Die heimliche Kulturhauptstadt Malaysias, Malakka ( Melaka )

Malaysia ist geprägt durch seine vielfältigen Ethnien auf der Halbinsel an der Straße von Malakka und auch dem nördlichen Teil der Insel Borneo mit den beiden Provinzen Sabah und Sarawak ( der südliche Teil Borneos  – etwa 2 /3 der Insel –  gehört zu Indonesien).  Malaysias Geschichte, seine verschiedenen Kulturen und Ethnien  sind aber besonders ausgeprägt in der westlichen Küstenstadt Malakka an der Straße von Malakka ( Strait of Malakka) , dem Haupt – Seeweg vom Westen der Welt nach China – und das seit mehr als 2.000 Jahren.  Aus einem kleinen Fischerdorf wuchs es in der Zeit heran zu einem der wichtigsten Häfen Asiens und war Spielball seiner unmittelbaren Nachbarn, wie Sumatra , Indien und natürlich auch China , das entlang des Seeweges ihren Handel mit allen Gütern Asiens, besonders aber Gewürzen trieb. Und auch die neuen Kolonialherren aus Europa kommend  haben es nicht verschont.

Portugiesische Kogge in Malakka

Portugiesische Kogge

So waren es wohl Chinesen, die sich neben den Einheimischen aus dem Inneren des Landes ( sicherlich hauptsächlich als Fischer) dort niederließen.  In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zog es Inder gen Osten , die das dortige Festland ( siehe auch Thailand und Kambodscha) mit oder ohne Waffengewalt eroberten . So nennt die Legende den Indischen Prinzen Parameswada , der von Sumatra ( auf der anderen Seite der Straße von Malakka ) so um 1400 nach Malakka kam . Er gab der Stadt auch seine heutigen Namen, weil er dort als erstes  bei der Anlandung auf einen ihm bekannten Baum, den Malakka-Baum traf.  Unter seiner klugen Herrschaft auch mit den dort Ansässigen wuchs die Hafenstadt zu einem bedeutenden Handelsort an. Doch es waren bereits die ersten Kolonialisten aus Europa ( hier als erste die Portugiesen ) unterwegs , und diese nahmen 1511 die Stadt ein. Sie bauten bereits 1512 eine riesige Festung mit Mauern und Toren rund um die Siedlung. 130 Jahre währte die Herrschaft der Portugiesen, die in einer großen Seeschlacht 1640 von den Holländern besiegt wurden und welche die Stadt – auch die Festung – weiter ausbauten.

die bunten Handelshäuser ( im Bba-Nonya-Stil mit barockem Stuck)

die bunten Handelshäuser ( im Bba-Nonya-Stil mit barockem Stuck)

 

Von der portugiesischen Kultur finden wir heute Reste in einer Minderheit ( man schätzt sie auf etwa 2400 Personen) , welche einen alten portugiesischen Dialekt spricht und auch Tänze und Kleidung zu besonderen Anlässen pflegt.

Wie überall an der Westküste der Halbinsel bestimmen Chinesen das Bild der Ortschaften . An der Ostküste sind es übrigens die Malaien. Hier in Malakka gibt es ausgeprägt aber eine Besonderheit: die sogenannte Baba-Nonya – Kultur. Sie ist entstanden aus den gemischten Familien , welche aus den eingewanderten Chinesen mit den einheimischen malaiischen Frauen entstanden sind. Man nennt sie auch Strait-Chinesen oder Peranakan. Ihnen ist das Baba-Nonya- Heritage- Museum gewidmet, das zum Ende des 19. Jahrh. aus drei älteren Häusern reicher Baba-Nonya-Familien  besteht. Hier findet man alles , was an Innendekoration, kostbaren Textilien und Hausgeräten diese Kultur gebildet hat. Alles wird ergänzt auch durch Kostbarkeiten aus portugiesischer , holländischer und britischer Zeit. Zwei Teile dort sind besonders sehenswert: die große Glaswand, welche jungen, unverheirateten Frauen erlaubte die im Gästeraum anwesenden Männern zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden, und das große Himmelbett im oberen Stockwerk, von dem man über ein verstecktes Loch im Boden in den Gästeraum blicken konnte.

von den Holländern gebauten Häuser ( pinkfarben)

von den Holländern gebauten Häuser (pinkfarben)

 Die holländische Zeit reichte bis 1795 und wurde von den Briten abgelöst. Wichtige und sehenswerte Bauten der Holländer finden wir im Zentrum u. a. mit dem Stadthuys ( heute das Museum  für Geschichte und Ethnologie) und der Christ Church . Die alten holländischen Bauwerke treten durch ihre äußeren , pinkfarbenen Wände hervor. Britische Häuser sind weiß, von den Portugiesen sind nur noch Ruinen  – die Reste der St. Paul`s Kirche  auf dem Hügel  und am Fuße das Santiago-Tor  – vorhanden, weil die Briten alles Portugiesische in Malakka zerstört haben. Glücklicherweise haben sie die Bauten  der Holländer stehen lassen

Das heutige Stadtbild rechts vom Fluß (sein Name ist Sungai Melaka) seine Häuser und Läden, seine Beschriftungen überall, wird  von Chinesen dominiert. Die Straßen heißen alle „ Jalan“ ( malaiisch „ Straße“ ), aber sie tragen chinesische oder malaysische Namen. Die Hauptgeschäftsstraße  ist die Jalan Hang Jebat , im Volksmund „ Jonker Street“ ( englisch) genannt und ihre Parallestraße, die Jalan Tun Tan Cheng Lock , im Volksmund „Heeren Straat“ ( holländisch) genannt.  Dort reihen sich rechts und links die typischen chinesischen zweistöckigen und dreistöckigen  , bunten Handelshäuser mit den Läden oder Restaurants  im Erdgeschoss und der Wohnung und dem Lager darüber. Sie stammen vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert, strahlen frisch renoviert in allen verschiedenen Farben . Die Fassaden haben typische Baba-NonyaDekoration, mit chinesischen Stilelementen,  durch europäischen Barockstuck „ verschönert“.

Sie sind heute ganz auf den Tourismus eingestellt und die Geschäfte verkaufen zum größten Teil schöne, interessante und kitschige Souvenirs ( mehrheitlich made in China) und Antiquitäten.  Ergänzt werden die Läden am Abend mit vielen zusätzlichen Buden vor den Türen mit ähnlichen Produkten und Angeboten zum Naschen.

Kirchturm der portugiesischen Kirche ( heute Minarett der Moschee)

Kirchturm der portugiesischen Kirche ( heute Minarett der Moschee)

Neben der  Christlichen Kirche in der Altstadt finden wir auch eine Moschee mit altem „Kirchturm“ – heute Minarett –  ( aus christlicher , portugiesischer  Zeit),einen großen Buddhistischen Tempel und interessanterweise einen methodistischen indischen Tamil -Tempel. Tamilen sind die Mehrheit aller eingewanderten Inder in Malaysia, die zunächst durch die Briten dort als Plantagenarbeiter angesiedelt und später zusätzlich als ausgebildete Personen ( Händler, Lehrer, Ärzte etc. ) nachgereist sind. Tamil-Nadu ist die indische Provinz , die westlich von Malaysia  am nächsten gelegen ist.  

Neben dem Baba-Nonya- Museum befindet sich im Stadthuys ein Ethnologisches Museum, dahinter ein kleineres Gebäude mit dem Literarischen Museum und  der moderne Bau des sogenannten  Democratic Government Museums ( es zeigt die Geschichte der Unabhängigkeitsbewegung).  Aber es gibt noch viel mehr zusehen: Am Fuß des die Stadt überragenden Hügels mit der Ruine der portugiesischen Kirche findet man die Nachbildung eines typischen Sultanspalastes malaiischer Bauart aus dem 15. Jahrhundert. Aus der gebogenen Dachkonstruktion ist deutlich der architektonische Ursprung dieses Palastes zu erkennen : die Insel Sumatera ( heute zu Indonesien gehörend). Der Sultan mit seiner Familie kam von dort über die Meeres-Straße von Malakka und brachte den Islam auf die Halbinsel. Der Palast beherbergt das Budaya Museum mit einem großen Saal , wie ihn der Sultan für seine Versammlungen und Empfänge nutzte. Er ist mit lebensgroßen Nachbildungen des Sultans und seines Hofes in Original-Kleidung  ausgestattet.

Auf dem Weg unterhalb des Hügels am linken Ufer des Flusses passieren wir eine große Nachbildung eines Wasserrades , was dazu diente, das Wasser zum Gebrauch aus dem Fluss in die Stadt zu pumpen, und den Nachbau einer riesigen Kogge der Portugiesen , welches das Maritime Museum beherbergt.

Ein Blick über die Dächer von Malakka

Ein Blick über die Dächer von Malakka

Es gibt halt viel zu sehen in Malakka , das übrigens auch die Stadt der Unterzeichnung der Unabhängigkeitsurkunde 1957 ist . Vor dem , von den Briten errichteten Gebäude steht unter einem Dach geschützt, die Limousine US-amerikanischer Bauart , welche der erste Präsident Malayas ( so hieß der Staat vor dem Zusammenschluss mit Singapur  bis 1963 , nahm dann den Namen Malaysia an, den er  nach der Trennung von Singapur 1965 beibehielt ) , Tunku Abdul Rahman, damals gefahren hat. 

Vielleicht sollte auch noch erwähnt werden, dass zur Haupt -Tourismus-Saison am Abend die Stadt  farbenfroh mit fantasievoll farbig geschmückten Rikschas ( die außerdem noch Wunschmusik für die Touristen ertönen lassen) gefüllt wird , um die Touristen herumzukutschieren. Es ist eine Geschmacksfrage, wie man das bewerten kann.

Ich war dreimal in Malakka zu Besuch. Es ist nicht nur touristisch  mehr als sehenswert, bietet  Historie, Kultur und Gaumenfreuden ( mit europäischen, chinesischen, Baba-Nonya -, malaiischen und indischen Menus ) , sondern aus allen Volksgruppen auch Menschen, die man schnell zu Freunden gewinnen kann. Man wird nicht nur  als Tourist, sondern auch Gast und Freund angesehen.

Beim ersten Besuch gab es allerdings eine unangenehme Überraschung. Nach einer komfortablen Fahrt im Luxusbus durch gepflegte Landschaft rechts und links von der Autobahn von Kuala-Lumpur aus landete ich am zentralen Busbahnhof außerhalb der Stadt .   Ein kolossaler Rundbau  mit den Bussteigen rundherum und einem großen Einkaufszentrum nebenan.

 Der Bussteig zum Zentrum war auf den Zielbeschriftungen an den einzelnen Stationen nicht zu erkennen. Meine Frage ergab,   dass es der Bussteig ohne Beschriftung sei. Dort stand ein wohl mehr 20 Jahre alter , nicht gerade gepflegter Bus, den ich für einen Schrott-Abstellplatz hielt. Aber, nein, das war der Bus in die City, wie mir der vor dem Einstieg stehende  Schaffner freundlich  erläuterte. Abfahrt sei in 15 Minuten; sie war auch pünktlich, obwohl nur wenige Fahrgäste eingestiegen waren.

Bei der Ausfahrt aus dem Busbahnhof gab es eine typischen tropischen Wolkenbruch . Und es regnete nicht nur die teilweise in die halb geöffneten und nicht verschließbaren Fenster, nein , auch über das Dach gab es Rinnsale direkt auf einige Sitze. Sehr geübt und erfahren verteilte der Schaffner nun alle Fahrgäste auf die trockenen Bereiche. Da ich all mein Gepäck bei mir hatte, musste auch dafür ein freier trockener Sitz gefunden werden. Natürlich war dadurch mein erster Eindruck von Malakka getrübt, einer Stadt , die mir so viel in meinen vorbereiteten Recherchen versprochen hatte. Aber sie hat , nachdem der Wolkenbruch beendet und der Schaffner sogar dafür gesorgt hatte, dass der Bus einen Umweg über mein Hotel gefahren ist, es ganz schnell wieder wettgemacht. Und bei meinen späteren Einfahrten ein paar Jahre später durfte ich mit neuen und angenehmen Bussen vorliebnehmen.

Einmal war ich über die Weihnachtsfeiertage in Malakka. Ich hatte ein einfaches, aber gutes Hotel mit Übernachtung und Frühstück ( das übrigens im gegenüberliegenden Restaurant eingenommen wurde) gebucht. Am Abend vor dem Feiertag hat das Hotel alle Gäste zu einem umfangreichen ( und kostenlosen ) Buffet plus Getränke eingeladen. Es waren nicht alle Hotelgäste anwesend, weil sie wohl anderweitig eingeladen oder gebucht hatten, doch gerade der kleinere Kreis aus Deutschen Australiern und Einheimischen war sehr angenehm und interessant. Der Hotelpächter ( ein Nachfahre der Baba-Nonya wusste anregend von der Geschichte dieser Volksgruppe zu erzählen. Wohl einen Tag vorher hatte ich davon gesprochen, dass ich eine kleine folkloristische Radierung gekauft hätte und nun noch einen Rahmen dafür suche. Vor dem Buffet zog mich der Pächter beiseite und überreichte mir als sein Weihnachtsgeschenk einen Rahmen für mein Bildchen.

Und noch etwas Positives: für die Rückfahrt nach Kuala Lumpur muss man vorher bei einem Reisebüro die Fahrkarte lösen.  Der  Preis ist ein ganz klein wenig höher als bei der Hinfahrt, aber das kann man in Kauf nehmen.   Ich löse also mein Ticket dort und lese auf der Rückseite nicht, dass dies nur eine Bestätigung meiner Bestellung ist,  und ich  die Originalfahrkarte vor der Abfahrt noch abholen muss.   Das habe ich versäumt und muss feststellen, dass das Busunternehmen am Busbahnhof meine Originalfahrkarte sehen will, die ich nicht habe. Ich rufe das Reisebüro in der Stadt an und bitte dort, man möge doch dem Schalter am Busbahnhof erklären, dass eine Original-Fahrkarte vorliege. Leider reichte das nicht aus, und das Reisebüro schickt ( kostenlos) einen Boten, der noch rechtzeitig das Ticket bringt. Ein besonderer und lobenswerter Service, denke ich.

Und ein weiterer Beweis für die Gastfreundschaft der  Menschen in Malakka.  

Jörn Teuber

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.