Motorradtour an der Wolga 2018 – Teil 10

Die dunklen Tage Russlands

Wir verlassen Moskau und fahren Richtung Smolensk, wo wir übernachten werden. Um auf die M1 zu gelangen, fahren wir durch die Stadt und müssen mehrere Stadtringe überqueren. Der Verkehr ist ziemlich dicht – Umsicht ist mehr denn sonst geboten.

Nach dem einzigen Plattfuß, den wir kurz nach der Abfahrt vom Hotel haben, schaffen wir es – zur Freude aller – doch noch, einen Fotostopp unterhalb des Roten Platzes einzulegen. Das Spiel mit den Offiziellen ist jedes Mal dasselbe, aber die Fotos sind im Kasten.

Napoleons Schlachtfeld

Dann machen wir einen Abstecher nach Borodino, dem ehemaligen Schlachtfeld von Napoleons Versuch, Russland zu erobern. Borodino, dem Ort einer bedeutenden Schlacht in den Napoleonischen Kriegen zwischen einer französischen Armee unter Napoleon I. und einer russischen Armee unter Feldmarschall Michail Kutusow.

In dieser Schlacht, ausgetragen am 7. September 1812, die als eine der blutigsten im 19. Jahrhundert gilt, verloren die Russen etwa 42 000, die Franzosen ungefähr 32 000 Mann. Tolstoi hat 1869 diese Schlacht in seinem Roman „Krieg und Frieden“ verarbeitet. Neben dem Museum ist, wie im letzten Jahr, ein Camp errichtet, in dem Jugendliche praktische Geschichte gelehrt wird. Uns zieht es aber weiter. Zwischenstopp in einem Cafe, in dem zwei Polizisten sitzen. Einer von ihnen fragt nach unserem Eintreten: „Deutschland?“, dann beginnt er breit zu grinsen und sagt: „Ains, zwai, drai, Polizai“ und will sich anschließend ausschütten vor Lachen. Wir sind schon etwas erstaunt. Die M1 Richtung Smolensk zieht sich hin, aber schließlich erreichen wir unser Hotel.

Die Kesselschlacht bei Smolensk

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt hart umkämpft. In der Kesselschlacht bei Smolensk im Spätsommer 1941 wurde Smolensk besetzt und fast vollständig zerstört. Tausende Bewohner kamen ums Leben oder wurden zwischen 1941 und 1943 zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich gebracht. Im Herbst 1943 wurde Smolensk von der Roten Armee zurückerobert. Danach begann der originalgetreue Wiederaufbau der Stadt. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen die Festungsmauern aus dem 16. Jahrhundert. Sie umgeben die Altstadt und werden oft als Kremlmauern angesehen.

Bei der Ausfahrt am nächsten Morgen stoppen wir bei der Auferstehungskathedrale und schauen auf Teile der Stadt, die unter uns liegen.

Das Massaker von Katyn

20 km weiter westlich liegt das Dorf Katyn, dessen Name durch das im Frühjahr 1940 verübte Massaker bekannt geworden ist. Einheiten des sowjetischen Innenministeriums NKWD ermorden an verschiedenen Orten in der UdSSR, der Ukraine und Weißrusslands auf Weisung Stalins rund 22.000 polnische Staatsangehörige, Offiziere, Polizisten, Intellektuelle und andere Eliten. Die Gräber bei Katyn waren die ersten, die entdeckt wurden und auch lange die einzig bekannten. Dafür entstand deshalb das Synonym „Massaker von Katyn“.

Die sowjetische Propaganda hatte selbst in der Nachkriegszeit die Täterschaft geleugnet und stattdessen das deutsche Militär als Täter beschuldigt.

Bis ins Jahr 1989 war das Thema Katyn ein Tabu, auch in Polen war es verboten, darüber zu sprechen. Michail Gorbatschow stellte 1990 klar, dass die Sowjetunion für den Massenmord in Katyn allein verantwortlich war, Boris Jelzin überließ 1992 Polen eine Kopie der Akten.

2010 wurden auf Anordnung des russischen Präsidenten Medwedew Dokumente im Internet veröffentlicht und die russische Duma verabschiedete eine Erklärung „Über die Katyn-Tragödie und ihre Opfer“, in der endgültig eingeräumt wurde, dass das Massaker auf Befehl Josef Stalins und anderer sowjetischer Anführer verübt wurde.

Bye bye Russland

Ein in jeder Hinsicht beeindruckender Ort. Wir fahren weiter parallel zur weißrussischen Grenze über Nevel nach Sebesch und übernachten in einer Kleinstadt, die malerisch zwischen zwei Seen liegt und haben unseren letzten Abend in Russland auf dieser Reise.

 

Die Route

Die Reiseroute zum Downloaden:

 Vollständige Reiseroute der Wolgatour 2018 downloaden

Über Jürgen Grieschat

Motorradreisen, Sicherheitstrainings für Enduro und Straße und Motorradworkshops seit über 20 Jahren! Als Kopf und Motor des MOTTOUREN-Teams organisiere und begleite ich Motorradtouren seit 1992 als Experte für Osteuropa. Viele meiner Reisen habe ich in professionellen Diavorträgen festgehalten. Ich bin als erster mit einem BMW-Motorrad quer durch Sibirien nach Japan gefahren. Wiederholte Motorradtouren nach und in Rußland haben mir meinen zweiten Vornamen "Juri" eingebracht. Weiter zurGlobetrotter MOTTOUREN Website

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.