Motorradabenteuer 2017: Sibirien Spezial – Teil 14

GruppenfotoKrasnojarsk – drei ganz besondere Erlebnisse.

Früh stehe ich heute auf und fahre zum Bahnhof. Schon vor Monaten hatte ich mit Irina, die uns auf unseren Reisen in Nowosibirsk immer hervorragend betreut, verabredet, dass sie uns ab Abakan zurück nach Nowosibirsk begleiten kann. Wir hatten nämlich herausgefunden, dass nicht nur meine Großmutter mütterlicherseits, sondern auch ihre von der Verbannung betroffen gewesen ist und in Dörfern nördlich von Krasnojarsk gelebt hat. Da wollten wir mal auf Spurensuche gehen.

Von Abakan geht es nordwärts auf der R257 Jenissej, die auch die Bezeichnung M54 trägt. Diese Fernstraße im Süden Sibiriens führt von Krasnojarsk in südlicher Richtung am Westufer des Krasnojarsker Stausees des namensgebenden Jenissei entlang nach Abakan, der Hauptstadt von Chakassien, dann weiter rechts des Jenissei nach Kysyl, der Hauptstadt von Tuwa und weiter nach Zagan-Tolgoi an der Grenze zur Mongolei. Sie ist über 1100 Kilometer lang. Die Straße erhielt im Jahr 2010 die neue offizielle Nummer R257. Zuvor trug sie die Kennzeichnung M54, die noch bis zum 31. Dezember 2017 alternativ verwendet werden kann. Immer mal wieder ist sie in Sichtweite des Krasnojarsker Stausees. Unweit von Diwnogorsk erreichen wir dann die Staumauer. Der See wird von einer Talsperre aufgestaut, die sich mit ihrem 6.000-Megawatt-Kraftwerk ca. 30 km westlich von Krasnojarsk befindet. Der 2.130 km² große Stausee dient seit 1967 der Stromerzeugung für die industrielle Erschließung der Region und daneben dem Hochwasserschutz. Bei einem Stopp an der Brücke über den Jenissej treffen wir eine Gruppe der „Wild Sibiriens“ aus Krasnojarsk. Wir freunden uns schnell an und sie begleiten uns noch den Rest der Strecke.

Wir fahren zur Staumauer und sehen auch das Krasnojarsker Schiffshebewerk, das einzige Schiffshebewerk Russlands und bis zur Fertigstellung des Hebewerks am Drei-Schluchten-Damm in China das größte der Welt. Es können Schiffe bis 1.500 t transportiert werden. Es wurde in Form einer etwa 1,5 km langen Zahnradbahn errichtet, denn diese ermöglicht einen Betrieb auch bei den hier ungewöhnlich großen auftretenden Unterschieden im Wasserstands von bis zu 13 m am Oberlauf und etwa 6,5 m am Unterlauf. Die zu transportierenden Schiffe werden in einem selbstfahrenden Trog aufgenommen und mit elektro-hydraulischem Antrieb auf Schienen bewegt. Die nahegelegene Stadt Diwnogorsk entstand im Jahre 1957 als Bauarbeitersiedlung für den Bau des Stausees, der vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel ist. Am Denkmal für einen der Lastwagen, der beim Bau mit eingesetzt ist stoppen wir zu einer Fotosession.

Schiffshebewerk

Der Jenissej, Sibiriens gewaltiger Strom fließt weiter durch Diwnogorsk nach Norden. Auch im Winter friert der gewaltige sibirische Strom nicht zu, „wegen des vielen Drecks“ lästern die Krasnojarsker. Trotzdem kommt während der Wintermonate kaum jemand auf die Idee, sich auf den Fluss zu wagen. Der fast 4.100 km lange Strom wird auch als sibirischer Meridian bezeichnet, da er etwa in der Mitte von Sibirien entlang des 90. Längengrades von Süd nach Nord in die Karasee des Polarmeeres fließt. Er entsteht aus der Vereinigung seiner beiden Quellflüsse, des Großen und Kleinen Jenissej in Kysyl in der Republik Tuwa, an der wir Tage zuvor gestanden haben. 1628 errichteten Kosaken zwischen den Flüssen Jenissej und Katscha eine Festung. Sie bekam den Namen Krasny – „Schön“ – und diente zum Schutz vor den Angriffen der Tataren. 1690 wurde an der Stelle der Festung die Stadt Krasnojarsk gegründet. Wie viele russische Städte war Krasnojarsk ursprünglich eine Stadt aus Holz. Deshalb wurden bei dem großen Brand 1773 viele Häuser zerstört. Das heutige Krasnojarsk geht auf die Entwürfe eines Architekten aus St. Petersburg zurück. 1895 begann man mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn, was den schnellen Aufschwung der Stadt forcierte. Krasnojarsk diente zudem als Exil für politische Gefangene des Russischen Reiches. Dazu gehören vor allem die Dekabristen. Sie wurden nach dem gescheiterten Aufstand vom Dezember 1825 nach Krasnojarsk, aber auch noch weiter nach Irkutsk verbannt. Heute ist Krasnojarsk mit seinen 920.000 Einwohnern ein wichtiges administratives und kulturelles Zentrum der Region. Bekannt ist die Stadt durch ihre Paraskewa-Kapelle, das Regierungsgebäude und den Glockenturm. Auch die Brücken von Krasnojarsk bieten einen aufregenden Anblick. Die Eisenbahnbrücke über den Jenissej wurde 1899 von Ingenieur Knorre errichtet. Ein Bauwerk der neueren Zeit, die kommunale Brücke über den Jenissej, ist sogar russlandweit ein beliebtes Motiv: Sie ist auf dem Zehn-Rubel-Schein abgebildet.

Ein Tag Pause. Jeder geht seinen Ideen nach. Zusammen mit einigen und natürlich mit Irina fahren wir nach Norden. 40 km nördlich der großen Stadt finden wir den Ort Pogarelka, wohin mein Großvater aus Masuren zu Beginn des Ersten Weltkrieges verschleppt worden war und in dem der Vater meiner Großmutter ein Magazin, ein Landkaufhaus betrieben hatte. Wie soll ich nach über 80 Jahren Spuren finden? Wir fragen im örtlichen Magazin nach und siehe da, es kommt eine alte Frau, Alla, die sich erinnert, dass ihre Mutter mit der Schwester meiner Großmutter befreundet war. So klein ist die Welt!

Anschließend fahren wir noch eine Strecke weiter nach Norden und erreichen das Dorf, in dem Irinas Vorfahren gelebt haben. Vor einem Magazin spricht sie ein junges Mädchen an, die anschließend mit ihrem Fahrrad vor uns her zum Haus ihrer Großmutter radelt. Wir werden eingeladen und finden auch da das eine oder andere heraus. Sehr zufrieden machen wir uns auf den Weg zurück nach Krasnojarsk.

Für den Abend haben wir uns mit Alexander und seinen Freunden von der Wild Sibiriens verabredet. Leider nehmen nicht alle aus unserer Gruppe diese Einladung wahr. Schade und Pech, denn es entgeht ihnen ein eindrucksvolles und einmaliges Motorradmuseum Alexanders Vater Michael hat eine unglaubliche Sammlung von Motorrädern aus dem Zweiten Weltkrieg, hervorragend restauriert. Zum Abschluss des Abends werden wir noch in die Gruppe der „Wild Sibirians“ aufgenommen. Vielen Dank dafür! Ein eindrucksvoller und ausgefüllter Tag geht zu Ende.

Jetzt lesen: „Motorradabenteuer 2017: Sibirien Spezial – Teil 15“

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