Motorradabenteuer 2017: Sibirien Spezial – Teil 18

The long way out oder von Moskau zur Grenze nach Lettland.

Mit dem Motorrad durch die PfützeWir warten eine ganze Zeit, bis die bestellten Taxis endlich da sind. Dann fahren wir durch die vollen Straßen Moskaus zur Spedition nach Odinzowo, um dort die Motorräder abzuholen.

Odinzowo liegt westlich der Stadtgrenze von Moskau, nahe der Fernstraße M1 und ist heute ein beliebter Wohnvorort der Hauptstadt. Als wir ankommen, haben die Jungs der Spedition schon ganze Arbeit geleistet. Die Motorräder stehen bereits in der Halle, ich muss nur noch den VW Bus vom LKW fahren. Während wir die Ausrüstung und das Gepäck aus dem Bus laden, kommt ein Kamerateam, das Freunde von Jürgen E. geschickt haben. Da sein Interview doch länger dauert, als wir abgesprochen hatten und alle schon mit den Hufen scharren, verabreden wir einen Treffpunkt und machen uns dann auf den Weg nach Smolensk.

Am Denkmal für die in der Luftschlacht um Moskau gefallenen 39.000 russischen Piloten biegen wir nach Borodino ab, dem Ort einer bedeutenden Schlacht in den Napoleonischen Kriegen, ausgetragen am 7. September 1812 zwischen der französischen Armee unter Napoleon I. und der russischen Armee unter Feldmarschall Michail Kutusow. In dieser Schlacht, die als eine der blutigsten im 19. Jahrhundert gilt, verloren die Russen etwa 42.000, die Franzosen ungefähr 32.000 Mann. Die Russen zogen sich zurück und die Franzosen rückten auf Moskau vor, ohne auf weiteren Widerstand zu stoßen. Tolstoj hat 1869 diese Schlacht in seinem Roman „Krieg und Frieden“ verarbeitet.

Denkmal zur Luftschlacht um Moskau

Denkmal zur Luftschlacht um Moskau

Durch eine leicht hügelige Landschaft geht es immer westwärts Richtung Smolensk am Dnjepr. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt hart umkämpft. In der Kesselschlacht bei Smolensk im Spätsommer 1941 wurde Smolensk besetzt und fast vollständig zerstört. Tausende Bewohner der Stadt kamen ums Leben oder wurden zwischen 1941 und 1943 zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich gebracht. Im Herbst 1943 wurde die Stadt von der Roten Armee zurückerobert. Anschließend wurden Teile der Stadt originalgetreu wieder aufgebaut. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen die Festungsmauern aus dem 16. Jahrhundert und die Auferstehungskathedrale.

Am Nordrand der Stadt liegt der Militärflugplatz Smolensk-Nord, der durch den Flugzeugabsturz der polnischen Elite bekannt wurde. Am 10. April 2010 starben bei diesem Flugzeugabsturz mehrere hochrangige polnische Würdenträger, unter ihnen der amtierende Präsident Lech Kaczyński.

Nach einer kleinen Stadtrundfahrt durch Smolensk fahren wir nach Katyn, einem westlich von Smolensk gelegenen Dorf. Sein Name ist vor allem durch das im April und Mai 1940 verübte Massaker von Katyn an einigen Tausend Polen, meist Offizieren, Polizisten und Intellektuellen bekannt geworden. Dieses Massaker wurde zuerst im Jahr 1943 bekannt, weil die in den Wäldern in der Nähe Katyns verscharrten Leichen von deutschem Militär bei dessen Vormarsch ausgegraben wurden und international als Beleg gegen die UdSSR verwendet wurden. Die sowjetische Propaganda hatte jahrzehntelang auch in der Nachkriegszeit die Täterschaft geleugnet und stattdessen das deutsche Militär als Täter beschuldigt. Heute ist klar, dass dieses Massaker Teil einer Aktion des NKWD war, bei der auf Weisung Stalins rund 22.000 polnische Staatsangehörige, Offiziere, Polizisten, Intellektuelle und andere Eliten ermordet wurden.

Die Entdeckung der Massengräber 1943 durch die Wehrmacht führte zum Abbruch der Beziehungen zwischen der polnischen Exilregierung in London und der Sowjetunion. Das Massaker wurde zunächst von der NS-Propaganda instrumentalisiert, während die sowjetische Führung unter Stalin das Verbrechen von sich wies und es der Wehrmacht anlastete. Lange war das Thema Katyn ein Tabu: Bis ins Jahr 1989 war es in Polen verboten, darüber zu sprechen. Michail Gorbatschow stellte 1990 klar, dass die Sowjetunion für den Massenmord in Katyn allein verantwortlich war. Das Verbrechen blieb für Jahrzehnte eine Belastung für das polnisch-russische Verhältnis.

Wir fahren durch den bei uns weitgehend unbekannten Westen des Landes entlang der Grenze zu Weißrussland weiter nach Opochka. Unterwegs verdunkelt sich der Himmel dramatisch. Dann fahren wir in ein Gewitter, wie ich es zuvor kaum erlebt habe. Selbst Lastwagen bleiben stehen, wir natürlich auch. Als wir endlich weiter fahren, kommen wir nur mühsam voran. Bäume liegen quer auf der Straße. Wir fassen bei den Aufräumarbeiten mit an. Dann erreichen wir Opochka. Dort übernachten wir ein letztes Mal auf dieser Reise in Russland. Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Krasnogorodsk. Anschließend – sozusagen als Abschluss –  noch eine interessante Pistenstrecke mit drei Kontrollposten, bevor wir den Grenzübergang nach Lettland erreichen.

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