Island – die zauberhafte Insel unter dem Polarkreis

Hotpot beim Gästehaus Heydalur in den Westfjorden

Hotpot

Auf ihren Reisen nach Island im Mai 2010 und 2011 erkundete Susanne Friederike Semerák aus dem Globetrotter Reisebüro in Hamburg-Barmbek die vielfältige Halbinsel Snæfellsnes, die einsamen Westfjorde und die grandiose Nordküste Islands und berichtet von ein paar echten Geheimtipps.

Die Anreise nach Island ist z. B. mit Icelandair oder Lufthansa ab/bis Hamburg möglich, von Juni bis August gibt es mehrmals wöchentlich Direktflüge, in der Nebensaison geht der Flug über Kopenhagen.
Die vorgestellte Reiseroute ist mit einem Jeep (Suzuki Jimny, Suzuki Grand Vitara) aber auch mit einem normalen PKW (VW Golf, Toyota Auris, Skoda Octavia) durchführbar.

Die Halbinsel Snæfellsnes – Steilküsten, Strände, Gletscher und fermentierter Haifisch

Unsere Reise beginnt auf dem Pferdehof Lýshóll an der Südküste von Snæfellsnes. Das Ehepaar Jóhanna Ásgeirsdóttir and Agnar Gestsson betreibt dieses Familienunternehmen. Im Sommer werden hier Unterbringung in drei niedlichen kleinen Ferienhäusern oder im großen Ferienhaus mit Doppel- oder Einzelzimmern sowie kleine Ausritte an den Strand oder mehrtägige Reittouren entlang der Küste angeboten.
Da wir in der Vorsaison Ende Mai eintreffen, können wir das große Ferienhaus, das eigentlich bis zu zehn Gäste beherbergen kann, ganz alleine bewohnen. Der Ausblick vom Wohnzimmer durch die fast komplett verglaste Front ist atemberaubend – weit und breit kein anderes Haus, nur Wiesen, Berge und der Himmel, der in Island immer viel größer und weiter als anderswo erscheint.

Nach einer erholsamen ersten Nacht regnet es am nächsten Morgen. Als wir nach einem gemütlichen Frühstück hinüber zum Reitstall schlendern, hat der Regen aber schon wieder aufgehört und wenig später klart der Himmel auf und die Sonne kommt hervor. Ich hätte es besser wissen sollen: in Island ändert sich das Wetter schneller als man sich darüber beschweren kann!
Wir unternehmen einen kleinen Ausritt Richtung Küste über grasbewachsene Wege. Das Zusammenspiel aus Wolken und Sonne taucht das Bergpanorama hinter uns in interessante Schattierungen. Am Strand staunen wir, wie trittsicher die Pferde über den Untergrund aus rundgeschliffenen Steinen laufen, bis wir den Sandstrand erreicht haben. Beim Ritt durch die Brandung spritzt uns das salzige Meerwasser entgegen – mit Blick auf den Ozean setzt ein Gefühl von unendlicher Freiheit ein!

Ausritt am Strand von Snæfellsnes

Ausritt am Strand von Snæfellsnes

Zurück auf Lýsuholl wechseln wir unsere Kleidung und planen unsere Unternehmungen für den Nachmittag. Jóhanna markiert verschiedene Ausflugsziele auf der Karte und hat zu jeder Sehenswürdigkeit eine kleine Saga zu erzählen, z.B. soll man in der Höhle Songhellir, wo man das Echo seiner eigenen Stimme extrem stark widerhallen hört, ein Lied singen, möglichst komplett von Anfang bis Ende – dann bringt der Besuch in der Höhle Glück. Die Wanderung von Arnarstapi nach Hellnar entlang der Steilküste mit Einkehr im kleinen Kaffihús Fjörukranin ist das Highlight unseres Nachmittags.

Am nächsten Tag geht es an die Nordküste von Snæfellsnes. Auf dem Weg dorthin sollten Sie einen Abstecher zum Bauernhof Bjarnarhöfn machen, wo der alte Hildibrandur jedem Gast mit Begeisterung sein Haifischmuseum zeigt und anschließend seine Spezialität Hákarl, fermentierten Haifisch, anbietet. Ich muss ehrlich sagen: etwas Exotischeres habe ich selten probiert und dieses Stück gesalzenen Haifisch kann ich nur mit einem Schluck Brennivín (isländischer Schnaps) hinunterspülen!

Im Hafenstädtchen Stykkishólmur gibt es einige interessante Museen zu besichtigen: das Heimatmuseum, das sich im ältesten Haus des Ortes Norska Húsið befindet und das von der amerikanischen Künstlerin Roni Horn gegründete Wassermuseum, wo Säulen mit dem Wasser aus allen wichtigen Gletschern Islands und Erklärungen dazu aufgestellt sind.

Im Sommer legt in Stykkishólmur zweimal täglich die Fähre Baldur ab und fährt über den Breiðafjord nach Brjánslækur in die Westfjorde. Von Brjánslækur sind es noch ca. 80 km bis zu Europas größtem Vogelfelsen Látrabjarg und dort in der Nähe steuern wir unsere nächste Unterkunft an, das Hotel Látrabjarg.

Fjorde, Steilklippen und Papageientaucher – die Westfjorde

Die Westfjorde (Vestfirðir) umfassen etwa 10 % der Fläche Islands, allerdings rund 30 % der Küstenlinie. Sie sind tief zerfurcht von Fjorden und Buchten und ragen wie die Finger einer Hand ins Meer. Die Westfjorde sind mit dem Rest der Insel nur durch eine schmale Landbrücke verbunden und abgesehen vom Hochland die einsamste Region Islands.

Papageientaucher am Vogelfelsen Latrabjarg

Papageientaucher am Vogelfelsen Latrabjarg

Ein Tag am Vogelfelsen Látrabjarg ist auch für Nicht-Ornithologen eine wahre Freude. An der 14 km langen und bis zu 450 m hohen Steilklippe können Sie in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juli die lustigen Papageitaucher aus nächster Nähe beobachten. Darüber hinaus treffen Sie u. a. Küstenseeschwalben und Dickschnabellummen an. Trotz aller Euphorie und dem Gedanken an möglichst schöne Nahaufnahmen der Vögel sollten Sie sehr vorsichtig an der Steilklippe sein! Die Abbruchkante könnte von den Vögeln mit Höhlen untergraben sein und plötzlich leichter nachgeben als man vermutet.

Wasserfall Dynjandi

Wasserfall Dynjandi

Am nächsten Tag geht die Fahrt weiter Richtung Norden. Auf etwa halber Strecke machen wir unsere Mittagspause am größten Wasserfall der Westfjorde – der breit aufgefächert am Berghang in die Tiefe stürzende Dynjandi bildet mit seinen fünf kleineren Wasserfällen unterhalb eine fantastische Kulisse und die Umgebung lädt zum Herumwandern und Klettern ein.

Gegen Abend erreichen wir Ísafjörður. Eingefasst von den schroff abfallenden Berghängen des Eyrarfjall (bis 731 m) und des Kirkjubólsfjall (bis 832 m), am Skutulsfjord gelegen, stellt diese Stadt das Wirtschafts- und Verwaltungszentrum der Westfjorde dar. Nach so viel einsamer Natur fühlt sich Ísafjörður mit seinen knapp 2.700 Einwohnern fast wie eine Großstadt an.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Kunstgalerie Slunkariki, wo Werke internationaler sowie isländischer Künstler gezeigt werden, die eigenwillige, ockerfarbene Betonkirche und der daran angeschlossene Friedhof und der an der östlichen Mündung des Skutulsfjord gelegene rot-gelbe nur etwa fünf Meter hohe Leuchtturm Arnarnesviti, der 1902 errichtet wurde.

Fjord an der Ostküste der Westfjorde

Fjord an der Ostküste der Westfjorde

Am folgenden Tag haben wir eine Strecke von etwa 300 km vor uns, denn wir wollen die Ostküste der Westfjorde erreichen. Die Fahrt entlang der Fjorde am Ísafjarðardjúp zieht sich wie Kaugummi, bis wir endlich die Straße 643 Richtung Norðurfjörður erreichen, von wo aus es nur noch 60 km auf einer allerdings recht holprigen Schotterstraße nach Djúpavík sind. Die Einsamkeit der Westfjorde und die grandiosen Ausblicke in die tiefblauen Fjorde werden Sie auf dieser Strecke wieder aufs Neue begeistern. Das Hótel Djúpavík ist ganzjährig geöffnet und verfügt über acht Doppelzimmer mit ländlichem Komfort mit Waschbecken, Etagendusche und altem Holzfußboden. Im gemütlichen Speiseraum wird Frühstück und Abendessen serviert und tagsüber werden Kaffee, Tee, Kuchen und kleine Zwischenmahlzeiten angeboten.
In der direkten Umgebung bietet sich eine Wanderung zum Djúpavíker Wasserfall an oder eine Führung durch die alte Heringsfabrik. Ein Besuch des kleinen Freibads Krossnes mit geothermalem Wasser in einzigartiger Umgebung direkt an der Küste gehört natürlich auch mit zum Programm! Nach zwei Tagen in Djúpavík, wo es leicht fällt, einfach mal die Seele baumeln zu lassen, steht der Abschied von den Westfjorden an. Es geht nach Nordisland.

Schwimmbad Krossnes

Schwimmbad Krossnes

Blühende Ortschaften, steile Berge, Inseln vor der Küste und Land im Entstehen

All das macht Nordisland zu einer einzigartigen Welt. In Nordwestisland haben die vulkanischen Kräfte ihr Werk weitgehend beendet. Gletscher ließen bei ihrem Rückzug weite Täler zurück, deren sanfte Flusslandschaften einige der besten Lachsgewässer Islands hervorbrachten. Beidseitig des Fjordes Eyjafjörður erheben sich uralte Bergzüge, von tiefen Tälern zerteilt.

Troll auf der Halbinsel Vatnsnes beim Gästehaus Ósar

Troll auf der Halbinsel Vatnsnes beim Gästehaus Ósar

Wir steuern als nächstes Ziel die Halbinsel Vatnsnes und das Gästehaus Ósar an, das durch seine einzigartige Lage besticht. Aufgrund der Vorsaison Ende Mai haben wir auch hier wieder das Glück eines der neuen kleinen Holzhäuser, das bis zu sieben Personen in einem Fünfbett- und einem Zweibettzimmer beherbergen kann, für uns alleine zu haben. Von der Küche aus bietet sich ein fantastischer Blick auf den Húnafjord. Bei einem Spaziergang am schwarzen Strand entlang können Sie Seehunde am gegenüberliegenden Ufer faulenzen oder im Wasser herumschwimmen sehen.
Außer der Seehunde ist der Basaltfelsen Hvítserkur (isl. etwa „weißes Nachthemd“) die Hauptsehenswürdigkeit. Der etwa 15 m hohe Felsen, der an zwei Stellen ausgehöhlt ist, ist Nistplatz verschiedener Vogelarten, wie etwa der Dreizehenmöwen und des Eissturmvogels. Einer isländischen Sage nach soll es sich bei dem Felsen um einen Troll handeln, der von der Sonne versteinert wurde, als er das Kloster Thingeyrar mit Steinen bewarf. Für mich persönlich sieht der Felsen von der Längsseite aus wie ein tanzender Bär und wenn man ihn quer von der Seite anschaut, ähnelt die Form einem Esel, der gerade aus dem Meer trinkt und einen Korb auf dem Rücken trägt – in der isländischen Natur sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt…

Landschaft in Nordwestisland

Landschaft in Nordwestisland

Die Region in Nordwestisland wird bei Island-Rundreisen oft vernachlässigt, es lohnt sich allerdings einen weiteren Stopp auf der Halbinsel Tröllaskagi (isl. „Trollinsel“) einzulegen und das am Ende des wunderschönen Tales Svarfaðardalur gelegene Gästehaus Skeið zu besuchen. Die Umgebung rundum mit weiten Wiesenlandschaften und majestätischen Bergen bietet eine unbegrenzte Auswahl an Aktivitäten: leichte Spaziergänge bis hin zu alpinen Herausforderungen, ruhige Pfade, die Pferd und Reiter oder auch Mountainbiker in den Einklang mit der Natur bringen, sowie uralte historische Verbindungswege zwischen dem Eyjafjord und dem Skagafjord. Auch im Winter hat die Halbinsel Tröllaskagi Einiges zu bieten: Abfahrtsski, Hochtouren, Heliskiing, Skilanglauf, Schneeschuhwanderungen, Eisfischen oder einfach Entspannung im Hotpot. Die dunklen Nächte lassen die Sterne einmal mehr glitzern und nicht selten kann man Nordlichter am Himmel tanzen sehen.
Die deutsche Gastgeberin Myriam Dalstein bietet in ihrem Gästehaus ganzjährig Schlafsackunterkünfte, Doppelzimmer mit gemachten Betten, Zeltplätze, Selbstversorgungsmöglichkeiten in einer gut ausgestatteten Küche oder köstliche hausgemachten Spezialitäten wie zum Beispiel die traditionelle Fleischsuppe Kjötsúpa an, die nicht nur an kalten Wintertagen ein Genuss ist!

Akureyri – Islands nördlichste Hauptstadt

Nach den Tagen mit Natur pur besuchen wir zum Abschluss unserer Reise Islands „nördliche Hauptstadt“ Akureyri, die mit etwa 18.000 Einwohnern das zweitgrößte Bevölkerungszentrum außerhalb des Hauptstadtbezirks Reykjavík und die größte Stadt in Nordisland darstellt.

Akureyri

Akureyri

Akureyri eignet sich gut als Ausgangspunkt zu anderen Sehenswürdigkeiten im Norden Islands, etwa zu den Wasserfällen Aldeyjarfoss und Goðafoss sowie zum See Mývatn mit seinen vulkanischen Erscheinungen. Für Freunde von Walbeobachtungsfahrten ist ein Ausflug in das Fischerdorf Húsavík unbedingt zu empfehlen. In der Touristeninformation sind im Sommer außerdem Busausflüge ins Hochland mit dem Veranstalter SBA Norðurleið buchbar.

Sehenswürdigkeiten von Akureyri sind die oberhalb der Stadtmitte gelegene ev.-luth. Kirche Akureyrarkirkja sowie die Glerárkirkja, die sich durch eine moderne Bauweise und farbenreiche Glasfenster auszeichnet. Der Botanische Garten (Lystigarður Akureyrar) überrascht durch die Vielfalt des Pflanzenwuchses – zu sehen sind dort über 6.000 fremde Arten von Blumen, Bäumen und anderen Gewächsen sowie etwa 400 einheimische Arten.
Des Weiteren gibt es verschiedene Museen zu besichtigen, u. a. das Kunstmuseum Akureyri und das Transportmuseum am Flughafen, das eine große Auswahl verschiedener Flugmaschinen, Autos und anderer Verkehrsmittel zeigt.
Es ist aber auch schön, einfach nur durch die Straßen zu bummeln, am Hafen die Schiffe zu beobachten oder den Blick über die umliegenden Berge und den Fjord schweifen zu lassen.

Akureyri hat eine Vielzahl an Hotels und Gästehäusern mit unterschiedlichem Standard. Wir wohnten im kleinen privat geführten Gästehaus Sólgarðar, das u. a. auch im DUMONT Reiseführer Island empfohlen wird. Hulda, die zusammen mit ihrer Tochter Thordis das Gästehaus führt, empfängt uns mit einer leckeren Schokoladentorte und zeigt uns anschließend die Zimmer. Sie sind hell und geräumig und können auch als Schlafsackunterkunft gebucht werden, zudem gibt es eine Gästeküche mit Kochmöglichkeiten.

Am letzten Tag packen wir unsere Koffer und machen uns auf den Weg zum Inlandsflughafen Akureyri. Auf unserem 45-minütigen Flug mit Air Iceland nach Reykjavík können wir die zauberhafte Vulkaninsel noch einmal von oben betrachten. Vom Inlandsflughafen in Reykjavík bringt uns der Flughafentransferbus zum internationalen Flughafen Keflavík, von wo aus wir unseren Rückflug nach Deutschland antreten.

Die Melancholie wie nach jeder Islandreise wird noch einige Tage anhalten. Island ist ein Land, das einen verzaubert und tief in der Seele berührt. Egal welche Region Sie bereisen, Sie werden begeistert sein von der Ursprünglichkeit, von den Naturgewalten und von der Gastfreundschaft der Isländer!
Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass die Uhren in Island ein bisschen langsamer ticken und es ist schön zu wissen, dass die Insel einen auch bei der nächsten Reise wieder ebenso frisch und natürlich empfangen wird. In diesem Sinne: sjáumst – bis bald!

Sie planen nach Island zu reisen? Ich berate Sie gern im Globetrotter Reisebüro in Hamburg-Barmbek und erstelle für Sie ein individuelles Angebot nach Ihren Reisewünschen.

2 Gedanken zu “Island – die zauberhafte Insel unter dem Polarkreis

  1. M. Klug

    So schöne Bilder,super Blogg ich werde weiterhin diese Seite weiterhin diese Website. Vielen Dank. Liebe Grüsse M. Klug

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