Polen – Gourmet Tour

Größter Gänse-Exporteur

Weiter geht die Fahrt entlang der Weichsel durch die Region Kujawien nach Bydgoszcz/Bromberg. Wenn in der Weihnachtszeit eine polnische Gans auf unseren Tellern landet, stammt sie sehr wahrscheinlich von hier, denn Kujawien ist der größte polnische Exporteur tiefgefrorener Gänse. Gut zu wissen, dass man sich hier zu artgerechter Aufzucht verpflichtet hat und nur ausgewähltes Futter verwendet, wodurch das Fleisch besonders zart und schmackhaft wird. Davon überzeugen wir uns am Abend natürlich persönlich.

Bevor wir am nächsten Morgen Bydgoszcz verlassen, stoppen wir noch am „Museum für Seife und Schmutzgeschichte“. Während der Führung machen wir uns mit verschiedenen „Reinheitsepochen“ vertraut und fertigen danach noch unsere eigene Seife an, bei der wir Form, Farbe und Geruch individuell bestimmen.

Weiter geht es in Richtung Nordosten nach Masuren. Auf unserem Weg liegt Grunwald/Tannenberg, das als Schauplatz zweier großer Schlachten berühmt geworden ist. Am 15. Juli 1410 erlitt der Deutsche Orden hier eine vernichtende Niederlage gegen ein vereinigtes polnisch-litauisches Heer. Diese Schlacht war der Anfang vom Ende der Macht des Ordens und führte schließlich zu seiner Auflösung. Sie gehört zu den größten kriegerischen Auseinandersetzungen des Mittelalters.

Die zweite Schlacht war Ende August 1914. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges fielen russische Truppen in Ostpreußen ein, um die Deutschen von ihrer Offensive gegen Frankreich abzulenken. Nach Kämpfen gegen den russischen Gegner nördlich der Masurischen Seenplatte konzentrierten Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und sein Stabschef Erich Ludendorff das Gros ihrer Kräfte in einem Angriff gegen General Alexander Samsonow bei Tannenberg, wodurch die russische Invasion gestoppt wurde. 1934 wurde hier der Sieger der Schlacht, der inzwischen als Reichspräsident verstorbene von Hindenburg zusammen mit seiner Frau beigesetzt. Kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee wurden ihre Särge nach Westen verlegt und später in der Elisabethkirche in Marburg untergebracht. Von der Straße, an der sich heute das Hotel „Zajazd Mazurski” befindet, sieht man noch das Eingangstor zu der ehemals imposanten Anlage. Von dem ursprünglich errichteten Denkmal, findet man heute nach einigem Suchen in dem durchwühlten Relief nur noch wenige Überreste.

Erinnerungen und Emotionen

Es wird hügliger, seenreicher. Wir durchqueren die Masurische Seenplatte und erreichen bei Kętrzyn/Rastenburg das Schloss Nakomiady, unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Wohl kaum eine Landschaft in Europa weckt so viele Sehnsüchte, Erinnerungen und Emotionen wie Masuren. Aus deutscher Sicht war die Region lange nur Ziel von Heimatvertriebenen. Inzwischen locken seine Wälder, Flüsse und Seen aber immer mehr Entdeckungslustige, die Begegnungen mit der Natur suchen, Gastfreundschaft und persönliche Atmosphäre kennen lernen und Geschichte pur erleben wollen. Nach dem Frühstück geht es über Rastenburg zur bereits erwähnten Wolfsschanze, Hitlers ehemaliges Führerhauptquartier zur Leitung des Unternehmens „Barbarossa“, dem Überfall auf Russland.

Steinort am Mauersee und Dönhoffstädt sind zwei herausragende Beispiele von ostpreußischen Herrenhäusern oder zumindest, was davon übrig geblieben ist. Das erste war Stammsitz der Grafenfamilie Lehndorff, das zweite gehörte der Familie Dönhoff.

Die Burg in Reszel/Rößel und der Wallfahrtsort Święta Lipka/Heilige Linde mit seiner barocken Kirche und seiner eindrucksvollen Orgel hinterlassen völlig andere Eindrücke. Auf kleinen Straßen schlängeln wir uns am Gilandsee vorbei nach Sorkwity/Sorquitten in meine persönliche Lieblingskirche in Masuren. Pastor Christof Mutschmann erzählt uns ihre Geschichte und zeigt uns den naiv geschnitzten Altar, den schwebenden Taufengel und den für eine evangelische Kirche ungewöhnlichen Beichtstuhl.

Spektakel auf dem Wasser

Dann reisen wir aus Kętrzyn ab und cruisen über Allenstein weiter zum Oberländischen Kanal, die technische Sensation im Ermland. Über fünf „Rollberge“ fahren die Schiffe über Land und überwinden dabei, in Schlitten transportiert, fast 100 Höhenmeter. Nachdem ich schon mehrfach mit einem Schiff auf dem Kanal unterwegs war, fahren wir dieses Mal ein Stück auf dem Plattenweg entlang des Kanals, der Elbing mit Osterode und damit die Ostsee mit der Masurischen Seenplatte verbindet. Dabei sehen wir uns das Spektakel von außen an. Seit über 160 Jahren funktioniert das dank Wasserkraft problemlos.

An der Marienburg, der größten Festung des Deutschen Ordens vorbei, erreichen wir Kartuzy/ Karthaus, die Hauptstadt der Kaschubischen Schweiz. Wir machen einen Spaziergang zum Kloster der Karthäusermönche. Die Mönche dieses Ordens lebten in Isolation. Sie konzentrierten sich auf das Jenseits nach dem Motto „Bedenke, dass Du sterben musst“. Daher ist auch das Dach des Klosters in Form eines Sargdeckels gestaltet und das Innere eher düster und dunkel.

Das Abendessen ist gegenwartsbezogener und bietet verschiedene Spezialitäten der kaschubischen Küche. Besonders lecker sind Plińce, hausgemachte Kartoffelpuffer mit Gulasch und Fleischsauce.

Hinein ins Karierte Land

Dann verschglägt es und nach Pommern, über Słupsk/Stolp und Koszalin/Köslin nach Maciejewo. „Kariertes Land“ heißt die Gegend um Słupsk, unter anderem wegen der schwarz weißen Fachwerkarchitektur. Der hier lebende Volksstamm der Slowinzen baute seine Fachwerk-Bauernhäuser mit schwarz geteerten Holzbalken und weiß getünchten Lehmwänden, die das Landschaftsbild prägen. Das schönste Dorf dieser Volksarchitektur steht in Swołowo. Wir machen noch einen Abstecher an die Ostsee und vertreten uns in Kołobrzeg/Kolberg ein wenig die Beine. 60 Kilometer vor Szczecin/Stettin beziehen wir unsere Zimmer im Schloss Maciejewo und genießen ein letztes Abendessen. Deshalb kommt zum Abschluss das vielleicht typischste aller polnischen Gerichte auf unsere Teller: leckere und knusprige Ente. Ein Genuss ohne Gleichen. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Stephan, der zurück nach Warschau muss. Bevor auch ich mich auf den Heimweg mache, heißt es beim Schließen meines Rukkaanzuges allerdings tief einatmen. Er scheint in den letzten Tagen im Bauchbereich erheblich geschrumpft zu sein. Macht nichts, das wird sich wieder verwachsen. Im Gegensatz dazu werden die Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen dieser Reise in und durch Polen noch lange nachwirken.

Ein Reisebericht von Motorradexperte Jürgen Grieschat

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