Motorradtour an der Wolga 2018 – Teil 2

Aufbruch zur Wolgaquelle

Es ist immer wieder eine interessante Erfahrung, in Russland einzureisen, speziell mit dem Motorrad. Nicht besonders schnell, aber gründlich und ziemlich freundlich werden wir „bearbeitet“. Nach gut dreieinviertel Stunden sind wir alle durch und fahren gleich danach eine Tankstelle an, um dort für Beat eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, denn die Schweizer Versichrungen gewähren keinen Versicherungsschutz in Russland.

Auf dem Weg nach Pskow machen wir einen kleinen, sehr lohnenswerten Umweg über Pechora, das uns mit seinen Klöstern und seiner Ruhe beindruckt. Im Hotel Old Estate werden wir wie alte Freunde empfangen. Für uns ist auch wieder die deutsche Flagge aufgezogen worden, ein großartige Geste. Nachdem Abendessen gehen wir noch in die Stadt und zum beindruckenden Kreml. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zum Kurort Staraja Russa.
Wir sehen den Ilmensee und machen noch einen Abstecher in die alte russische Hauptstadt und Hansestadt Welki Nowgorod. Nowgorod ist die älteste Stadt Russlands und bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die die russische Geschichte dokumentieren.

Die letzten Etappen vor der Wolgaquelle

Auf der Strecke passieren wir auch die Kleinstadt Demjansk, Namensgeberin für die erste große Kesselschlacht im Zweiten Weltkrieg. Immer wieder sehen wir Spuren davon, nicht zuletzt in großen Soldatenfriedhöfen. Was für ein Wahnsinn.Die nächsten beiden Übernachtungen sind für viele eine – wie immer gesehene – Überraschung. Das gilt für das Kurhotel in Staraja Russa ebenso wie für die Datscha unserer Freunde Gisbert und Susanna im Waldai, inzwischen einem kleinen Bauernhof, um auch russisches Dorfleben zu erlebenen. Neue und andere Erfahrungen eben. Vor allem die Insidergespräche mit Gisbert, der seit 1989 in Russland als Korrespondent ist haben uns beeindruckt. Mehr an Input von einem Auskenner geht nicht! Vor allem weil es auch zum Teil anderes sind, als wir sie bei uns in den Medien erfahren.
Nach dem Besuch des Glockenmuseums in Waldai machen wir uns auf den Weg zur Wolgaquelle.

Die „atemberaubende“ Wolgaquelle

Die Wolga entspringt in den Waldaihöhen in der Nähe des Dorfs Wolgowerchowje bei 228 m. Die Wolga fließt anfangs ostwärts, im weiteren Verlauf südwärts durch die Osteuropäische Ebene und mündet bei 28 m unter dem Meeresspiegel am Kronstädter Pegel ins Kaspische Meer. Die Höhendifferenz zwischen Quelle und Mündung beträgt damit 256 m. Und das auf 3690 km.

Außer Pilgern und Russen mit ihren Kindern, die auf ihr Heiligtum stolz sind, verirrt sich kaum jemand an deren Quelle. In Wolgowerchowje gibt es keine touristische Infrastruktur und wer die Nacht nicht im Freien verbringen will, wird nach kurzer Zeit wieder weiterfahren, wir natürlich auch.

1649 wurde auf dem Hügel vor der Quelle ein Männerkloster gegründet, geweiht der Fürstin Olga. Nun stehen an diesem Ort die hölzerne Nikolaus-Kirche und eine Backsteinkathedrale. Natürlich sucht jeder zuallererst einen Quelltopf, irgendwas Aufregendes mit viel Wasser, das dem Boden entspringt. Stattdessen steht da eine aus Holz errichtete Kapelle, über einen Holzsteg zu erreichen. Ein Torbogen am Anfang der Anlage verkündet die Wolgaquelle. Dann sehen wir, das Allerheiligste, den Ursprung der Wolga, ein kreisrundes Loch im Bretterboden, dessen Inhalt sich träge nach draußen schiebt, um sich verschämt unter einer Schicht Entengrütze zu verstecken. Mächtig sieht irgendwie anders aus…

Ein Netz von Pyramiden

Zur Nacht bleiben wir dann in Ostaschkow. Auf dem Weg dahin passieren wir eine von den etwas merkwürdigen Golod Pyramiden. Der russische Ingenieur Alexander Golod hat in der Zeit der Perestroika Gefallen an der Lehre vom Einfluss der Pyramiden auf die Ökologie und die menschliche Gesundheit gefunden und nicht nur in Russland ein ganzes Netz davon errichtet, sondern auch in Nizza und in Roms Vororten.

Weiter bis nach Twer

Hätten wir besser dran geglaubt, denn als wir im Hotel ankamen, war der Strom in der Stadt ausgefallen. Chance auf ein Candlelight-Dinner. Der Seligersee bei Ostaschkow ist ein viel verzweigter Binnensee und der größte See der Waldaihöhen. Er ist mit etwa 212 km² fast zweimal so groß wie die Müritz, Deutschlands größter Binnensee und hat rund 160 Inseln. Auf der Insel Gorodomlja wurde hier ab 1946 eine Abteilung der Forschungs- und Entwicklungsstätte für Weltraumraketen eingerichtet. Von 1946 bis 1955 waren auf der Insel auch deutsche Raketeningenieure und ihre Familien „angesiedelt“. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg über Selisharowo, Rschew und Stariza nach Tver mit jeweils einer kleinen Stadtrundfahrten. Im Zweiten Weltkrieg wurde Rschew am 14. Oktober 1941 von der deutschen Wehrmacht besetzt und war danach über 16 Monate umkämpft, was über eine Million Opfer auf beiden Seiten forderte.

Sehr beindruckt waren wir von dem kleinen Städtchen Stariza, das durch den Fluss in zwei Teile geteilt ist mit seinen Klöstern zu beiden Seiten. Dann erreichen wir Twer, eine der ältesten russischen Städte. Von 1931 bis 1990 hieß die Stadt Kalinin nach dem sowjetischen Politiker Michail Kalinin. Wir übernachten wieder im Park Hotel direkt an der Wolga und werden herzlich willkommen geheißen.

Die Reiseroute

Die Reiseroute zum Downloaden:

 Vollständige Reiseroute der Wolgatour 2018 downloaden

Über Jürgen Grieschat

Motorradreisen, Sicherheitstrainings für Enduro und Straße und Motorradworkshops seit über 20 Jahren! Als Kopf und Motor des MOTTOUREN-Teams organisiere und begleite ich Motorradtouren seit 1992 als Experte für Osteuropa. Viele meiner Reisen habe ich in professionellen Diavorträgen festgehalten. Ich bin als erster mit einem BMW-Motorrad quer durch Sibirien nach Japan gefahren. Wiederholte Motorradtouren nach und in Rußland haben mir meinen zweiten Vornamen "Juri" eingebracht. Weiter zurGlobetrotter MOTTOUREN Website

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