Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen

Der Deutsche Reise Verband (DRV) hat einen Fragenkatalog zum Thema „Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen“ herausgegeben. Wir fassen die  Antworten zu den häufig gestellten Fragen für Sie zusammen.

Im Zuge des Concordia Unglücks steht die Frage im Raum, ob und wie sicher Kreuzfahrtschiffe wirklich sind. Tatsächlich ist das Sicherheitsniveau sehr hoch und wird durch moderne Techniken und stetig verbesserte Prozesse und Verfahren ständig erhöht. Das Alter und die Größe eines Schiffes sind für die Sicherheit nicht ausschlaggebend, denn alle Kreuzfahrtschiffe werden nach gleichen Standards und Vorschriften gewartet und betrieben. Verantwortlich für die Sicherheit eines Schiffes und seiner Besatzung ist der Eigner bzw. Betreiber des Schiffes.

Neubauten und auch im Betrieb befindliche Schiffe werden von einer Klassifizierungsgesellschaft überprüft, wodurch ein genaues Bild über den Zustand des Schiffes entsteht. Die einzuhaltenden Standards sind durch internationale Vorschriften geregelt. Ob die Bestimmungen eingehalten werden, prüft der Flaggenstaat (Staat, unter dessen Flagge das jeweilige Schiff fährt) oder eine in seinem Auftrag arbeitende anerkannte Organisation.
Der Wettbewerb zwischen den Kreuzfahrtanbietern geht nicht zu Lasten der Sicherheit, denn die Sicherheitsvorkehrungen sind für alle Branchenteilnehmer zwingend vorgeschrieben und werden regelmäßig überprüft.
Die maritimen Standards der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) sind einheitlich und miteinander vergleichbar. Die weltweit besten Experten arbeiten eng zusammen an den Standards.

Allgemeine Sicherheitsvorschriften auf Kreuzfahrtschiffen

Die IMO gibt globale Standards für die Sicherheit und den Betrieb von Kreuzfahrtschiffen vor. Das sog. SOLAS Abkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See ist das wichtigste Abkommen. Es enthält umfassende Vorgaben zur Verteilung der Pflichten des Kreuzfahrtunternehmens und zu allen sicherheitsrelevanten Funktionen, Standards und Abläufen an Bord der Schiffe. Der Flaggenstaat des jeweiligen Schiffes ist zuständig für die Umsetzung der SOLAS Vorschriften. Auch die Hafenstaaten, die das Schiff anläuft, können dafür sorgen, dass die Anforderungen eingehalten werden. Im Rahmen der Hafenkontrollprogramme der EU wird der tatsächliche Zustand des Schiffes überprüft und mit vorhandenen Zertifikaten abgeglichen. Die Daten des Schiffes und das Untersuchungsergebnis werden in einer zentralen Datenbank in Lissabon gespeichert.
Das SOLAS Abkommen gibt auch vor, dass Neubauten nach kleineren Unfällen bis zu einem bestimmten Schweregrad  der Beschädigung noch sicher einen Hafen anlaufen können.
Zusätzlich zu SOLAS wurde nach dem 11. September 2001 der ISPS Code verabschiedet. Er enthält eine umfassende Zusammenstellung von Sicherheitsvorschriften für Schiffe und Hafenanlagen.
Kreuzfahrtunternehmen entwickeln häufig auch zusätzliche Vorschriften über das geltende Recht hinaus. Besonders bei einem Unglücksfall in der Branche werden Schlussfolgerungen aus den Ereignissen gezogen und für weitere Verbesserungen der Sicherheit genutzt.


Schulung der Besatzung

Der Kapitän muss die Entscheidung treffen, ob und welcher Notfallplan umzusetzen ist. Kann der Kapitän nicht mehr entscheiden, ist der Erste Offizier verantwortlich.
Die Besatzung muss für die Erfüllung der Aufgaben im Rahmen einer Sicherheitsübung geschult werden. Je nach zugeteiltem Arbeitsbereich werden neu an Bord kommende Crewmitglieder in ihre Aufgaben eingewiesen und mit dem Schiff und den Prozeduren bekannt gemacht.

Sicherheit auf der Brücke

Alle modernen Kreuzfahrtschiffe müssen mit elektronischen Navigationsgeräten ausgerüstet werden, die die Steuerung des Schiffs unterstützen. Die Minimalanforderungen lt. SOLAS werden von den meisten Kreuzfahrtschiffen weit überschritten.

Der Kurs wird über eine elektronische Seekarte abgesteckt und die aktuelle Position per GPS ermittelt. Ein integriertes Navigationssystem koordiniert die Kommunikation beider Geräte untereinander, der Routenverlauf kann so online verfolgt werden. Die Einführung dieses System, genannt ECDIS, wird am 01.07.2012 verpflichtend und soll bis spätestens 2019 abgeschlossen sein. Bei Unterwasserhindernissen warnt ECDIS und alarmiert auch bei der Routenplanung in Bezug auf den Tiefgang.
Für den Fall, dass die elektronische Seekarte ausfällt, sind stets aktuelle und gedruckte Seekarten mitzuführen.

Evakuierung eines Kreuzfahrtschiffes

Die Evakuierung in einer Notsituation ist mit Risiken für Passagiere und Besatzung verbunden und wird nur in besonderen Gefahrensituationen eingeleitet. Der Besatzung und den Passagieren wird die Evakuierung über Notsignale und Lautsprecherdurchsagen mitgeteilt.
Das SOLAS Abkommen sieht vor, dass alle Passagiere innerhalb von 24 Stunden nach Ablegen des Schiffes an der Sicherheitsübung teilnehmen müssen. Sie werden mit dem Gebrauch der Schwimmwesten und den notwendigen Verfahren zum Verlassen eines Schiffes vertraut gemacht.

Die Besatzung ist mit der Aktivierung der Rettungsmaßnahmen betraut und koordiniert die Rettungsmaßnahmen an Deck. Küchen-, Hotel- und Kabinenpersonal hilft bei der Einweisung der Passagiere auf dem Weg zu den Notsammelpunkten.

Innerhalb von 30 Minuten nach dem Evakuierungssignal des Kapitäns müssen lt. SOLAS Abkommen die Rettungsboote Passagiere aufnehmen und zu Wasser gelassen werden. In weniger als 80 Minuten sollte das Kreuzfahrtschiff vollständig evakuiert sein. Das gilt für kleine wie auch für große Kreuzfahrtschiffe.

Für jeden Passagier gibt es eine Schwimmweste und einen Platz in einem der Rettungsboote. Das zugeteilte Rettungsboot richtet sich nach der Lage der Kabine des Passagiers, die Besatzung leitet den Passagier gezielt zum richtigen Rettungsboot und prüft, ob alle dem Rettungsboot zugewiesenen Passagiere an Bord sind. Die Reihenfolge, wer zuerst aufgenommen wird, ist nicht vorgeschrieben.
Die Sprache, die während eines Notfalls gesprochen wird, ist Englisch, zusätzlich die jeweilige Bordsprache bzw. die Sprache, die von der Mehrzahl der Gäste an Bord verstanden wird.

Kreuzfahrt wird eine der sichersten Reisearten bleiben

Kreuzfahrten sind eine der sichersten Reiseformen mit international geltenden und umfassenden Standards. Wie auch im Luftverkehr werden aus den seltenen Schiffsunglücken Lernerfahrungen gezogen und in verbesserten Sicherheitsvorkehrungen und Risikominimierungen umgesetzt. Eine Entscheidung für eine Kreuzfahrt ist somit eine der sichersten Urlaubsentscheidungen.

Anmerkung: Der von uns zusammengefasste Fragen und Antwortkatalog basiert auf Dokumenten und Anmerkung des European Cruise Council (EEC), der Cruise Line International Association (CLIA), Herrn Dr. Olaf Mager vom Germanischen Lloyd sowie Herrn Prof. Dr. Sander Limant vom Institut für Nautik und Maritime Technologie der Fachhochschule Flensburg.

Royal Caribbean hat kurz nach dem Costa Concordia Unglück ein Video zum Thema Sicherheit veröffentlicht:

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