Motorradtour an der Wolga 2018 – Teil 7

Der Weg zum Wolgadelta

Der Regen, der unsere Abfahrt aus Wolgograd etwas verzögert hat, lässt glücklicherweise nach, es bleibt aber auf der Fahrt weitestgehend bedeckt und trübe. Wir queren die Wolga, um auf der linkseitigen Strecke dem Fluss nach Astrachan zu folgen.

Die Stadt am gegenüberliegenden Ufer, Krasnoslobodsk, ging aus einem kleinen Kosakendorf hervor, an dem in den 1890er-Jahren erste Werkstätten zur Reparatur von Wolga-Schiffen entstanden. Während der Schlacht von Stalingrad befand sich Krasnoslobodsk abseits der Kampfhandlungen, weshalb hier vor allem Hospitäler für verletzte Rotarmisten eingerichtet worden waren.

Wie passieren Snamensk, das am linken Ufer der Achtuba liegt, einem Nebenarm der Wolga. Der Ort steht für die Entstehung und Entwicklung der ersten sowjetischen Raketen. Während sich im Süden und Westen die sumpfigen Wolga- bzw. Achtubawiesen erstrecken, befindet sich in nordöstlicher Richtung die fast unbewohnte Halbwüste sowie die kasachische Grenze.

In Achtubinsk befinden sich ein wichtiger Stützpunkt der russischen Luftwaffe und eine Testpilotenschule. Immer wieder ziehen unterschiedliche Düsenjäger über unsern Köpfen ihre Bahnen. Die Stadt liegt nur 30 km von der kasachischen Grenze und 50 km vom bekannten Salzsee Baskuntschak entfernt. Das Wetter animiert uns aber nicht zu einem Abstecher dorthin. Das gleiche gilt für Saraj-Batu, das ehemalige Handelszentrum der Goldenen Horde. Die schlammige Lehmpiste dorthin lassen wir besser aus.

Auf nach Astrachan

Astrachan ist das Zentrum der Region, hier lebt mehr die Hälfte der Gesamtbevölkerung der Oblast. Durch seine Lage im Mündungsbereich der Wolga in das Kaspische Meer ist Astrachan ein wichtiger Knotenpunkt, der Russland über die Wolga und das Schwarze Meer mit Zentralasien und dem restlichen Europa verbindet. Der Hafensektor und die verarbeitende Industrie sind ein wichtiger Teil der Wirtschaft in der Region, ebenso wie die Landwirtschaft und die Ölindustrie.

Als sich die Stadt im 17. Jahrhundert zum Tor Russlands in den Orient entwickelte, ließen sich hier viele Kaufleute aus Armenien, Persien, Indien und Chiwa, der Oasenstadt an der Seidenstraße nieder, was Astrachan einen multinationalen Charakter verlieh, den es auch noch heute hat. Der Kreml von Astrachan wurde zwischen den 1580er und den 1620er Jahren errichtet; die Steine für die Mauern stammten aus den Trümmern von Saraj-Batu.

Mit uns im Hotel wohnt das Organisationsteam der aktuell laufenden Silk Way Rallye, eine mehrtägige Etappen-Rallye, welche teils auf Routen der historischen Seidenstraße verläuft. Die Rallye wurde von den Veranstaltern der Rallye Dakar organisiert und wird als Vorbereitung auf sie angeboten.

Am folgenden Tag haben wir wieder Motorradpause, an dem wir einen Ausflug ins Wolgadelta. Irena, die hier in Astrachan als Deutschlehrerin arbeitet, holt uns ab und begleitet uns den ganzen Tag.

Wolgadelta

Das Flussdelta der Wolga am Kaspischen Meer, dem größten See der Erde, umfasst heute durch Absinken des Seespiegels eine Fläche von über 27.000 km², also etwas kleiner als das Bundesland Brandenburg und ist damit das größte Flussdelta Europas.
Bei Astrachan ästelt sich das Wolgadelta in zahlreiche Mündungsarme auf. Das Wolgadelta, von dem Großteile unter Naturschutz stehen, ist eine wichtige Zwischenstation für Zugvögel auf ihrem Weg nach Süden. Im Wolgadelta und seiner Umgebung findet sich eine weltweit einzigartige Konzentration an Vogelarten. Das Delta ist auch Lebensraum zahlreicher anderer Tierarten wie dem Stör, dessen Fang hier streng reguliert ist. Illegaler Störfang für den Handel mit Kaviar sowie die Wasserverschmutzung haben die Bestände stark schrumpfen lassen. Durch Aufzucht versucht am dem entgegen zu wirken. Eine dieser Störfarmen besuchen wir mit großem Interesse und werden von Irina vom Fish`ka Team bestens informiert. Dann fahren wir mit Booten weiter ins Delta bis an den Übergang zum Kaspischen Meer. Wir sind von der Vielzahl der Vögel, der riesigen Fläche und den Lotusblüten stark beeindruckt. Mittagspause machen wir an einer Tur-Base, einem kleinen Flusshotel. Luba und ihre Mitarbeiterin empfangen uns nach russischer Tradition. Danach gibt es leckere Fischgerichte und wir nutzen die Gelegenheit zum Schwimmen.

Voller Eindrücke kehren wir nach Astrachen zurück.

 

Die Route

Die Reiseroute zum Downloaden:

 Vollständige Reiseroute der Wolgatour 2018 downloaden

Über Jürgen Grieschat

Motorradreisen, Sicherheitstrainings für Enduro und Straße und Motorradworkshops seit über 20 Jahren! Als Kopf und Motor des MOTTOUREN-Teams organisiere und begleite ich Motorradtouren seit 1992 als Experte für Osteuropa. Viele meiner Reisen habe ich in professionellen Diavorträgen festgehalten. Ich bin als erster mit einem BMW-Motorrad quer durch Sibirien nach Japan gefahren. Wiederholte Motorradtouren nach und in Rußland haben mir meinen zweiten Vornamen "Juri" eingebracht. Weiter zurGlobetrotter MOTTOUREN Website

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