu, um im letzten Moment auszuweichen. Schilder warnen davor, dass das häufig passiert. Allerdings haben einige Vögel ihre Attacken wohl übertreiben und den rettenden Schlenker nicht mehr geschafft. Zerschmetterte Vögel auf der Straße zeugen davon. Wir trailen durch eine „Mondlandschaft“ weiter, um mit Moos bewachsenen Lavabrocken herum, soweit das Auge reicht. Diese Brocken geben der Landschaft etwas Märchenhaftes- Island, das Land der Elfen und Trolle. Die Isländer haben schon ein entspanntes Verhältnis zum Übersinnlichem. „Achtung, Elfen!“ warnt ein Schild. Hafnarfjörður, ein Hafenort unweit von Reykjavík, gilt als Islands Elfenhauptstadt. Hier soll die vielfältigste Population des so genannten „Huldufólk“, des „Verborgenen Volkes“ leben. Die Wesen hausen überall, in den Vorgärten, zwischen den schwarzen Steinbrocken und in einer versteckt liegenden Grotte eines alten Lavafeldes. Island-08 Die Naturgeister sind meist freundliche Wesen, die Menschen in Not helfen oder sie belohnen, wenn man ihnen Gutes tut. Sie können aber auch böse werden, wenn man ihre Häuser zerstört, so erzählt die Elfenbeauftragte von Hafnarfjörður. Sie hat eine „Karte der verborgenen Welten“ gezeichnet, die zeigt, wo die kleinen Geschöpfe wohnen. Der Stadtplan kommt so gut an, dass inzwischen auch weitere Städte solche Stadtpläne der Trolle und Elfen herausgeben wollen. Auch später im Landesinneren treffen wir immer wieder auf merkwürdige Steinkombinationen, die mit den „Unterirdischen“ zu tun haben sollen.

Wer zum Mittelpunkt der Erde reisen will, muss nach Island kommen, so hatte es Jules Verne beschrieben. Und der ist nach seiner Beschreibung am Snæfellsjökull, einem der schönsten Gletscher Islands auf der Spitze der Halbinsel Snæfellsnes. Auf dem Rückweg von dem Vulkan besuchen wir Duðjon Hildibranðson und seinen Vater Hildibrandur in Bjarnarhöfn. Dieses einsame Gehöft liegt nahe Stykkishólmur. Aus gutem Grund einsam, denn die Familie verarbeitet seit Generationen Eishai. Der verrottende Fisch „duftet“ so sehr, dass da nicht einmal Fliege in die Nähe sind. Hákarl heißt es dann und hängt weitere vier Wochen wie Schinken in der trocknenden Seeluft, bis die Fischstücke von außen eine braune Färbung haben. Viele Isländer sind geradezu süchtig nach dem Gammelhai, dessen Geschmack schon gewöhnungsbedürftig ist. Er riecht etwas streng nach Urin und schmeckt wie überreifer Tilsiter Käse und fetter, weißer Speck.

Und dann geht es wieder ins Innere der Insel. Island kann man zwar bequem in einer Woche auf der nahezu durchgehend geteerten Ringstraße umrunden, doch die schönsten Stellen sind nur über Pisten zu erreichen. Eine Freude für jeden Endurofahrer.

Island-09 Bevor wir über die Hochlandstrecke Kjölur, der kürzesten Strecke zwischen der Hauptstadt Reykjavik und dem Norden Islands eben dorthin fahren, durchqueren wir den sogenannten Golden Circle. Hier befinden sich die drei am meisten besuchten Attraktionen der Insel: Unweit von Thingvellir, das wir schon besucht haben, liegt die zweite Attraktion, der Große Geysir, die älteste bekannte aktive geothermale Quelle der Welt. Beim „Stori Geysir“ stoßen die Kräfte des Erdinneren noch heute Wasserfontänen von 8 bis 10 Metern in die Höhe, sein Nachbar, der „Strokkur“, übersetzt „das Butterfass“, sprudelt nicht ganz so hoch, dafür aber wesentlich öfter.

Nicht weit vom Geysirfeld stürzen die Wassermassen des „Goldenen Wasserfalls“, des „Gullfoss“, über mehrere breite Stufen in die Tiefe – bei Sonnenschein unter einem Regenbogen. Er ist zwar nicht der größte, aber durch die Nähe zur Hauptstadt wohl der bekannteste Wasserfall Islands. 100 Kilometer grobe Waschbrettpiste weiter erreichen wir wieder die Ringstraße und wenig später Akureyri, Islands größte Stadt im Norden. Einkaufen, Lebensmittel ergänzen, einmal wieder essen gehen. Die Stadt am Ende eines Fjords wirkt fröhlich. Herausgeputzte Häuser sind zu sehen, mit Blumenbeeten in den Vorgärten.

Am Wasserfall Goðafoss vorbei erreichen wir eines der schönsten Gebiete der Insel, den Myvatn. Hell spiegelt sich die Oberfläche des „Mückensees“ auf einer weiten Hochebene zwischen Meer und Gletschern in der Sonne, übersät von Hunderten kleiner Inseln. Vulkankegel in unterschiedlichen Farben säumen die Ufer, kleine Waldstücke und blühende Wiesen wechseln mit Lavafeldern ab, aus denen Basaltsäulen wie versteinerte Fabelwesen ragen.

Island-05

Die Gegend um den Myvatn bietet Gelegenheit für einen längeren Aufenthalt und eine Vielzahl von Aktivitäten, zum Motorradfahren sowieso. Ein Ausflug bringt uns nach Húsavík, der größten Stadt in dieser Region. Von hier aus werden Fahrten zur Walbeobachtung angeboten. Ein Besuch im Húsavík Whale Museum informiert über alles, was man gegebenenfalls nicht gesehen hat und was man sowieso meist nicht sieht, ist in dem ganz besonderen Phallusmuseum ausgestellt.

Auf dem Rückweg zum Zeltplatz halten wir zum wiederholten Male am Automuseum Ystafelli, meinem Lieblingsmuseum auf Island. Entstanden aus einer Werkstatt und einem Schrottplatz gibt es hier eine Fülle von liebevoll zusammengetragenen und restaurierten Fahrzeugen, seit Island automobil erschlossen wurde.

Wasserkraftwerk auf Island Kilometerweit ist der Schwefelgestank zu riechen. Dann stehen wir in einem Tal, in dem es zischt, gurgelt, brodelt und faucht. Rauchsäulen steigen in den Himmel. Es ist eine Teufelsküche mit unzähligen vulkanischen Schlammtrichtern, in denen sich dicke Blasen bilden, die mit dumpfem Knall zerplatzen. Aber die Isländer haben gelernt, damit zu leben, die unterirdische Energie für sich zu nutzen. Hier ist die Krafla entstanden, ein Kraftwerk, das den Norden der Insel mit Strom und heißem Wasser versorgt.

Es ist dieses starke Gefühl, der Schöpfung ganz nahe zu sein, das mich immer wieder hierher zieht, dieser Wechsel von blühenden Wiesen und endlosen Lavaflächen, die noch kein Leben kennen. Aber vor allem das Motorradfahren. Hier das eigene Motorrad „artgerecht“ bewegen zu können ist schon eine Freude. Touren auf Hochlandpisten, mit Furten, Sand- und Schotterpassagen, bieten die richtige Herausforderung. Auf Island unterwegs zu sein heißt Begegnungen mit der Geschichte, mit Land, Leuten und Natur.

Island-02 Der Höhepunkt unserer Reise ist zum Schluss die Fahrt durch die Askia. An einem Schild, das auf die nächste Tankstelle in 268 km Entfernung hinweist, erfolgt der Abzweig von der Ringstraße. Das ist schon interessant zu wissen, nur hat man je nach Anreisestrecke schon mindestens 30 km seit dem letzten Tanken hinter sich. Auf der F88 fahren wir in Richtung Herdubreid, einem imposanten Tafelberg, der bereits aus der Ferne deutlich zu sehen ist. Am deutlichsten prägt dieser Vulkan den Osten der Lavawüste Ódádahraun. Er gilt als „Königin der Berge“ und steht seit 1974 als Teil des Vatnajökull Nationalparks unter Naturschutz und. Manche vergleichen sein Aussehen mit einer uneinnehmbaren Festung. So könnte die mythologische Götterburg „Asgard“ ausgesehen haben. Am Fuß des Berges liegt die Oase Herðubreiðarlindir. In früheren Zeiten lebten hier Geächtete, die wegen Verbrechen aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren. „Wüste der Missetäter“ nennen die Einwohner Islands dieses Lavafeld. Es ist von zahlreichen Mythen umwoben, seit sich hier im Mittelalter viele Geächtete vor ihren Verfolgern versteckten.

Schotterpiste auf Island

Ähnliche Geschichten gibt es auch um den Vulkan Askja. Immer wieder muss man hier mit einem Sandsturm rechnen, der innerhalb kürzester Zeit den Himmel verfinstert. Dann verschwindet alles in einer dunklen Staubwolke. Über die F910 kämpfen wir uns durch endlos erscheinende Tiefsandstrecken und Geröllfelder mit Stufen vor. Mitunter fehlen die Wegmarkierungen und dann helfen neben dem Navi, nur der Kompass, die gute Karte und das Gespür für die Strecke weiter. Eine Nacht in diesem abseits gelegenen Gebiet entschädigt für alle Strapazen. Keine Geräusche außer unserem Atem und eine fantastisch klare Milchstraße über uns. Das hat sich gelohnt.

Island-04 Dann erreichen wir die F26, die Sprengisandur-Piste, mit etwa 200 km die längste der isländischen Hochlandpisten. Sie führt quer durch die Mitte des Hochlands von Island und folgt dabei in etwa der Riftzone von Südwesten nach Nordosten. Wir erreichen wieder die Ringstraße und setzen unsere Fahrt nach Osten fort.

Spätestens in Egilsstadir hat uns die Zivilisation endgültig wieder. Ein Pass, Bäche und kleine Wasserfälle neben der Straße und wir sind wieder am Fährhafen Seydisfjördur. Vom Anleger aus sehen wir uns das Einlaufmanöver der MS „Norröna“ der Smyril-Line an, gehen zurück zu den Fahrzeugen und sind bald danach an Bord. Wieder eine schöne Zeit, wieder eigentlich zu kurz. Aber – Island, wir kommen wieder!

Island – Insel aus Feuer und Eis

Eine dreiwöchige Tour nach und auf Island mit Begleitfahrzeug. Land, Leute und Natur pur in kleiner Gruppe erleben und er-fahren, auch für Fahrer mit wenig Geländeerfahrung bieten wir genügend „machbare“ Abenteuer. Diese Reise führt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Islands. Persönliche Atmosphäre und Geschichte pur, Begegnungen mit der Natur, Wanderungen zu Gletschern, Vulkanen und anderen geologischen Aktivitäten.

Im Reisepreis enthaltene Leistungen: 

  • Geführte Motorradtour, Geländewagen- Begleitung auf Island für das Gepäck
  • Übernachtung in Schlafsackunterkünften und im eigenen Zelt, inkl. Verpflegung (Zubereitung durch die Gruppe)
  • Stadtrundfahrten bzw. -rundgänge in allen wichtigen Städten
  • Fahrzeugtransport nach Island, Flug für die Reisenden 
  • Umfangreiche Tourausarbeitung
  • Insolvenzversicherung, 
  • Vor- und Nachbereitungstreffen

Anreise und Motorradtransport voraussichtlich im Container von Deutschland nach Island und zurück, Flug für die Reisenden.

Weitere Infos unter www.mottouren.de

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