Südfrankreich – zur Pilgerparty ans Mittelmeer

Eingebettet im Rhônedelta, kann man in der Camargue hervorragende Straßen und kulturell interessante Städte erkunden. Einer der Höhepunkte in Südfrankreich ist die jährlich stattfindende Zigeunerwallfahrt in Saintes-Maries-de-la-Mer.Südfrankreich - Pilger Reiter im Wasser

Es waren diese Bilder von Pferdewagen am Strand, von bunt gekleideten Menschen und rhythmischer Gitarrenmusik unter brennender Sonne vom blauen Himmel, die bei mir schon lange im Kopf herumspukten. Bilder von der traditionellen Zigeunerwallfahrt in der südfranzösischen Camargue, die ich vor Jahren gesehen hatte. Warum nicht dem Spuk ein Ende bereiten und nachsehen, ob die Realität tatsächlich so ist?

Einmal im Jahr versammeln sich Sinti und Roma in der Camargue, genauer in Saintes-Maries-de-la-Mer, und zwar immer am 24. Mai, um der heiligen Sara zu huldigen. Aber sie sind nicht alleine. Auch eine Vielzahl von Touristen lässt sich das Spektakel nicht entgehen.Südfrankreich - mit dem Motorrad durch das verschneite Gebirge

Eingebettet in das weitläufige Rhônedelta, erstreckt sich die Camargue über 850 Quadratkilometer – mehr als die Fläche des Stadtstaates Hamburg – bis ans Meer. Nachdem über lange Zeit Lagunen, Salzseen und Sümpfe trockengelegt wurden, steht heute ein Großteil des Gebietes unter Naturschutz.

Vielfältige Zeitvertreibe in Südfrankreich

Von Aigues-Mortes, Saint Gilles und anderen Orten aus lässt sich das Land am besten mit dem Schiff erkunden. Man kann die Rhône hinunter paddeln, an rosa Flamingos vorbei reiten, schwarze Stiere auf satten Weiden und weiße Pferden auf feuchten Wiesen beobachten, sehen, wie in den Salinen der Camargue Salz gewonnen wird oder hören, wie am Abend die Gitarrenklänge der Zigeuner in Saintes-Maries-de-la-Mer erklingen, während ein köstliches Menü serviert wird. Auf den ersten Blick nur ein Klischee, aber eben auch nur auf den ersten Blick.

Seit es den Autoreisezug nach Südfrankreich nicht mehr gibt, ist die Anreise für uns Nordlichter etwas langwieriger. Aber da bekanntermaßen auch der Weg das Ziel ist, bietet die Anreise über das französische Jura zwischen Hochrhein und der Rhône östlich von Lyon Gelegenheit für ein kurzes, ganz persönliches Jura-Studium. Ein anschließendes Geschichtsstudium führt uns entlang eines Teils der Route Napoléon, der Strecke, die der Kaiser von Süden aus über die Berge nehmen musste, als er 1815 zurück auf dem Weg an die Macht in Paris war. Wir fahren diese Strecke in gegenläufiger Richtung. Diese legendäre Route führt durch einige der schönsten Landschaften Südfrankreichs – uns aber nur unserem Hauptziel entgegen.

Südfrankreich - Jürgen auf dem Motorrad

Das Fischerdorf Saintes-Maries-de-la-Mer in der südfranzösischen Camargue erwacht alljährlich am 24. und 25. Mai zu buntem Leben. Zur berühmten Zigeuner-Wallfahrt und der nachfolgenden Marien-Wallfahrt kommen Tausende Pilger in Tracht, viele von ihnen zu Pferd. Dazu versammeln sich noch mehr Zuschauer. Der Ort wird dann zu einem riesigen Wohnwagenlager, der mobilen Untersätze von Sinti und Roma, der Gitanes einerseits und der modernen Nomaden mit ihren Wohnmobilen, Wohnwagen und Zelten andererseits. Zimmer sind dann schon lange nicht mehr zu bekommen. Denn wie es Geheimtipps oft ergeht, wächst in diesen Tagen die gut 2500 Einwohner zählende Kleinstadt um ein Vielfaches an.

So schlagen wir im Hotel d‘Angleterre in Avignon unser Quartier für die nächsten Tage auf, und nutzen immer wieder neue Wege, um nach Saintes-Maries zu gelangen und die Camargue zu erkunden. Es sind nur ein paar Straßen und Wege, die in die Camargue führen.

Tierreicher Naturpark

Zwischen den beiden Mündungsarmen der Rhône entstanden, wurde sie von der Natur zwischen Süßwasser und Meerwasser im Gleichgewicht gehalten. Dann mischte sich der Mensch ein. Erst war es nur die Salzgewinnung, dann wurden von Deiche angelegt und Reis im großen Stil angebaut. Aber schließlich stellte man den noch intakten inneren Bereich, den Etang de Vaccarés, mit strengsten Auflagen unter Naturschutz, den Bereich, in dem Hunderttausende Blässhühner, Enten, Schnepfen, Möwen und auch Flamingos leben, daneben Wasserschildkröten und Biber. Teile des Naturparks sind für Besucher tabu. Selbst Wissenschaftler erhalten für diesen Bereich nur in Ausnahmefällen eine Besuchsgenehmigung. Willkommen am Ende der Welt.

Südfrankreich - Turm

Viele abgehende Straßen verwandeln sich in Sandpisten und schließlich in einen einfachen Weg zwischen den Manades, den Tierzuchtbetrieben der weißen Pferde und der Stiere. Zeitweise sind riesige Schwärme rosafarbener Flamingos zu sehen, dazu die halbwilden Camargue Pferde, die, ebenso wie die Jungstiere, Züchtern gehören und regelmäßig eingefangen werden. Die kleinen, ausdauernden Schimmel werden gezähmt und zugeritten. Sie dienen den Viehhirten für ihre Arbeit und mit ihrer angezüchteten Gelassenheit den Touristen für Gruppenausritte. Die Bullen sind für die Stierkampfarena bestimmt.

Noch in den 1950er Jahren war die Camargue weitgehend unberührt. Seither schossen allerdings Villen und Imitationen von provenzalischen Bauernhäusern sowie zahlreiche Feriensiedlungen aus dem ehemals sumpfigen Boden. Wer die gut ausgebauten Straßen von Arles nach Süden benutzt, kann zwischen Reitbahnen und luxuriösen Gasthöfen wählen, die zwar große Annehmlichkeiten bieten, aber nur wenig vom Charakter des Landes verraten.

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