Polen – Gourmet Tour

Da hatten wir uns wieder etwas Schönes ausgedacht. Andreas, Stephan und ich (Jürgen „Juri“ Grieschat) saßen an einem dieser langen, polnischen Winterabende bei gutem Essen und einem guten Wodka zusammen – es können übrigens auch mehrere gewesen sein – und überlegten, was für eine Motorradreise wir im nächsten Sommer gemeinsam machen könnten. Es sollte eine sein, die nun wirklich niemand auf Anhieb mit diesem Land in Verbindung bringen würde.

Polen Gourmet Tour - Motorrad vor FlussWas, wenn wir unsere Vorlieben für gutes Essen, gute Getränke, ungewöhnliche Unterkünfte und großartige Motorradstrecken miteinander verbinden? Dazu noch Begegnungen mit Land und Leuten und unserer gemeinsamen Geschichte? So sind wir nun unterwegs. Andreas hatte ich auf meinem Weg nach Osten in Berlin abgeholt. Dann waren wir beide über Königs Wusterhausen und den Spreewald nach Cottbus gefahren.

Gleich nach dem Grenzübertritt nach Polen geben uns die kleinen Straßen – obwohl geteert – das Gefühl des Endurowanderns. Schließlich erreichen wir Kliczków im Raum Bunzlau, direkt an der Via Regia gelegen. Als wir zum Schlosshotel Kliczków vorrollen, sehen wir unseren Freund Stephan, der aus Warschau angereist war, neben dem Tor mit einem Bier in der Hand und einem frechen Grinsen auf uns warten: „Rechts ist das Gas, Jungs, auch in Polen!“

Rote Beete, Sauerkraut und viel Bier

Dank Stephans Kontakten als Tourismusexperte erleben wir beim Abendessen ein Potpourri der polnischen Küche. Während wir mit der leckeren Rote-Beete-Suppe „Barszcz“, dem deftigen Sauerkraut-Wurst-Gericht „Bigos“ und mit Käse, Hackfleisch und Kohl gefüllten Teigtaschen namens „Pierogi“ einige der beliebtesten polnischen Speisen genießen, macht uns der Koch mit den Besonderheiten der polnischen Küche vertraut und erklärt, welche Speisen zu welchen Anlässen gekocht werden. Über die unterschiedlichen Biersorten, die hier ausgeschenkt werden, weiß Stephan selber bestens Bescheid…

Nach einem auch für deutsche Verhältnisse deftigen Frühstück, das die gesamte Breite von Fisch über diverse Salate bis zu Kuchen bietet, brechen wir das Essen rechtzeitig ab, um auf die Straße zu kommen. Zu Beginn unserer Rundfahrt ins Riesengebirge fahren wir nach Bolesławiec/Bunzlau. Hier wird die Bunzlauer Keramik mit ihren überwiegend blau gepunkteten Motiven hergestellt. Einige der Manufakturen können besichtigt werden. Aber uns zieht es weiter in das Riesengebirge.

Typisch für Südwestpolen, das alte Schlesien, sind die für die Landschaft charakteristischen Mittelgebirge. Das Riesengebirge, in dem der Sage nach der Berggeist Rübezahl sein Unwesen getrieben haben soll, das Isergebirge, die wildromantischen schlesischen Beskiden, die noch nicht überlaufenen Bergdörfer und vor allem die gewundenen Strecken dazwischen sind ein wahres Paradies zum Cruisen. Das kurvenreiche Riesengebirge ist der höchste Teil der Sudeten mit der Schneekoppe auf 1602 Metern als höchstem Gipfel. Die gesamte Gegend ist landwirtschaftlich geprägt und die Gastfreundschaft seiner Einwohner gilt als sprichwörtlich. In den höheren Partien des Riesengebirges finden sich bizarre Felsen.

Zwei kulturelle Highlights lassen wir uns aber bei allem Fahrspaß nicht entgehen. Zum einen die in Norwegen abgebaute und hier in Karpacz/Krummhübel wieder aufgebaute Holzkirche Wang. Zum anderen das Gerhart-Hauptmann-Haus in Jagniątków/Agnetendorf, in dem der Dichter Gerhart Hauptmann von 1901 bis zu seinem Tode 1946 lebte.

Deutsche Vergangenheit

Vor unserer Rückfahrt nach Kliczków bummeln wir noch durch Jelenia Góra/Hirschberg, den Hauptort des Riesengebirges. Auffällig sind seine schönen Arkadengänge unter den farbigen Barockhäusern am Marktplatz.

Am nächsten Morgen starten wir zu einer Reise in die deutsche Vergangenheit. In Osówka bei Głuszyca befindet sich der Komplex „Riese“, ein weitläufiges Stollensystem aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Man geht davon aus, dass die Anlage als Führerhauptquartier und als Ersatz zur bekannten Wolfsschanze dienen sollte.

Die Stollen unter Schloss Książ/Fürstenstein, das etwa 20 Kilometer entfernt liegt, werden ebenfalls zu dem Komplex gerechnet. Auch um das Schloss Książ bei Wałbrzych Waldenburg, das größte Schloss Schlesiens im Waldenburger Bergland, ranken sich viele Geschichten. Die nationalsozialistische Waffen-SS hatte ein großtes Interesse an diesem Schloss.

Sehr viel friedlicher ist dagegen die Geschichte der Friedenskirche in Świdnica/Schweidnitz, die zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Schlesien gehört. Ein eindrucksvolles Fachwerkgebäude, bei dessen Bau nach Ende des Dreißigjährigen Krieges nur Holz, Lehm und Stroh verwendet werden durfte. Diese größte Fachwerkkirche in Europa fasst über 7 500 Menschen und steht seit 2001 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO.

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