Litauen – Europas Mitte

Litauen – der größte und bevölkerungsreichste Staat des Baltikums ist ein Land von derart faszinierender Vielfalt, dass es zu einem mehr als interessanten Motorrad-Reiseziel wird.

Ankunft in Litauen

Nach traumhafter 21-stündiger Seereise und völlig problemloser Einreise verlassen wir den Fährhafen Tarptautinė Jūrų Perkėla und schwingen die 15 Kilometer ins Zentrum der alten Hansestadt Klaipeda. Nach dem Einchecken ins Hotel, ziehen wir direkt los. An den  Wochenenden im Sommer geht in Klaipeda abends die Post ab. Viele junge Leute sind in der Altstadt dieser ehemaligen Hansestadt unterwegs.

Litauen - Europas Mitte

Ehe wir uns ins Getümmel stürzen, schaffen wir uns mit Saltibarsciai, einer litauischen Rote-Beete-Suppe und Cepelinai oder Didžkukuliai (mit Hackfleisch oder Quark gefüllten Kartoffelklößen) eine Grundlage. Auf den vollen Magen kommen im Laufe des Abends das ein oder andere Švyturys, das bekannteste Bier in Litauen. Die in Litauen herrschende 0,4 Promille Grenze bringt uns allerdings rechtzeitig und doch recht nüchtern ins Bett.

Nach dem Frühstück drehen wir morgens als erstes eine kleine Runde durch die Altstadt. Über das alte Kopfsteinpflaster rumpeln wir zum Theaterplatz. An diesem geschichtsträchtigen Ort – Adolf Hitler verkündete vom Balkon des Theaters die Wiedereingliederung des Memellandes ins Deutsche Reich – ist gerade nichts los. Dennoch müssen wir Litauens einzigen Seehafen bald wieder verlassen.

Es geht weiter, entlang der Küste von Litauen

Wir fahren nordwärts und gelangen nach Nemirseta, auf Deutsch Nimmersatt. Bis 1919 zu Ostpreußen gehörend, war die Gemeinde damals der nördlichste Ort des Deutschen Reiches. An der Küste entlang erreichen wir das Bernsteinmuseum in Palanga. Besonders eindrucksvoll ist die Sammlung von Bernsteininklusen, also von Tieren und Pflanzen, die, in einem Bernstein eingeschlossen, bis heute überdauert haben.

Das günstige Klima, die umgebende Natur und die weiten Sandstrände, vor allem aber die ehemalige Urlaubsplanung aus Moskau, führten früher alljährlich über eine halbe Million Feriengäste in diese Stadt. Jetzt hofft man auf westliche Touristen.

Wenige Kilometer später gelangen wir nach Kretinga. Im ehemaligen Herrenhaus der Fürsten Tiskevicius aus dem 19. Jahrhundert gönnen wir uns einen Kaffee, bevor es uns weiter Richtung Šiauliai zieht. Nach etwa 15 Kilometern verlassen wir die gutausgebaute A11 auf der 226 nordostwärts. Die Straße führt durch eine sehr hügelige, eindeutig eiszeitlich geprägte Landschaft. Es sind nur wenige kleine Ortschaften, durch die wir fahren, meist weit verstreute Gehöfte. In Mažeikiai tanken wir nach. Sicher ist sicher, denn hier liegen die Tankstellen deutlich weiter auseinander. In mehr oder weniger großem Abstand zur Grenze zu Lettland fahren wir ostwärts, bis nach „Kryziu kalnas“, unserem nächsten Ziel.

Zahlreiche Sagen und Legenden

Dieser „Berg der Kreuze“ ist ein ganz besonderer Ort. Pilger und busladeweise Touristengruppen strömen herbei, stellen Kreuze auf den Hügel, heften kleine, am Parkplatz gekaufte Kreuzanhänger an andere Kreuze, verbunden mit einem Wunsch, Dank oder Hoffnung. Die Wallfahrt erfolgt ganz individuell und ist an keine Termine gebunden. Zu Entstehung des Hügels, dem Aufstellen der Kreuze – mittlerweile sollen es mehrere zehntausende sein – sowie der damit ausgelösten Wirkungen gibt es zahlreiche Sagen und Legenden.

Šiauliai/Schaulen, die viertgrößte Stadt Litauens, heißt zwar auf Deutsch „Sonne“, aber der Anblick vieler Betonbauten ist nicht herzerwärmend. Die Stadt ist durch Holzverarbeitung und Lederwarenindustrie überwiegend industriell geprägt. Bei Siauliai gibt es auf dem ehemaligen Gelände des militärischen Flughafens, der einst einer der größten im europäischen Teil der Sowjetunion war, den NATO-Stützpunkt für die Luftverteidigung des Baltikums.

Hinter Panevėžys beginnt die Hügellandschaft der „Litauischen Schweiz“. Andeutungen von Kurven, ein welliges Auf und Ab, Motorradfahren macht wieder mehr Spaß. Mehrfach kreuzt die Straße die Windungen kleiner Flüsse und führt dann weiter in südöstliche Richtung in das Dichterstädtchen Anykščiai. Der Kurort gilt als „Weimar Litauens“, denn hier lebten und wirkten in der Vergangenheit viele Schriftsteller. Über Alanta erreichen wir Molėtai. In der von fünf Seen umgebenen Kleinstadt lohnt wieder ein Stopp.

Ostwärts bringen uns die Straßen schließlich in den Labanoro Nationalpark. Sobald wir die Hauptstraße verlassen, kommen wir von Teer auf Erdstraßen. Das ist in vielen Gegenden von Litauen. Über einen schmalen Pfad erreichen wir das nahe Dorf Dubingai, idyllisch eingebettet in der Landschaft. Entlang des verzweigten Asveja-See, der mit seinen 22 Kilometer einer der längsten des Landes ist, fahren wir zurück zur A12, über die wir die Hauptstadt erreichen wollen.

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