Mottouren unterwegs: Entlang der Oder von der Quelle zur Mündung – Teil 5 und 6

Teil 5 – Von Breslau zur Ostseeund oder Oder! Jürgen Grieschat unterwegs mit Mottouren

Es ist immer noch heiß, als wir Breslau verlassen. Da wir aus der Stadt herausfahren, kommen wir zügig voran. Schon nach kurzer Zeit verlassen wir die Ausfallstraße und fahren unweit der Oder auf kleinen Straßen meist im Schatten von Alleen oder kleinen Waldstücken. Dann die erste große Überraschung für alle:

Etwa 60 km nordwestlich von Breslau beeindruckt in Lubiaz / Leubus das älteste schlesische Zisterzienserkloster durch seine wahrhaft gigantischen Ausmaße und seine gruselige Geschichte. Um den Barockbau mit einer Fassadengesamtlänge von 341 m und über 300 Zimmern zu renovieren, mussten im Jahre 2000 die 2,5 ha Dachfläche erneuert werden, dazu riesige Fußbodenflächen. Im Jahr 1163 kamen die ersten Mönche aus der mitteldeutschen Abtei Pforta bei Naumburg. Es entstand eine Abtei, von der wesentliche Impulse für die Landesentwicklung ausgingen.

Der heutige Barockbau entstand 1681 bis 1720 und gehört mit 223 mal 118 Metern Ausdehnung zu den größten Europas. In der nördlich vorspringenden Prälatur befindet sich der Fürstensaal, Schlesiens prächtigster Festsaal. Seine reiche Innenausstattung ist eine Huldigung an das habsburgischen Kaiserhaus, dessen Herrschaft sich damals auch auf Schlesien erstreckte. Die Architektur der gotischen Klosterkirche ist weitgehend erhalten, ihre reiche barocke Innenausstattung ging durch den Zweiten Weltkrieg verloren. 1810 wurde die Abtei aufgehoben. In die Gebäude zogen später ein Landgestüt und eine psychiatrische Anstalt ein. Heute können einige der bereits wieder in Stand gesetzten Gebäudeteile besichtigt werden. Dort nutzt das Museum für schlesische Landeskunde und der Verein Haus Schlesien einige Säle und Korridore für seine jährlich wechselnden Ausstellungen zu schlesischen Themen, u.a. über den Verlauf der Oder und die Geschichte des Flusses.

In den bis heute geheim gehaltenen Gewölben unter dem Kloster mussten Hitlers Zwangsarbeiter an der Wunderwaffe V1 und U-Booten arbeiten. Keiner der Arbeiter soll das Tageslicht wieder erblickt haben. Nach dem Krieg ließen die Russen zurückkehrende russische Kriegsgefangene ebenfalls in den Gewölben von Leubus auf immer verschwinden – Stalin fand es schändlich, sich dem Feind lebend zu ergeben. Vor wenigen Jahren hat der polnische Geheimdienst die Gewölbe durchsucht und einen großen Schatz an Goldmünzen gefunden. Die Geheimnisse von Leubus wurden immer noch nicht offiziell gelüftet.

Bei Zielona Góra / Grünberg in Schlesien befindet sich mit 200 ha eines der größten zusammenhängenden Weinanbaugebiete Polens. Zu Zeiten des Sozialismus kam der Weinbau fast völlig zum Erliegen. Seit 1990 wird er wieder verstärkt betrieben. In Grünberg treffen wir auf meinen alten Freund Mark Powell, der mit dem Motorrad von England nach Tschechien unterwegs ist. Über Krosno Odrzańskie / Crossen an der Oder fahren wir nach Frankfurt an der Oder und besuchen die beeindruckende Marienkirche mit den großartigen Fenstern, die auch ein Geheimnis bergen, das zu ergründen sich lohnt. Das Museum in Seelow, das über den letzen Sturm im Zweiten Weltkrieg Richtung Berlin berichtet, Fort Gorgast, die Festung Küstrin / Kostrzyn nad Odrą, es gibt vielen interessante Orte entlang der Strecke, die wir uns genauer ansehen, bis wir durch den Nationalpark Unteres Odertal das Kloster Cedynia erreichen. Der Krumme Wald bei Gryfino, Stettin mit Hakenterrasse und dem Schloss der pommerschen Herzöge – schließlich erreichen wir das See- und Kurbad Międzyzdroje / Misdroy und damit die Ostsee.

Teil 6 – Ziel erreicht von der Ostsee zurück zur Elbe

Der letzte Tag der Reise ist ein Tag des Wassers. Wir gehen im See- und Kurbad Międzyzdroje / Misdroy an die Ostsee – in einiger Entfernung ergießt sich die Oder in das baltische Meer. Dann überqueren wir die Swiene bei Swinemünde, fahren über Usedom nach Peenemünde, überqueren die Peene, übernachten  in Hotel Trebnitztal und fahren auf einer alten Klappbrücke über die Trebnitz auf der uralten Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Zwischendurch holt uns auch das Wasser von oben ein, allerdings nur gelegentlich.

Unser letzter gemeinsamer Stopp ist an der Palmschleuse bei Lauenburg – spätestens da sind wir wieder an der Elbe und heil zurück.

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