Zu Besuch in Riga – Lettlands Metropole

2014 wurde Riga Kulturhauptstadt in Europa, ihre Altstadt gehört seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Streifzüge durch eine sehr lebendige Stadt.

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Singe wem Gesang gegeben. Sängerfestival in Riga.

Im Jahr 2014 hatten die feierfreudigen Letten noch mehr Grund als sonst, stolz auf ihre Hauptstadt Riga zu sein. Sie war eine der Kulturhauptstädte des Jahres. Dieses Ereignis wurde mit zahlreichen Aktionen gebührend gefeiert. Wer das verpasst hat, muss nicht traurig sein, auch 2015 gibt es genügend zu erleben und zu feiern.

Der Reiz dieser mit gut 700.000 Einwohnern größten Stadt des Baltikums ist ungebrochen. In der 800 Jahre alten Hansestadt gibt es viel zu entdecken.

Die Freiheitsstraße Brivibas iela ist Rigas Vorzeige-Boulevard. Jede Stadtführung führt hierher, auch der eigene Weg. Und dann geht es natürlich zu Milda. So nennen die Letten die kupferne junge Frau, die seit 1935 mit hoch erhoben Armen drei Sterne 42 Meter über der Erde in den Himmel streckt. Sie symbolisieren die drei ehemaligen lettischen Provinzen Kurland, Livland und Lettgallen. Milda gilt als Sinnbild von Freiheit und Unabhängigkeit. Am Sockel davor liegen Kränze und täglich frische Blumen, bewacht von zwei scheinbar gänzlich unbeweglichen Soldaten.

Ein Gang durch die Geschichte

Nur ein paar Schritte sind es bis zur Altstadt. Vor allem deutschen Touristen kommt vieles vertraut vor, denn zum multikulturellen Erbe der Stadt gehören auch deutsche Wurzeln, Backsteingotik, Barockkirchen und Jugendstil. Der Dom geht auf das 13. Jahrhundert zurück und auf die Gründung der Stadt 1201 durch Bischof Albert, der zuvor Domherr in Bremen war. An der Stelle einer lettischen Siedlung entstand ein fester Handelsplatz, der 1223 zur Stadt Riga erhoben wurde, benannt nach Ridzene, dem Seitenflüsschen der Daugava / Düna.

Nachdem Riga 1282 der Hanse beitrat, wurde sie zu einer der mächtigsten und reichsten Hansestädte. Bis zum Ersten Weltkrieg lebten rund zehn Prozent Baltendeutsche in Lettland, vor allem in Riga. Seit 1985 ist Bremen Partnerstadt Rigas und so wundert es nicht, dass man hier die „Bremer Stadtmusikanten“ findet. Sie stehen neben der St. Petri Kirche und blicken durch einen Spalt des Eisernen Vorhangs, der bis 1990 Ost und West teilte.

Mit dem Fahrstuhl kann man auf die Aussichtsplattform von St. Petri hinauffahren, um einen luftigen Blick auf den historischen Stadtkern werfen, dessen Gassen für Autos gesperrt sind. Riga hat aber noch weitere Höhepunkte mit großartiger Aussicht, die immer wieder ganz andere Blickwinkel eröffnen.

Der höchste ist von der Aussichtsplattform des Rigaer Radio- und Fernsehturm. In 97 Meter Höhe reicht die Sicht, gutes Wetter vorausgesetzt, sogar bis zur Bucht von Riga.

Die in der achten Etage des Einkaufszentrums „Galleria Riga“ gelegene Dachterrasse „Terrace Riga“ bietet gute Gelegenheit, bei einem guten lettischen Bier, einem Glas Wein oder einem kleinen Happen, den Blick über die Stadt in gemütlicher Atmosphäre zu genießen. Höher hinauf geht es in die rundum verglaste Skyline Bar im Radisson Blue Hotel. Aus dem 26. Stock ist die Sicht besonders am Abend wirklich atemberaubend. Allerdings ist es nicht einfach, in dieser Top-Location einen Fensterplatz zu ergattern.

Etwas abseitiger gelegen ist das verschnörkelte Hochhaus am Rand der Moskauer Vorstadt, in dem die Akademie der Wissenschaften untergebracht ist. „Stalins Geburtstagstorte“ heißt das im Zuckerbäckerstil der fünfziger Jahre errichtete Geschenk an die lettischen Kolchosbauern aus dem Jahr 1958. Mit dem Aufzug geht es auf die Aussichtsplattform in 65 Metern – ein völlig anderer Blick über die ganze Stadt, auf die Daugava und auf das „Schloss des Lichts“, Rigas neue Nationalbibliothek. „Gaismas pils“ ist ein auffälliger Bau, der an einen Berg erinnert. Sie liegt auf der anderen Seite des Flusses, der Riga in zwei Bereiche teilt. Die älteren Viertel auf dem Ostufer sind mit den neueren Stadtgebieten auf dem Westufer durch eine Eisenbahnbrücke und drei Straßenbrücken verbunden. Die 312 Meter lange Schrägseilbrücke Vansu tilts, die „Schräge Harfe”, wurde 1981 errichtet und ist die längste Hängebrücke Europas.

Längste Hängebrücke Europas

Längste Hängebrücke Europas

Das Viertel darum zeigt eine ganz andere Seite als das norddeutsch anmutende alte Stadtzentrum. In der Moskauer Vorstadt lebten im 19. und frühen 20. Jahrhundert vor allem Russen und Juden. Typisch sind die z.T. über 100 Jahre alten Holzhäuser, von denen einige inzwischen restauriert sind.

Einkauf in allem Variationen

Auf dem Weg zurück ins Zentrum passiert man die zu Markthallen umfunktionierten Zeppelinhallen. Wer gerne einkauft, sollte zum Zentralmarkt hinter dem Bahnhof gehen. Er ist seit den 1930er Jahren nicht nur als der größte Lettlands, sondern wohl auch ganz Europas und bietet ein riesiges Angebot an Fleisch- und Wurstwaren, Blumen, frisches Obst und Gemüse, das man auch an Ständen im Freien erstehen kann. Delikatessen sind vor allem Fisch- und Meerestiere aller Art, frisch, geräuchert oder in Gelee. Wer nicht so experimentierfreudig ist, greift zu klassischem und als Souvenir wird gerne eine Dose Kaviar eingepackt oder ein Fläschchen „Riga Black Balsam”, ein Kräuterschnaps mit 45% Alkohol. Erwärmt und mit Säften gemixt wird er als nicht so süße Glühwein-Alternative serviert.

Die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte, kaum 2 km² große Altstadt von Riga wurde inzwischen wiederaufgebaut und steht unter Denkmalschutz. Am Rathausplatz steht wieder das Schwarzhäupterhaus, ursprünglich aus dem aus dem 14. Jahrhundert. Es gehörte der Compagnie der Schwarzhäupter, einem Zusammenschluss von Kaufleuten und zählte bis zur seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zu den schönsten Gebäuden der Stadt. Bis ins Detail ist die Rekonstruktion gelungen, zu sehen auch an der riesigen astronomischen Uhr an der Stirnwand.

Der Weg führt durch enge, winkelige Gassen, gesäumt von Wohnhäusern mit roten Ziegeldächern. Die „Drei Brüder“ sind drei dicht aneinander gedrängte mittelalterliche Wohnhäuser, das älteste Wohnhaus Rigas steht in der Mars-Pils-Straße Nr.17. Da eine ,,Fenstersteuer“ erhoben wurde, sieht man zuweilen noch kleine, schießschartenähnliche Fenster.

Immer wieder alte Speicher, wie die „Vierundzwanzig Scheunen“ genannten massigen Lagerhäuser der meist mit Getreide handelnden Kaufleute aus der Zeit der mittelalterlichen Hansestadt. Unter den Giebeln befindet sich jeweils eine Aufzugswinde, durch die Waren in die einzelnen Stockwerke befördert werden konnten.

Klosteranlagen sind zu sehen, Hauswappen und Giebelverzierungen in romanischer und gotischer Bauweise, im Stil der Renaissance oder des Barock. Unweit des wieder aufgebauten Stadtschlosses ragt der grünbedachte Turm der Domkirche auf. Mit 6.783 Pfeifen besitzt der Dom die größte Orgel Europas. Hier werden wieder Orgelkonzerte veranstaltet.

Das Schwedentor in der Gornia-Straße ist ein Überrest der alten Stadtmauer; es stammt aus dem 17. Jahrhundert. Der Pulverturm aus dem 14. Jh., ein wuchtiger, zylindrischer Bau mit spitzem Dach diente, wie sein Name sagt, militärischen Zwecken. Er ist der einzige von ehemals 32 Stadttürmen, der erhalten blieb.

Die Große und die Kleine Gilde in der Amatu-Straße sind Zunfthäuser aus dem frühen 14. Jahrhundert; sie bezeugen den damaligen Wohlstand des nach deutschem Vorbild organisierten Handwerks.

Das berühmteste Haus Rigas ist zweifellos das Katzenhaus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ dessen Besitzer aus Protest, dass er als lettischer Kaufmann nicht der in deutscher Hand befindlichen Gilde angehören konnte, zwei Statuen auf die höchsten Zinnen seines Hauses setzen, die zwei Katzen von hinten mit einem Katzenbuckel und aufgerichtetem Schwanz zeigten. Dies führte zu einem Prozess, so dass die Katzen gedreht werden mussten und nun mit dem Gesicht zur Straße blicken.

Vom Ensemble beeindruckend sind die vielen Jugendstilhäuser der Stadt, besonders in Bereich der Albertstraße und der Elisabethstraße. Michail Eisenstein wurde 1893 Baustadtrat in Riga und ließ allein rund 50 Häuser mit verschwenderisch gestalteten Fassaden bauen. Nach jahrzehntelangem Verfall wurde vieles restauriert. Heute zählt man dort etwa 800 Gebäude im Jugendstil; die weltweit größte Ansammlung von Jugendstilarchitektur begeistert mit ihrer Pracht.

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Jugenstilhäuser in Riga

Wer sich bei seinem Rundgang ein wenig treiben lässt, erkennt schnell, wie entspannt und gemütlich es in dieser Metropole zugeht. Vor allem rund um den Dom-, Rathaus- und Livenplatz pulsiert das Leben dieser Stadt. Südländisch heiter gibt sich Riga in der warmen Jahreszeit, wenn Alt und Jung an in den Fußgängerzonen und auf Plätzen aufgestellten Tischen ihre Drinks nehmen. Ein Café reiht sich an das andere und bis in den Spätherbst ist es nicht einfach, einen Sitzplatz im Freien zu ergattern.

Natürlich mangelt es nicht an Fast-Food-Läden, Schnellimbissen und an Internet-Cafés. Es fehlen weder Musik- und Nachtclubs noch Bars und das Rigaer Nachtleben kennt keine Sperrstunde.

Am Mittag drängen sich im „Lido“ am Domplatz, in der Elizabetes ielā 65 und an anderer Stelle Jung und Alt, denn das rustikale Lido serviert einheimische Gerichte und Getränke zu erschwinglichen Preisen.

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Der regelmäßig erscheinende und in den Hotels erhältliche Führer „Riga in your pocket – The ultimate City Guide“ zählt alle Restaurants auf nennt Durchschnittspreise und gibt Hinweise auf eine Riesenauswahl an touristischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten und wie sie zu erreichen sind.

Es ist großartig, dass sie einstige Hansestadt es in relativ kurzer Zeit geschafft hat, wieder die stilvolle und elegante Metropole zu werden, die sie in den 30er Jahren gewesen sein muss, als man sie mit Paris verglich und „das kleine Paris des Nordens“ nannte.

Besonders beliebt sind der Waldpark am Kisch-See oder die Kiefernwälder am flachen Dünenstrand der Ostsee. So lohnt sich bei gutem Wetter ein Abstecher zum Strand Jurmala, außerdem sei der Besuch des Motormuseums (www.motormuzejs.lv) empfohlen.

Anreise:
Der Flug von Deutschland nach Riga mit airBaltic dauert rund zwei Stunden. Vom Flughafen ist das Stadtzentrum mit der Buslinie 22 oder dem Taxi zu erreichen.

Fähre:

 Kiel – Klaipeda: Fahrtzeit ca. 21 Stunden mit DFDS Seaways
 Travemünde – Liepaja: Fahrtzeit ca. 28,5 Stunden mit Stena Line
 Travemünde – Ventspils: Fahrtzeit ca. 28,5 Stunden mit Stena Line

Unterkunft:
Hotels gibt es in Riga in allen Preisklassen, auch in der Altstadt. Rechtzeitiges Buchen ist vor allem für den Sommer aber unbedingt zu empfehlen.

Informationen:
Rigaer Büro für Tourismusentwicklung, Ratslaukums 1 Riga, LV 1050 Lettland, Tel.: 00371/67 037 900, www.liveriga.com/de/
Mehr Infos auch unter http://www.latvia.travel/de

Reisen dazu als Selbstfahrertour -10 Tage durch Litauen und Lettland für Auto oder Motorrad unter http://www.mottouren.de/unsere-angebote/dfds-special.html

Oder als geführte Motorradtour in zwei Varianten:
http://www.mottouren.de/unsere-angebote/auf-grosser-fahrt.html

Impressionen aus Riga

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