Ausflug nach Sibirien

Einmal im Leben die Grenze Europa-Asien überqueren, am Roten Platz in Moskau stehen, Begegnungen mit der Natur suchen, Gastfreundschaft sowie persönliche Atmosphäre und Geschichte pur erleben und immer wieder Weite erfahren. Thomas Herden begleitete mit seinem BMW-GS-Gespann den Ostspezialisten Jürgen Grieschat.Mottouren

Rechtzeitig vor der verabredeten Zeit sind wir am Treffpunkt. Dann kommt eine Harley angedonnert. Der Fahrer stoppt und stürmt auf mich zu. Die Begrüßung ist herzlich. Juri, den ich vor drei Jahren kennen gelernt hatte, ist selbst gekommen, heute, am Sonntag. Er wird uns seinen „Laden“ zeigen. Darin beherbergt ist eine der bedeutendsten Ikonenmalereien Russland. Juri ist der Direktor des Unternehmens. Und ein begeisterter Motorradfahrer.MottourenEin paar Minuten Fahrzeit und wir fahren vor ein eher unscheinbares Gebäude. Wir erhalten nicht nur eine „Spezialführung“, sondern auch Antworten auf jede Frage. Etwa 250 Mitarbeiter, überwiegend Frauen, fertigen hier im Akkord Ikonen für den extrem großen Bedarf der orthodoxen Kirchen in Russland und in den Nachbarländern. Jede Malerin führt sehr spezialisierte Arbeiten aus. So ist gewährleistet, dass die Arbeiten das gleiche, hohe Niveau Ausflug nach Sibirien haben. Regelmäßige Schulungen an Hand alter Abbildungen und Kataloge der Museen sorgen dafür, dass der Stil der Ikonen erhalten bleibt, denn Ausdruck und Haltung sowie Farben jedes Heiligen sind seit Jahrhunderten festgelegt und dürfen nicht verändert werden. Nach der Führung sind zum Abschied noch ein paar Kollegen des örtlichen Motorradclubs gekommen und geleiten uns einige Kilometer aus der Stadt hinaus. Unsere Vorderräder zeigen in Richtung Ural. Wir sind wieder mit der Fähre nach Russland eingereist, von Lübeck entspannt über die Ostsee, direkt nach St. Petersburg. Obwohl mit uns nur wenige Privatreisende die Fähre verließen, dauert das Einreiseprozedere an der Grenze wieder Stunden. Es nutzte wenig, dass mich der Leiter der Zollstation wiedererkannt und sogar freudig begrüßt hatte. Die Abwicklung der Formalitäten müssen die Zöllner hier in einem frühen Stadium von deutscher Bürokratie gelernt haben. Endlich geht es zum Hafenausgangstor. „Den rosa Zettel bitte.“ Dann sind wir durch und starten gleich zu einer Stadtrundfahrt. Verschwitzt sind wir eh schon. Es ist Sommer in St. Petersburg, etwa 30 Grad im Schatten! An den Verkehr müssen wir uns erst noch gewöhnen. Also eng zusammenbleiben, bei Spurwechsel darauf achten, wo die anderen sind. Obwohl aus unserer Sicht der Verkehr chaotisch erscheint, mit teilweise sehr individueller Auslegung der Verkehrsregeln, werden wir als Gruppe geradezu zuvorkommend behandelt. Immer wieder sehen wir Daumen nach oben, das Victory-Zeichen oder es werden uns aus den geöffneten Fenstern freundliche Worte zugerufen – auf Russisch und auf Deutsch. Isaak-Kathedrale, der Schlossplatz vor der Eremitage, die Rastralsäulen an der New und das Panzershiff Aurora. Dann geht es entlang der Newa nach Osten. Wir können die Stadtteile am anderen Ufer sehen, denn der Verkehr staut sich immer wieder. Gegenüber des Hotels Moskwa stoppen wir erneut.

Die Zarenglocke im Kreml in Moskau ist mit 200 Tonnen noch heute weltweit die größte Glocke

Die Zarenglocke im Kreml in Moskau ist mit 200 Tonnen noch heute weltweit die größte Glocke

Während die anderen mit Reinhard einen Rundgang über der Friedhof des Alexander-Newski-Klosters machen, ziehe ich am Bankautomaten Geld und komme zur allgemeinen Freude mit einigen Gebinden Wasser und Kwass – „ach, das ist die russische Cola?!“ – wieder, und muss die Mitreisenden aus der Traube der Neugierigen lösen.

„Eine Moto Guzzi habe ich ja noch nie gesehen!

„So ein Gespann habe ich auf meiner Dascha auch, eine Ural!“

„Ach, das ist eine neue BMW?“

„Wie viel Kubik hat die denn und wie viel fasst der Tank?“

„Gute Reise!“

Tanken in Russland ist immer wieder ein Erlebnis. Aber die Benzinversorgung ist gewährleistet

Tanken in Russland ist immer wieder ein Erlebnis. Aber die Benzinversorgung ist gewährleistet

Entlang der Newa schlängeln wir uns nach Schlüsselburg am Austritt der Newa aus dem Ladogasee, dem größten See in Europa. Unter der Autobahnbrücke befindet sich ein sehr interessantes Museum, das in einem Diorama das Ende der Belagerung von Leningrad durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zeigt. Die ältere Dame, die uns die Geschichte dazu erzählt, spricht interessanterweise immer nur von „Faschisten“ und nicht von „Deutschen“. Sie pfeift uns zurück, als wir im Zuschauerraum eine Stufe zu tief hinuntergehen wollen.

Im Kreml in kasan, der Hauptstadt der tatarischen Republik, steht die größte Moschee Russlands

Im Kreml in kasan, der Hauptstadt der tatarischen Republik, steht die größte Moschee Russlands

Parallel zur M10 fahren wir auf kleineren Straßen Richtung Nowgorod, die alten Handels- und Hansestadt. Wir werfen einen Blick vom Handelshof über den Wolchow auf den Kreml mit seinen beeindruckenden Gebäuden. Ein letztes Bier in einem Gartenlokal. Auch die gibt es hier inzwischen. Und dann ist Schicht für heute. Am nächsten Tag erleben wir das Kontrastprogramm: Wir verbringen den zweiten Teil des Tages und die Nacht auf der Datscha meines Freundes Gisbert, der seit über 25 Jahre als Korrespondent in Russland lebt. Er ist es auch, der uns das russische Leben auf einer Datscha auf dem Lande und einer Stadtwohnung in Moskau näher bringt. Es ist ein unglaublich intensiver Abend in diesem bedeutsamen Naturschutzgebiet nördlich von Moskau, in dem auch Putin seine Datscha hat.

Auf dem „Goldenen Ring“

Unser Weg führt uns um Moskau herum zur Klosterstadt Sergejew Possad. Zwiebeltürme, Zwiebeltürme, Zwiebeltürme! Das ehemalige Tanken in Russland ist immer wieder ein Erlebnis. Aber die Benzinversorgung ist gewährleistet. Im Kreml in Kasan, der Hauptstadt der tatarischen Republik, steht die größte Moschee Russlands.

Kreativität ist angesagt: Bei diesem Bus aus Usbekistan ist der Motor defekt. Und nun?

Kreativität ist angesagt: Bei diesem Bus aus Usbekistan ist der Motor defekt. Und nun?

Sagorsk ist eines der wichtigsten religiösen Zentren Russlands, ein bedeutender Wallfahrtsort für orthodoxe Christen und das Ausflugsziel für Touristen im Moskauer Umland schlechthin. Bei der Ausfahrt aus der Stadt erwischt es uns doch. Wir hatten gehofft, noch vor dem Wolkenbruch des Sommergewitters davon zu kommen, vergeblich. Aber nach kurzer Zeit ist alles vorbei, wir können die Regenklamotten wieder ausziehen und schwenken in östliche Richtung nach Susdal ab. Viele Holzhäuschen prägen das Bild der kleinen Stadt. Susdal, das gern als „Hauptstadt des Goldenen Rings“ bezeichnet wird, steht unter Denkmalschutz und seit 1992 auch auf der Welterbeliste der UNESCO. Hier ist einfach alles sehenswert: Der Kreml, der Marktplatz, das Freilichtmuseum für Holzarchitektur, die Klöster und die traditionellen Holzhäuser der Susdaler. Meiner Ansicht nach ist es hier mindestens ebenso schön wie in Sergejew Possad, nur weniger überlaufen. Eigentlich, denn durch das Stadtfest kommen wir nur auf Schleichwegen zum Hotelparkplatz. Die lokale Polizei will uns nicht in die gesperrte Stadt lassen.

Höhepunkt der Reise in diesem Teil des „Goldenen Rings“, der einen Kreis von 300 Kilometer um Moskau schlägt, ist der anfangs beschriebene Besuch der Ikonenmalerei in Palech. Über Nishni Nowgorod und das wirklich sehenswerte Kasan, Hauptstadt der Republik Tatarstan, fahren wir weiter ostwärts. In Ishewsk, der Hauptstadt der benachbarten Republik Udmurtien, wollen wir das neu eröffnete KalaschnikowMuseums besuchen. Es wird aber kurz vor unserer Nase wegen des Besuches einer wichtigeren Delegation für den Publikumsverkehr geschlossen. Hier, im NordUral, befand sich im Zweiten Weltkrieg das Zentrum des Handfeuerwaffenbaus. Auf der Weiterfahrt lernen wir eine sehr düstere Seite der Stalin-Zeit kennen: das Straflager „Perm 36“. Als letzter aktiver GuLag wurde es noch bis unter Gorbatschow als Lager für politisch unliebsame Mitbürger genutzt und wird nun auf Initiative der ehemaligen Insassen als Museum betrieben. Der Leiter des Museums freut sich sehr über unser Interesse. Unsere Gruppe führt er persönlich!

Für den Beiwagen ist der Besuch im Ural-Werk in Irbit ein Heimatbesuch

Für den Beiwagen ist der Besuch im Ural-Werk in Irbit ein Heimatbesuch

Jenseits des Ural

Mag es an diesen ergreifenden Eindrücken liegen, dass auf der Weiterfahrt einige Mitfahrer die Grenze Europa-Asien und das dazugehörige Denkmal am Straßenrand fast übersehen? Aber es ist für alle ein beeindruckender Moment, hier zu stehen und sich fotografieren zu lassen. Ein paar Stunden später erreichen wir Bingi, ein kleines Dorf in Sibirien. Dort erwarten uns mein Freund Stefan Semken aus Bremen und seine russische Frau Olga. Sein Motto lautet: „Russland ist ein wenig anders“. Um das zu verdeutlichen und erlebbar zu machen, ermöglicht er seinen Gästen in einem russischen Dorf in einem renovierten russischen Blockhaus ein paar Tage zu leben. Im Sommer stellt er Jurten in seinem gepflegten Garten auf. In den Gesprächen mit Stefan, dem intimen Russlandkenner, den Dorfbewohnern oder dem Popen können Mitreisende authentische Informationen über das Leben in einem typischen sibirischen Dorf erhalten. Gemeinsam erkunden wir die nähere Umgebung dieser Region östlich des Ural. Wir besuchen unweit von Jekaterinburg Ganina Jama. Das ist der Ort, an dem die Zarenfamilie verscharrt wurde, nachdem sie in der Nacht zum 17. Juli 1918 umgebracht worden war. Heute ist Ganina Jama mit seinen Kirchen und der neuen Anlage einer der bedeutendsten Wallfahrtorte Russlands.

Wodka ist allgegenwärtig und gehört zu Russland wie zu Bayern das Bier

Wodka ist allgegenwärtig und gehört zu Russland wie zu Bayern das Bier

Ein weiterer Ausflug führt uns in das 220 Kilometer entfernte Irbit. Dort besuchen wir das Ural-Museum. Als Gastgeschenk überreiche ich dem Direktor des Museums, Alexander Bulanow, einen gut erhaltenen BMW-Helm, den mir mein Freund Dieter mitgegeben hatte. Alexander ist zu Sowjetzeiten Moto-Cross-Meister gewesen und hat zwei Eintragungen im Guinnessbuch der Rekorde: einmal für eine Fahrt mit dem Motorradgespann, 24 Stunden mit dem Beiwagen in der Luft, und weil er als Teilnehmer einer Fahrt mit einem Uralgespann über 23.000 Kilometer non-Stopp unterwegs war. Er interessiert sich sehr für unsere Motorräder, besonders für die behindertengerechte Konstruktion von Thomas Herdens BMW 1200 GS mit seinem Uralbeiwagen (Vorstellung in BMW-Gespanne 2014) und für meine neue 12er GS Adventure, der ersten „wassergekühlten“, die je in Sibirien war. Anschließend treffen wir Sergej, den Touristikmanager von Irbit, und die charmante Marina zu einer Führung durch das Ural-Motorradwerk. Vier Tage bleiben wir in Bingi und erleben ein authentisches Russland, ohne fließendes Wasser, ohne Kneipe oder anderen Annehmlichkeiten der „Zivilisation“. Gegensätzlicher könnte dieser Aufenthalt zu den meisten vorangegangenen und noch folgenden Unterkünften, teilweise in Millionenstädten, nicht sein. Dann müssen wir uns leider verabschieden und fahren im Ural südwärts durch eine hügelige Landschaft mit kurvenreicher, schöner Strecke. Umso mehr sind wir schockiert, als wir uns der Kupferbergbaustadt Karabash nähern. Der Boden ist durchwühlt, tote Bäume überall, Abraumhalden, kupferrote Schwemmflächen, die Bäche rostbraun, schaumig, es stinkt. Und die Straße ist hier schlechter als anderswo. Was hat man aus dieser Landschaft gemacht? Was für eine Lebensqualität für die Menschen, die hier leben? Bloß weg!

Von Mütterchen Wolga zu Olga – nein, in die Zentrale der Macht

Über Zlatousk kommen wir wieder zurück nach Europa, fahren nach Ufa und Samara, gelangen wieder an die Wolga und besuchen um die Städte Marx und Engels die alten Siedlungsgebiete der Russlanddeutschen. Schließlich queren wir auf unserem Weg nach Moskau die weiten Ebenen um Tambow und Kolomna. Dann erreichen wir Moskau. Wir haben es geschafft – 8.000 Kilometer ohne Panne oder einen Unfall! Auf dem Weg zum Hotel machen wir noch eine Stadtrundfahrt durch die russische Hauptstadt. Dabei durchfahren wir Straßen und Plätze, die wir am nächsten Tag während unserer Stadtrundfahrt mit der Metro nicht erreichen werden.

Dieses fotogene Monument steht am Übergang von Europa nach Asien im Ural. Ein Halt ist hier Pflicht

Dieses fotogene Monument steht am Übergang von Europa nach Asien im Ural. Ein Halt ist hier Pflicht

Natürlich gönnen wir uns einen Stopp am Roten Platz vor der Basilius-Kathedrale und dem Kreml, so lange, bis ein Polizist uns mit dem Hinweis „das ist hier kein Parkplatz“ unmissverständlich zur Weiterfahrt nötigt. Borodino, der Ort der Schlacht gegen Napoleon, Smolensk und Katyn, dessen Name vor allem durch im Frühjahr 1940 verübte Massaker von Katyn bekannt geworden ist, bei dem auf Weisung Stalins Einheiten des sowjetischen Innenministeriums NKWD mehrere tausend polnische Offiziere ermordeten. Die sowjetische Propaganda hatte auch noch in der Nachkriegszeit die Täterschaft geleugnet und stattdessen das deutsche Militär als Täter beschuldigt. Unweit von der heutigen Gedenkstätte starben am 10. April 2010 bei einem Flugzeugabsturz mehrere hochrangige polnische Würdenträger, unter ihnen der amtierende Präsident Lech Kaczyński.

Russland ade! Die Grenze nach Lettland queren wir so zügig und so freundlich, dass ich schon an eine Veranstaltung der „versteckten Kamera“ glaube. Dafür dauert es bei der Einreise nach Lettland umso länger. Unsere nächsten Ziele sind Rĕzekne, Siauliai mit dem „Berg der Kreuze“, dann Klaipeda an der Memel. Schließlich noch eine entspannte Seefahrt über die Ostsee mit einer DFDS -Fähre nach Kiel. Gute Gelegenheit, noch lange zusammen zu sitzen, um all die Eindrücke zu verarbeiten.

Über den Autor: Jürgen Grieschat

Als Kopf und Motor des MOTTOUREN-Teams organisiert und begleitet Jürgen Grieschat Motorradtouren seit 1992. Er ist Experte für Osteuropa und Russland. 1992 fuhr er als erster mit einem BMW-Motorrad quer durch Sibirien nach Japan. Seine wiederholten Motorradtouren nach und in Russland haben ihm seinen zweiten Vornamen „Juri“ eingebracht. Viele seiner Reisen hat er in professionellen Bilderschauen und Vorträgen festgehalten. Auch in diesem Jahr ist er mit einer Motorradtour wieder nach Sibirien unterwegs, dieses Mal zum Baikalsee. Infos dazu und über weitere ungewöhnliche Reisen auf der MOTTOUREN -Webseite www.mottouren.de.

Halbe und ganze Wahrheiten – Reisen in Russland

Erste Sanktionsmaßnahmen im Konflikt mit der Ukraine werden sichtbar. Tankstellen im Ural ist das Benzin und das Wasser abgegraben! So oder ähnlich könnte ein Bild in der aktuellen Situation überschrieben sein. Was für ein Quatsch, werden hier doch ganz profan Umbaumaßnahmen durchgeführt. Wenn im Rahmen der gegenwärtigen Lage keine polnischen Äpfel mehr nach Russland exportiert werden dürfen, so ist das traurig für Polen, aber das lokale Apfelangebot in Russland an den Straßen ist riesig. Wenn keine holländischen Schweinehälften mehr nach Russland dürfen, dann hat das fatale Folgen für das russische Gesundheitssystem. Nun müssen also mehr eigene Antibiotika und stressabbauende Medikamente direkt an die Bevölkerung ausgegeben werden. Von all dem, was in der großen Weltpolitik passiert, merken wir vor Ort wenig. Im Gegenteil, wir treffen immer wieder auf freundliche Menschen, die sehr an uns und unserem Land interessiert sind. Immer wieder werden wir auf die eigentlich guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland angesprochen. Ständig winken uns Menschen an der Straße zu – nicht nur Kinder. Autofahrer passieren uns hupend in beiden Richtungen, winken aus überholenden Autos, haben den Daumen hochgereckt. Selbst bei kurzen Stopps nutzen viele die Gelegenheit, um sich mit uns und unseren Motorrädern fotografieren zu lassen, die Braut ebenso wie die Frauen, die aus dem „Kafe“ heraus geeilt kommen.131

Putz und Flickstunde

Auf Russlands Straßen unterwegs zu sein, zumal mit dem Motorrad, ist schon ein Erlebnis. Der Straßenzustand ist sehr unterschiedlich. Teilweise hat man den Eindruck auf einer Formel 1-Rennstrecke unterwegs zu sein. Dann gibt es mit Schlaglöchern übersäten Pisten, die Trainingsgebiet für das Slalomfahren sind. Und dazwischen wird selbst auf den großen Magistralen im fließenden Verkehr neu gebaut, Teer versprüht und repariert. Ein Unterbodenschutz ist garantiert. Wir erleben kilometerlange Staus, sehr geduldige Auto- und vor allem Lastwagenfahrer, aber auch Fahrer, die jede Lücke ausnutzen, um voranzukommen. Dabei wird auch schon mal eine neue Spur auf dem nebenliegenden Acker angelegt oder selbst auf der Schotterstandspur noch eine weitere Spur aufgemacht. Selbst in Moskau mit Straßen von jeweils acht Spuren pro Richtung mit Sonderspur für die ganz Wichtigen, wird gedrängelt und zum Teil mit erheblicher Geschwindigkeit überholt. Aber insgesamt hat die große Polizeipräsenz, der Einsatz von Überwachungskameras auch auf freien Strecken und insbesondere vor Fußgängerüberwegen dafür gesorgt, dass die Verkehrsdisziplin in den letzten Jahren deutlich besser geworden ist. Wohl dem, der bis hierher mit allen Sinnen die Reise aufgenommen hat: die unendliche Weite des Landes, die scheinbare Rückständigkeit in den ländlichen Gebieten, die langen Transportwege, das extreme Klima und die unterschiedlichen Straßenzustände. Wer meint, in Moskau gewesen zu sein und deswegen glaubt, Russland zu kennen, wird nach solch einer Reise eines besseren belehrt. Nein, Moskau ist nicht Russland! Wir haben die Sehenswürdigkeiten dieser 12-Millionen-Stadt gesehen, haben den prunkvollen Kreml, die Metro, einige der zahlreichen Klöster und Kirchen besichtigt. Aber was sagt das über ein Land aus, das 50 mal größer als Deutschland ist und von dem wir nur etwa die Hälfte auf einem schmalen Band durchreist haben? Auch weil wir mit Borodino, Smolensk und Katyn weitere historisch wichtige Orte Russlands besuchten, so sehen die Teilnehmer dieser Reise Russland mit anderen Augen. Wie viele, die wiederholt in diesem eindrucksvollen Land waren, werde auch ich den „Virus Russland“ nicht los. Vielleicht treffen wir uns irgendwo, warum nicht in Russland?

Literatur-Tipps

Es gibt nicht wirklich viele empfehlenswerte Bücher zum Einlesen: Empfehlenswert für Motorradfahrer ist das nicht mehr ganz taufrische Buch Kurs Ost von Andreas Hülsmann Mit dem Motorrad durch den Hinterhof der ehemaligen Sowjetunion,. Hrsg.: Touratech AG Niedereschach, 1. Auflage 2008, 162 Seiten, Format 28,4 x 21,5 cm, zu bestellen im TOURATECHWebshop: Bestellnummer 01-090-0280-0, Preis: 24,90 EUR15

Ebenfalls älteren Datums aber immer noch lesenswert gewährt die Serie von Klaus Bednarz einen tiefen Einblick in die russische Seele: Klaus Bednarz * Die Ballade vom Baikalsee,1998 * Östlich der Sonne – Vom Baikalsee nach Alaska * Vom Baikal nach Alaska Rowohlt, 2003, 268 Seiten, SBN 978-3-498-00636-5

Bei den Reiseführern gefallen mir:

Knop, Doris, Transsib, Reiseführer. ISBN: 978-3-8317 -2357-7, Seiten: 408, Auflage: 5., neu bearbeitete und komplett aktualisierte Auflage 2013

Brammerloh, Susanne Deeg, Lothar KulturSchock Russland, ISBN: 978-3-8317-1031-7, Seiten: 312, Auflage: 8., neu bearbeitete und komplett aktualisierte Auflage 2015

Und dann wären da noch erwähnenswert:

Sibirische Tagebuch, Gerd Ruge, Berlin Verlag, 1999

In den Wäldern Sibiriens, Sylvain Tesson, Knaus Verlag, 2011

Mein Russland, Peter Ustinov, Wilhelm Heyne Verlag 1983

4 Gedanken zu “Ausflug nach Sibirien

  1. Jörn

    Moin Jürgen, Euch allen eine gute Fahrt und viel Spaß und lasst Euch die Soljanka schmecken :-).
    Take Care
    Jörn

    Antworten
  2. Walter.behrens

    Hallo Jürgen,
    Was macht Walter denn schon wieder!!!
    Liebe Grüße denke oft an die Tour zum Baikalsee.
    Ich habe 200 000 km Weltreisen mit dem Motorad gemacht,nun aber leider nicht mehr
    Auf Achse .grüsse an alle.
    Von Walter El Aventurero

    Antworten
  3. Josef Leitl

    Hallo ,

    Spiele ernsthaft mit dem Gedanken 2017 die Tour nach Rußland ( Sibirien ) mit Jürgen zustarten.

    Suche Mitfahrer aus dem Raum Niederbayern

    wegen evtl. gemeinsame Anreise und Vorplanung, zu dieser Tour,

    fahre z.Z BMW R 1200 GS LC , bin Ü 60 Jährige fahrleistung ca. 15 “ Km

    DANKE für Rückantwort mfg Josef

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