Motorradabenteuer 2017: Sibirien Spezial – Teil 11

Unsere Fahrt zum geografischen Mittelpunkt Asiens – Altai und Kusbass – unterwegs zwischen Berg und Tal

Endlich sind wir wieder in Russland, in der Region Altai. Die Qualität der Straßen ändert sich schlagartig zum Positiven, die Dörfer sehen gepflegter aus. Auf weiten, gut bestellten Feldern werden Kohl, Buchweizen und Sonnenblumen angebaut. Allerdings ist die Durchquerung der ersten Stadt, Rubzowsk, eine wahre Herausforderung. Das neue Straßenbauprogramm scheint hier noch nicht angekommen zu sein.

Die Region Altai liegt im südlichen Sibirien am Oberlauf des Ob. Sie grenzt im Süden an Kasachstan und im Südosten an die Republik Altai. Sie umfasst die westlichen Ausläufer des Altaigebirges und geht im Westen in das Westsibirische Tiefland über.

Die Geschichte der russischen Besiedlung der Region begann im 17. Jahrhundert. Nahe der Grenze zu Kasachstan wurde 1991 der Deutsche Nationalkreis Halbstadt gegründet, der der dort überwiegenden deutschstämmigen Bevölkerung eine Alternative zur Ausreise nach Deutschland bieten sollte. Heute sind jedoch die meisten Russlanddeutschen, deren Vorfahren hier um 1900 mehrere deutsche Siedlungen gegründet hatten oder während des Zweiten Weltkrieges aus den Wolgagebieten zwangsumgesiedelt worden waren, nach Deutschland ausgewandert. Immer wieder werden wir bei Stopps auch in Deutsch angesprochen und darauf verwiesen, dass sie Verwandtschaft in Deutschland haben.

Barnaul erreichen wir wegen des langen Aufenthaltes an der Grenze erst nach 21 Uhr. Was wir auf unseren Reisen in Russland noch nie erlebt haben, die Küche hat schon geschlossen. Kein Problem für uns – die Lösung ist der Schaschlikladen gleich ums Eck. Die jungen Aserbeidschaner, die ihn betreiben, freuen sich über den unerwarteten guten Umsatz zum Ende des Tages. Als wir den Laden verlassen, sind die Bier und Schaschlikvorräte geplündert. Vor der Bude werden um die Zeit die Straße und die Zugangstreppen frisch geteert. Da müssen wir anschließend leider durchgehen. Lange kann man die Spuren unserer Stiefel noch bis auf die Zimmer des Hotels verfolgen.

Barnaul ist heute eine schöne, moderne Stadt mit mehr als 650.000 Einwohnern. Beeindruckend sind Barnauls architektonische Denkmäler und deren Geschichte; hier gibt das erste Denkmal Russlands, das nicht zu Ehren des Sieges, sondern zu Ehren des Friedens aufgestellt wurde: die Demidowsäule. Besonders stolz sind die Barnauler auf den berühmtesten Sohn der Stadt, den Erfinder der weltweit ersten Dampfkraftmaschine I.I. Polsunow. „Feuerspeiende Maschine“, wird sein Meisterwerk oft liebevoll genannt. Die Siegeslorbeeren für das erste Modell einer Dampfkraftmaschine gehen allerdings an die Engländer.

Wir erreichen Bijsk. In der über 300 Jahre alten Stadt fällt die wunderschöne weiße Uspenski-Kirche – Maria Himmelfahrt-Kirche – mit ihren silbern glänzenden Kuppeln ins Auge. Drum herum liegt der historische Stadtkern, dessen Gebäude im 19. und 20. Jahrhundert errichtet wurden, darunter gibt es vollständig erhaltene, prachtvoll verzierte Holzhäuser, die leider in Sibirien schon selten geworden sind. In der Uliza Sowjetskaja reihen sich alte Steinhäuser an verschiedenste andere Architekturformen. Hier gleicht kein Gebäude dem anderen!

Wir schlängeln wir uns auf erstaunlicherweise sehr kurvenreichen Strecken nach Nowokuznetsk einer Großstadt im Steinkohlerevier des Kusbass. Im Hotel treffen wir auf Ken, einen Australier, der hier in der Metangassuche arbeitet. Über ihn lernen wir die beiden Antons (oder in der Mehrzahl Antöne?) vom örtlichen Motorradklub kennen, mit denen Reinhard und ich uns anfreunden. Es wird ein langer Abend mit viele interessanten Informationen über Motorradreisen in dieser ganz besonderen Region.

 

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