Mottouren unterwegs: Entlang der Oder von der Quelle zur Mündung – Teil 2

Mottouren Motorradreise und oder Oder - Die GruppeTschechiche Impressionen

Weiter geht es zum eigentlichen Startpunkt unserer Oderreise.

Ab Mikulov führt uns die Tour über Brno / Brünn, das Schlachtfeld von Austerlitz mit Schloss und die Schuhstadt Zlin – Begegnung mit Pippi auf dem Dach des Bata-Hochhauses nach Olomouc / Ölmütz. Am nächsten Tag erreichen wir nach kurzer Fahrt und einem kurzen Fußmarsch die Quelle der Oder. Dem Fluss folgend, gelangen wir nach Ostrava / Ostrau und sind von den gewaltigen Industrieunternehmen völlig beeindruckt.

Brünn ist mit ca. 377.000 Einwohnern nach Prag die zweitgrößte Stadt Tschechiens. Die Stadt, seit dem 17. Jahrhundert das historische Zentrum Mährens ist das Tor zu den fruchtbaren Weinbergen Südmährens. Auf dem größten und ältesten Platz in Brünn, dem Platz der Freiheit mit seiner altertümlichen Dreiecksform, die durch die Trasse der Fernwege bestimmt wurde, fand ein Bierprobenwochenende statt. Dumm für uns, die wir ja mit den Motorrädern unterwegs waren. Aber einen der Fernwege nutzten wir zur Weiterreise nach Osten.

Die Kleinstadt Slavkov u Brna, deutsch Austerlitz, wurde durch die gleichnamige Schlacht bekannt, die die Drei-Kaiser-Schlacht genannt wird. Sie ist eine der bekanntesten Schlachten der Napoleonischen Kriege. Sie fand am 2. Dezember 1805 am Pratzeberg statt 20 km östlich von Brünn. Dort besiegten die Truppen von Kaiser Napoleon I. eine Allianz aus österreichischen Truppen unter Kaiser Franz II. und russischen Truppen unter Zar Alexander I. Die Schlacht fand ein Jahr nach der Kaiserkrönung Napoleons I. in Paris statt. In das monumentale Barockschloss in Austerlitz verlegte Napoleon anschließend sein Hauptquartier, heute ein beliebter Ort für Hochzeiten Der Schlosspark gehört zu den bedeutendsten historischen Gärten in Mähren, am Rande ein guter Ort für ein Picknick..

Während der industriellen Revolution erlebte die Stadt zum ersten Mal einen bedeutenden Fortschritt. Der zweite kam dank des Schuhfabrikanten Tomáš Baťa. Er stammte aus einer armen Familie, sein Vater war Schuster. Im Jahr 1894 gründete Baťa seine Schuhfirma und verwendete Leinen statt teurem Leder. Somit konnte sich seine „Baťovky“ genannten Schuhe fast jeder leisten, sodass die Verkaufszahlen rasch anstiegen. Nach seinem USA-Aufenthalt kehrte Baťa im Jahr 1900 nach Zlín zurück und gründete hier die erste moderne Schuhfabrik mit modernsten Maschinen. Innerhalb weniger Jahre schaffte er es ein ganzes Schuh-Imperium aufzubauen, das sogar nach Indien und Brasilien expandierte.

Durch das schnelle Wachstum der Fabrik des Tomáš Baťa, der ab 1923 auch Bürgermeister der Stadt war, profitierte auch die Stadt. Zlín bekam ein völlig neues Gesicht durch die Architekten Jan Kotěra, František Lydie Gahura, M. Lorenc, Vladimír Karfík und insbesondere Le Corbusier, der den Stadtplan entwarf, und die Bevölkerung wuchs von 5.000 schnell auf 43.000 an. Tomáš Baťa und sein Bruder Jan Antonín Baťa ließen unter dem Motto „Kollektiv arbeiten – individuell wohnen“ Werksiedlungen nebst firmeneigenen Kindergärten, Schulen sowie ein Krankenhaus, ein Warenhaus und das damals größte Kino Mitteleuropas errichten, die heute aufgrund ihrer Einbeziehung sozialer und psychologischer Aspekte als „Perle des Funktionalismus“ und sogar als erste funktionalistische Stadt der Welt bezeichnet werden. Renommée brachten der Stadt auch die Filmstudios, die vor allem in den 60er Jahren durch animierte und Trickfilme der Regisseure Karel Zeman und Hermína Týrlová Bekanntheit erwarb. Die unternehmerische Seele, aber auch die gute Lage sind als Grund anzusehen, dass Zlín auch nach dem Sturz des kommunistischen Regimes viele Existenzgründer und Jungunternehmer hervorbrachte, deren Aktivitäten weit über dem Schnitt des Landes liegen. 2001 wurde die Tomáš-Baťa-Universität in Zlín gegründet.

Das auffälligste Gebäude von allen ist das sogenannte Baťa-Hochhaus, das mit seinen 77,5 Metern das damals zweithöchste Gebäude Europas war. Hier trafen wir sogar Pipi Langstrumpf. Zur Nacht bleiben wir in der Universitätsstadt Olomouc / Olmütz, neben Ostrau das wichtigste Wirtschafts- und Verkehrszentrum in Nordmähren. Am nächsten Morgen fahren wir zur Oderquelle. Beim letzten Besuch konnten wir mit den Motorrädern noch nahe an die Quelle fahren, heute müssen wir ein Stück laufen. Macht aber auch nichts, Bewegung soll bekanntlich gut tun. Dann folgen wir dem Fluss mal dichtebei, mal in größerer Entfernung bis zu einem seiner Mündungsarme an die Ostsee. Ostrava, insbesondere sein Industriepark sind einen weiteren Rundgang wert.

Jetzt „Entlang der Oder von der Quelle zur Mündung – Teil 3 und 4“ lesen

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