Eine Reise nach Costa Rica

Elisabeth MaleckiElisabeth Malecki war im Herbst in Costa Rica:

Etwas mühsame Anreise mit Iberia von Berlin über Madrid und Landung nach langen 11 Stunden in San Jose. Dort erwarten uns Rainer und Michael, zwei Brüder, deren Eltern vor 25 Jahren von Deutschland nach Costa Rica ausgewandert sind, und die beide als sehr engagierte Reiseleiter deutschsprachigen Kunden Costa Rica zeigen.

Die ersten Nächte verbringen wir im Zentraltal, um von hier aus u.a. zum Vulkan Irazú zu gelangen. Dieser Vulkan ist mit knapp 3500 m der höchste der zahlreichen Vulkane. Über San Isidro fährt man durch zuerst sehr fruchtbare Landschaft  mit Kartoffel-, Zwiebel- und Bohnenanbau, überall stehen Holsteiner Rinder. Später, in den weniger fruchtbaren Gegenden werden überwiegend Zebu-Rinder gehalten. Von zwei Aussichtspunkten sieht man in den grünen, 70° C heißen Schwefelsee, und nach einem kurzen Stück Weg gelangt man zum Hauptkrater „Diego de la Haya“, der mit einer Tiefe von 300 m beeindruckt.

Hauptkrater am Vulkan Irazú

Hauptkrater am Vulkan Irazú

2000 m tiefer liegt dann Cartago, die ehemalige Hauptstadt des Landes und heute beliebter Marienwallfahrtsort. Wir besichtigen die „Basilica de Nuestra Senora de los Angeles“, das dazugehörende Museum und nehmen einen Schluck aus der Wunderquelle – man kann ja nie wissen!

Von der Terrasse der Sanchiri Lodge aus hat man einen herrlichen Blick in das Orosital, das als nächstes auf unserem Plan steht. Im Ort Orosi selbst steht die erste, von den Spaniern gegründete Kirche, im dazugehörigen Garten belagert gerade eine lautstarke Schar grüner Papageien eine Palme. Auf dem Rückweg ins Zentraltal bekommen wir an einer Kaffeeplantage von Rainer und Michael noch einen Exkurs über den Kaffee-Anbau.

Kirche im Kolonialstil in Orosi

Kirche im Kolonialstil in Orosi

Wir verlassen das Zentraltal auf der Panamericana nach Norden. Zahlreiche Zuckerrohrfelder begleiten den Weg. Um nach Monteverde zu gelangen, verlassen wir die gut ausgebaute Panamericana und  nehmen die letzten 26 km eine Piste, die sich auf 1300 m hinaufschlängelt. Monteverde ist Ausgangspunkt für viele Nebelwald-Aktivitäten. Nebelwald ist hochgelegener oder auch Bergregenwald, d.h. meist im Nebel und immer feucht und relativ kühl. Das bekommen wir bei unserer Ankunft auf der Finca Valverde auch gleich heftig zu spüren: es schüttet wie aus Eimern, als wir unsere Zimmer in dieser traumhaften Anlage beziehen. Je zwei große Zimmer befinden sich in den über den Hang verstreuten zehn Holzhäuschen, von deren großen Terrassen aus man ohne große Anstrengung Kolibris, Motmots und Tukane beobachten kann.

Regen auf der Finca Valverde

Regen auf der Finca Valverde

Am nächsten Tag blauer Himmel, strahlender Sonnenschein – und das in einer Gegend, wo es 8000 mm Niederschlag im Jahr geben soll! Den ganzen Tag verbringen wir im Selvatura Park auf 1500 m Höhe. Im Kolibrigarten lockt man mit Zuckerwasser und künstlichen Blüten die kleinen Vögel an, und hat so die Gelegenheit, sie aus dichtester Entfernung zu beobachten. Beim Canopy kann man an 15 bis zu 700 m langen Stahlseilen mit bis zu 40 km/h über die Baumwipfel hinwegsausen. Für die acht bis zu 170 m langen Hängebrücken braucht man weitere zwei Stunden. Das Schmetterlingshaus ist das zweitgrößte Zentralamerikas. Im Reptilienhaus lernt man die giftigen und ungiftigen Schlangen des Landes kennen – es sind reichlich viele! Zu Fuß zurück nach Monteverde benötigt man zwei Stunden, in denen man durch nette Siedlungen kommt.

Hängebrücke im Selvatura Park

Hängebrücke im Selvatura Park

Den nächsten Tag beginnen wir bei blauem Himmel und Sonnenschein mit einer Wanderung im Monteverde-Reservat, das nicht so hoch liegt und auch längst nicht so feucht ist. Auf halbem Weg erreichen wir die kontinentale Wasserscheide, d.h. bei Regen läuft das Wasser auf der einen Seite Richtung Karibik, auf der anderen Seite Richtung Pazifik. Angeblich soll man bei optimalen Sichtbedingungen auch beide Meere sehen können. Heute ist dem aber nicht so, wir können lediglich auf der Pazifikseite den Golf von Nicoya ausmachen. Allerdings bekommen wir einen Eindruck von der enormen Größe dieses Regenwaldreservates, das auch den Kinder-Regenwald umschließt, ein 13000 ha großen Gebiet, das seit den 80er Jahren wächst und wächst, als in Schweden Schulkinder anfingen, Geld für den Erhalt des Monteverde-Regenwaldes zu sammeln.

Auf dem Rückweg Stopp an einem Geschäft, in dem Frauen aus der Region vom bedruckten T-Shirt bis zur handgeschöpften Seife und Kaffee Dinge aus der Region verkaufen und so ihr Einkommen ein bisschen aufbessern. Ein weiterer Stopp an der einzigen Käserei des Landes, die in den 50er Jahren von Quäkern gegründet wurde, als diese nämlich die Monteverde Region besiedelten und die Viehwirtschaft dort einführten. Probieren müssen wir hier natürlich das berühmte Macadamia-Eis, das dort hergestellt wird.

Die anschließende Tour mit einem Guide durch das Santuario Ecologico Monteverde lässt uns von Blattschneiderameisen über Vogel-, Wolfs- und Trichterspinnen, Kapuzineraffen, Nasenbären und Motmots jede Menge Tiere aufspüren.

Wasserscheide Atlantik - Pazifik

Wasserscheide Atlantik – Pazifik

Am nächsten Tag führt uns unser Weg nun in die Provinz Guanacaste. Durch welliges Hügelland mit Viehzucht wollen wir nach Fortuna. Das erste Faultier und eine Herde Brüllaffen begegnen uns. Den ersten Blick auf den Vulkan Arenal haben wir von einer zugigen Anhöhe aus. Bevor wir ihn erreichen, müssen wir aber noch um den ganzen Arenal-See herum, größter See und wichtigste Energiequelle des Landes. Der Vulkan Arenal präsentiert sich von der einen Seite des Sees mit seiner grauen Lavaseite, fährt man über den Damm weiter Richtung La Fortuna, sieht man seine bis oben bewaldete Rückseite. Da das Wetter so schön ist, machen wir kurz entschlossen noch einen Stopp an einem Wasserfall, zu dem man allerdings erst 500 Stufen hinabsteigen muss, bevor man ins erfrischende Nass springen kann – und dann natürlich auch wieder 500 Stufen hinaufsteigen muss.

Wasserfall bei La Fortuna

Wasserfall bei La Fortuna

In La Fortuna angekommen, machen wir uns sofort auf zum Vulkan, um das nächtliche Spektakel nicht zu versäumen. Es ist sehr eindrucksvoll, die rot glühende Lava den Berg hinabfließen zu sehen. Ehrfurcht vor solchen Naturgewalten macht sich breit!

Vulkan Arenal

Vulkan Arenal

Weiter geht es Richtung Norden. Durch das Flachland von San Carlos nähern wir uns nun schon der Grenze zu Nicaragua. Am Weg wachsen jetzt Maniok, Papayas, Ananas und Zuckerrohr. In Los Chiles am Rio Frio gehen wir aufs Boot und zählen in den nächsten vier Stunden 22 verschiedene Vogelarten, dazu Basilisken, Iguanas verdes, Schildkröten, Kapuziner- und Brüllaffen, zwei Faultiere und Kaimane. Nach einem improvisierten Picknick am Grenzpfosten zu Nicaragua und der Rückfahrt nach Los Chiles, machen wir uns auf den Weg nach Süden. An der Iguana-Brücke legen wir noch einen Fotostopp ein, um diese eindruckvolle Tierwelt auch auf dem Foto festzuhalten und probieren das giftig lilafarbene Eis der Pitahaya.

Kaiman am Rio Frio

Kaiman am Rio Frio

Auf der Karibikseite geht es heute Richtung Süden durch die Provinz Heredía . Es wird trockener und wärmer, Ananas- und Bananenplantagen begleiten uns. Nach einem langen Fahrtag erreichen wir Puerto Viejo, ein typisch karibisches Dorf mit Aussteigern, Reggae-Musik, vielen Schwarzen und Chinesen, aber auch ein paar Indigenas sind zu sehen. Wir wohnen in Glorias Escape Caribeno mit Deckenventilator und Hängematte auf der Terrasse.

Der nahe gelegene Cahuita-Nationalpark, der ein Unter- und Überwasser-Nationalpark ist,  steht heute auf unserem Tagesprogramm.

Wir gehen 7 km an traumhaften Stränden lang, der karibische Regenwald geht bis direkt an den Strand. Diverse Badestopps müssen sein. Das vorgelagerte Riff ist bei einem Erdbeben 1991 um einen Meter angehoben worden und teilweise zerstört.

Cahuita Nationalpark

Cahuita Nationalpark

Unser letzter Tag: wir fahren an der Küste Richtung Norden bis Limón, dem wichtigsten Karibikhafen (Bananen!). Am 12.10.1502 landetet Kolumbus hier auf seiner vierten Reise und glaubte, Costa Rica für die Alte Welt entdeckt zu haben.

An der Strasse gibt es noch eine pipa fría, gekühlte grüne Kokosnuss, bevor wir durch den Braulio Carillo-Nationalpark auf San Jose zufahren, wo sich der Kreis schließt und ein köstliches karibisches Mahl diese schöne Reise beendet.

Der strapaziöse Rückflug mit sieben Stunden Verspätung ab San Jose, dadurch verpasster Anschlussmaschine in Madrid und zusätzlicher unfreilliger Nacht in Madrid, haben dem keinen Abbruch getan, dass Costa Rica ein spannendes, höchst abwechslungsreiches Reiseland ist, das zu jeder Jahreszeit Höhepunkte für den Reisenden bietet.

Ein Bericht von Elisabeth Malecki aus dem Globetrotter Reisebüro in Barmbek.

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